Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: R.A.M. Kindertheater – Kirschbaumtage / Cherry Tree Days

Kirschbaumtage

„Kirschbaumtage/Cherry Tree Days“ – zweisprachige Kinderlieder nach R.L. Stevenson, die zum Entdecken und Mitmachen einladen (optimal für Kindergruppen / mehrsprachige Erziehung)

von Anne Drerup

Dem R.A.M. (rapid-arts-movement.de) KINDERTHEATER, oder genauer gesagt, der Familie von Manuela Hörr und Mark Roberts, gelingt mit diesem Projekt auf CD vor allem eines: Freude an Musik und Lust auf Sprache zu vermitteln. Dazu hat sie Gedichte über die Kindheit des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson (u.a. „Die Schatzinsel“) vertont und deutschsprachige Äquivalente geschrieben (ganz genau übersetzen lässt sich die poetische Sprache nämlich nicht, möchte man in beiden Sprachen Musik daraus machen). Im liebevoll gestalteten und ausführlichen Booklet mit allen Texten (selbst Übersetzungen, die nicht gesungen werden) werden Hintergrundinformationen und Anregungen gegeben, sodass man sich gerade im Bereich von Kindergruppen gut und gerne mal ein paar Lieder auswählen und diese optimalerweise noch mit Aktionen (Malen, Basteln, Tanzen, Geräusche machen, Entdecken…) verbunden einsetzen kann. Still dasitzen und zuhören wäre nicht ganz so empfehlenswert, dazu sind einige Lieder zu lang – und gleichzeitig zu mitreißend. Die beiden Töchter der musikalischen Familie Hörr sind jedenfalls selbst begeistert dabei, und haben im Lied „At the Seaside/Am Strand“ sogar einen Gesangs-Solopart.

Wie in diesem genannten Beispiel gibt es einige Lieder, die deutsche und englische Textfassung miteinander verweben, es gibt aber auch solche, wie der Titelsong „Kirschbaumtage“ (ein Kinderabenteuerlied über den Genuss, auf (Kirsch-) Bäume zu klettern), zu denen es eine eigene musikalische Fassung auf der jeweils zweiten Sprache mit unterschiedlicher Instrumentierung oder vielfältig eingesetzten Geräuschen gibt. Diese sind auf der CD dann auch mit einem gewissen Abstand voneinander aufgenommen.
Bei „Die Schaukel“, einem Gute-Laune Lied über das Schaukeln, dass kaum ein Ende nimmt, sodass man meint, der Schaukler wolle gar nicht mehr aufhören, ist der englische Text mit abgedruckt und klärt auch die verschiedenen Bedeutungen von „Swing“. Mark Roberts singt hierbei die Strophen, seine Stimme ist sehr angenehm zu hören, während die Stimme von Manuela Hörr eigentümlicher und eindringlicher ist, wie zum Beispiel in  dem geheimnissvoll anmutenden „Der unsichtbare Freund/ The unseen playmate“.

Die musikalischen Stile der Gedichtvertonungen sind vielfältig: „Vom Zug aus/ From a railway carriage“ hat eine Akkordeonbegleitung und erinnert ein bisschen an Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste – immerhin geht es auch um Beobachtungen aus einem fahrenden Zug. Das schwungvolle Lied beginnt auf Englisch, die Stimmen erfolgen im ständigen Wechsel, wie die Sprachen auch. „Die nette Kuh“ klingt eher nach Blues/Reggae, im englischen Äquivalent „The friendly cow“ eindeutig nach Countrymusik. Im Nachtlied „Der Mond“ (und auch im englischen „The moon“) werden besonders viele Geräusche eingesetzt – teils selbst erzeugt, teils aus dem Internet geladen, wie es im Booklet steht. Im Gegensatz dazu geht es im melodischen und ruhigen „Singing“ um die Stimme – dieses Lied hat in beiden Sprachen Ohrwurmcharakter und vereint die gesamte Familie in der deutschsprachigen Fassung, wo eine Kinderstimme beginnt und die anderen zeitversetzt dazukommen. „Where go the boats?/Wo geht mein Boot an Land?“ erinnert vom Stil an Gospels.

Das einzige Lied, von dem es ausschließlich eine englische Fassung gibt, ist „My little shadow“, weil es so bekannt ist, dass es zu den Popsongs gezählt wird. Es ist sehr angenehm zu hören und bietet im Booklet wiederum eine deutsche Übersetzung. Bonustracks gibt es auch, nämlich eine Gedichtrezitation „Bed in sumBmer/ Mein Bett im Sommer“, vorgetragen von den Töchtern Koko Lana und Joey Midori, die auch im letzten Stück die Hauptrolle spielen, wo sie sich nämlich über ihre Eltern und Verhaltensregeln beschweren, an die sich die Erwachsenen selbst nicht halten (am Anfang steht ein Telefonat mit dem englischsprachigen Opa, dann setzen die Eltern mit „A child should always say the true“ in beiden Sprachen ein, was die Kinder kommentieren).

Bei „Kirschbaumtage/Cherry Tree days“ handelt es sich also um eine unterhaltsame CD, die vor allem, aber nicht ausschließlich, Kindern Freude machen und auf eigene Ideen bringen wird. Man kann sich nur wünschen, dass das Kindertheater weiterhin solche Projekte umsetzt und vielleicht selbst einmal anstoßen, Sprachentwicklung sowie Mehrsprachigkeit in Verbindung mit Singen zu fördern.

www.rapid-arts-movement.de

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