Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Irland: Glen Hansard – Rhythm & Repose

Glen-hansard-rhythm-and-repose-cover

von David Wonschewski

Und dann gibt es wiederum Künstler, da ist nun so gar nichts gegen zu sagen. Glen Hansard, seines Zeichens Sänger, Schauspieler und Oscar Preisträger, fällt mit Sicherheit in diese Kategorie, ist er doch einer der ganz wenigen Musiker, die derart gekonnt die Ansprüche des Independent mit denen einer Massenverträglichkeit koppeln, dass keine der beiden Seiten sich in ihrem Stolz verletzt fühlt. Klar, es gehört auch stets eine Prise Glück dazu, in eine derartige Position zu geraten, wie das irische Folk-, Rock- & Singer/Songwriter-Urgestein Hansard – aber eben auch ein Talent, das er seit vielen Jahren in seiner irischen Heimat als Sänger und Gitarrist der dortigen Kultband The Frames unter Beweis stellt und von dem spätestens seit 2008 auch der erquickliche Rest der Welt weiß, seit Hansard als schauspielernder Musiker in „Once“ zusammen mit Markéta Irglová mimisch und gesanglich derart viel Herz und Seele auf die Leinwand brachte, dass sogar die ansonsten eher zu Pomp neigende Oscar-Jury in Verzückung geriet. Womit wir denn auch im aktuellen Jahr 2012 angelangt wären – und einer brandneuen Station im Schaffen des Glen Hansard. Denn nach regional sehr erfolgreichen Jahren mit The Frames und überregional gefeierten Alben und Auftritten mit Markéta Irglovà unter dem Namen The Swell Season – folgt nun die irgendwie doch überfällige Soloplatte. Schon wer „Once“ gesehen hat wird sich nicht so ganz des Eindrucks erwehren können, dass die Mann/Frau-Kombination von Hansard und Irglovà schon dramaturgisch betrachtet ihren Reiz hatte, so richtig gut – oder aber: noch viel besser als eh schon – ist Hansard allerdings alleine, solo, als einsamer, verzweifelt suchender und sinnierender Hasardeur mit Wanderklampfe.

Genau das bietet nun „Rhythm & Repose“, das uns in die klangliche Welt eines anderthalbjährigen Aufenthalts von Hansard in New York entführt. Es gehört zur überaus fairen Natur der Sache, dass Hansard längst auf die besten Folkmusiker und –produzenten der Welt zurückgreifen darf – und dass die noch immer nirgends so zahlreich vertreten sein dürften wie im Big Apple, das beweist das Album eindrücklich. Thomas Bartlett hat bereits die schmerzverzerrten Großtaten des aktuellen Indie-Königs Antony And The Johnsons produziert, Rob Mosse bettet Hansards angerautes Organ in butterweiche Streicherarrangements, wie er es auch schon für Bon Iver getan hat, während diverse Tourmusiker der Eigenbrötler-Granden Dylan, Cohen und Springsteen den restlichen Sound veredeln.

Ähnlich seinem inzwischen nicht mehr ganz so gefragten Landsmann Damien Rice versteht es Hansard auch auf „Rhythm & Repose“ blendend mit seinem Markenzeichen, der verzweifelten Intensität, zu spielen, die fast alle elf hauptsächlich getragenen Songs durchzieht. Womit wir auch beim vielleicht einzigen Makel angelangt wären – nämlich dem, dass es keinen gibt. Das Album „glatt“ zu nennen, nein, das würde es nicht treffen. Und doch schwuppern die einzelnen Lieder frei von Eigenheiten am hingebungsvoll Horchenden vorbei. Als Gesamtpaket funktioniert das perfekt, „Rythm & Repose“ als Sekundär-Medium im Hintergrund abgedudelt erfüllt sämtliche Erwartungen. Für tiefere Emotionen empfiehlt es sich jedoch weiterhin, sich Hansard live anzusehen, denn genau das macht das Album ebenfalls klar: Dieser Mann ist tatsächlich als Gesamtkunstwerk ein Ereignis, ganz so wie in „Once“ aufgezeigt.

Website: Glen Hansard

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Oktober 2013 von in Internationale Szene und getaggt mit , , , , , , .
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