Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Offener Brief von Kulturschaffenden, Kulturvereinen, Journalisten und Kulturfreunden an die Zeitungsverleger und entsprechenden Rechteinhaber

EAL5-MPOTEMPAIn letzter Zeit sind einige Künstler, Theater und Kulturvereine, die Rezensionen über ihre eigenen Darbietungen bzw. Aktivitäten auf ihre Webseiten gestellt haben, ohne Vorwarnung mit erheblichen Geldbeträgen abgemahnt worden. Einige haben aus Angst vor noch höheren Kosten, die sich durch ein Gerichtsverfahren ergeben könnten, bezahlt. Viele Künstlerkollegen und Kulturvereine haben in Panik die Kritiken von ihren Webseiten genommen, die meisten von ihnen wohl für immer, da sie die Webseiten häufig in mühevoller Kleinarbeit selbst erstellen.

Zuletzt wurden Ende Juli die Sängerin Scarlett O´ und der Liedermacher Michael Zachcial (Die Grenzgänger) jeweils wegen Verwendung einer mehrere Jahre alten Pressekritik aus der Syker Kreiszeitung durch eine Bremer Anwaltskanzlei abgemahnt. Der in den Schreiben benannte Streitwert betrug dabei nahezu 20.000 Euro, das geforderte Honorar der Anwaltskanzlei lag bei ca. 1000 Euro. Beide weigern sich zu zahlen und erwarten nun womöglich ein Gerichtsverfahren.

Hier finden Sie einen offenen Brief zu diesem Thema, den Sie ggf. mit unterzeichnen können: www.chanson.de/unterschreiben.php

Foto: Masha Potempa

7 Kommentare zu “Offener Brief von Kulturschaffenden, Kulturvereinen, Journalisten und Kulturfreunden an die Zeitungsverleger und entsprechenden Rechteinhaber

  1. Karl
    24. September 2013

    @dezembra Als Künstler ist mir die urheberrechtliche Problematik durchaus bewusst und ein neues Urheberrecht sollte unbedingt sicherstellen, dass jemand, der mit dem Werk eines anderen Geld verdient, diesen daran beteiligen muss. Auch im Netz.
    Aber bedenken Sie bitte, dass der Künstler den Gegenstand der Besprechungen geliefert hat, dass darin aus seinem Werk mitunter gar zitiert wird und dass er die Kritiken nur zur Dokumentierung und zur Propagierung seines eigenen Schaffens einsetzen möchte. So wie es gängige Praxis ist, seit es Kulturjournalismus gibt.
    Eine durchweg symbiotische Beziehung, denn ohne Künstler keine Kulturberichterstattung. Diese wird momentan jedoch auf breiter Front zurückgefahren und wir sollten lieber versuchen, von unserem mitteleuropäischen Kultur-Biotop möglichst große Teile in die digitale Welt hinüberzuretten, als mit Abmahnanwälten reinzudreschen.
    Die Kulturjournalisten jedenfalls, die ich bisher gesprochen gesprochen habe, waren über diese Abmahnungen entsetzt.

    • dezembra
      24. September 2013

      Ja, ohne Künstler keinen Text, ohne Protagonisten keine Geschichte. Klar. Und ich erkenne ja auch an, dass die Menschen, um die es geht in meinem Text, ein gewisses moralisches Recht an ihm haben.
      Deshalb sage ich nicht nein, wenn mich jemand fragt, ob er meinen Text mit Quellenangabe verwenden darf. Ich will ja nicht mal Geld dafür, obwohl mir das schon auch zustehen würde. Aber ich möchte gefragt werden. Das ist alles. Und darauf habe ich ein Recht. Warum fragt man nicht einfach, ob man etwas verwenden darf? Das ist doch normales soziales Verhalten.
      Meist haben die Künstler ja die Kontaktdaten (Telefonnummer und Mailadresse) noch vom Vereinbaren des Gesprächstermins – und jede andere Zeitung hat ein Impressum auf ihrer Website.
      Nein, in meinen Augen gehört allein schon diese Unhöflichkeit bestraft, sich an anderer Leute Eigentum zu vergreifen, ohne Bitte zu sagen.

      • Karl
        26. September 2013

        Ein Phänomen in der Urheberheberrechtsdebatte im letzten Sommer war, dass viele Diskutanten nur von ihrem ganz persönlichen Spezialfall aus argumentierten. Sie scheinen von einem Interview auszugehen, bei dem der Künstler den Journalisten persönlich kennt. In meinem Fall wiederum ist es so, dass ich oft gar nicht weiß, ob ein Rezensent im Saal sitzt und wenn der Veranstalter mir die Kritik nicht nachschickt, krieg ich höchstens via Suchmaschine mit, dass rezensiert wurde. An wen soll ich mich nun wenden? Liegen die Rechte beim Autoren oder beim Verlag? Das kann kompliziert werden und den Aufwand nicht lohnen. Der Offene Brief ist nichts anderes als eine kollektive Anfrage.

      • dezembra
        26. September 2013

        Wenn Sie nicht wissen, dass etwas über Sie geschrieben wurde, kommen Sie ja auch gar nicht in die Gefahr, etwas von einer anderen Website zu „klauen“, weil Sie den Link gar nicht kennen. ;) Doch sobald Ihr Google-Alert Ihnen meldet, dass jemand etwas über Sie ins Netz gestellt hat, sehen Sie, auf welcher Website das Ganze steht – und haben in der Regel die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. Die Rechte liegen bei Zeitungsartikeln immer beim Autor, und dessen Einverständnis brauchen Sie. Wenn Sie dem Verlag mailen oder anrufen, leiten die Kollegen das sicher weiter und sie bekommen höchstwahrscheinlich eine positive Antwort. Beim Veröffentlichen müssen Sie nur die Zeitung auch als Quelle nennen und auf den Originaltext verlinken, dann sollte alles passen.

  2. dezembra
    23. September 2013

    Als Journalistin verkaufe ich meine Arbeit für Geld. Ich bekomme Geld für meine Texte, von dem ich meine Miete und meine Rechnungen zahle. Doch aus irgendeinem Grund, den ich noch nicht ganz verstanden habe, meinen viele Leute, Urheberrechte an Texten oder Bildern seien Kinderei. Niemand von uns würde einem Maler, der gerade ein Gemälde fertig gestellt hat, die Leinwand aus der Hand reißen und sich das gestohlene Bild ins Wohnzimmer hängen – und wenn Gäste kommen, behaupten, man hätte es gekauft, oder, noch schlimmer, selbst gemalt! Genau das ist es aber, was mit Texten und Bildern passiert, die einem Urheberrecht unterliegen.

    Mehrmals am Tag bekommen wir Anrufe in der Redaktion von Vereinen oder Privatmenschen, die Texte und Fotos aus der Zeitung für ihre (oft auch nur privaten) Zwecke verwenden wollen. Dazu gebe ich als Autorin IMMER mein Okay. Unsere anderen Schreiber meist ebenfalls. Und unsere Fotografen in der Regel auch, wenn die Zweitverwertung keinen gewerblichen Hintergrund hat.

    Mit Einverständnis ist das alles kein Problem. Ein kurzer Anruf, eine freundliche Frage, die das Eigentum des anderen anerkennt – und schon kann man den Artikel LEGAL auf der Seite verwenden. Dass illegale Verwendungen hart bestraft werden, ist eine Notwendigkeit.

    • achtellorbeerblatt
      23. September 2013

      Liebe Dezembra, vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist sehr wichtig, dass sich auch Stimmen melden, die das Ganze von einer etwas anderen Seite beleuchten. Schließlich ist nur so eine Entwicklung möglich, eine wirkliche Auseinadersetzung. Wir danken dir vielmals und warten ab, ob sich ein Musiker eventuell dazu äußern mag.

      Liebe Grüße!

  3. Heidrun
    22. September 2013

    Das ist doch krank, diese ganze Abmahnerei … Ich verstehe das nicht mehr. Was ist da los!?
    Danke für diesen informativen Post.
    Grüßle von Heidrun aus der Brecht Stadt Augsburg

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. November 2013 von in 2013, Artikel & Interviews, Neu & aufgefallen, Uncategorized und getaggt mit , .
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