Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Die höchste Eisenbahn – Schau in den Lauf, Hase

Schau_in_den_Lauf

von Simon-Dominik Otte

Jetzt wurde es aber wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, höchste Eisenbahn. Schließlich war die Veröffentlichung dieses Longplayers schon seit einem Jahr erwartet worden. Aber mit Erwartungen spielen Moritz Krämer, Francesco Wilking, Felix Weigt und Max Schröder ja auch so schon gerne.

Die Berliner sind erstaunlich poppig für Singer/Songwriter, aber unter der Oberfläche dann auch sehr politisch und häufig auch schlicht verliebt. „Ich will meinen Namen hören, aus jeder Stadt und jedem Dorf“ predigen sie in „Body & Soul“ und man kann sich durchaus vorstellen, dass genau dies bald der Fall sein wird, wenn „Schau in den Lauf, Hase“ erst in den Läden steht. Max Schröder treibt die Band nach vorne, Felix Weigt verausgabt sich an diversen Instrumenten und Moritz Krämer kämpft mit Francesco Wilking um den Dichterthron.

Angereisten „Aliens“ werden Handyvideos gezeigt, um den Beweis anzutreten, dass mal ganz schön was los war auf diesem Planeten. Tränen in die Augen treibt einem dagegen die Geschichte von „Isi“, die nicht nur aufgrund der mehr als zehn Gläser nie mehr gehen soll. Die höchste Eisenbahn präsentiert sich musikalisch so pünktlich und komfortabel, wie man es sich von ihrem Pendant auf den Gleisen nur wünschen würde. Ballade, Rocksong, Popsong, sie beherrschen alles.

Auch und vor allen Dingen das Erzählen von Geschichten. Geschichten, die wir alle nachvollziehen können, ob wir sie nun schon einmal selbst ähnlich erlebt haben, oder aber nur vom Hörensagen kennen, die beiden Texter schaffen es, dass wir uns immer als Teil des Erzählten fühlen dürfen. Ob das nun gut oder eher nicht so schön ist, darf jeder selbst entscheiden. Aber in „Alle gehen“ fühle ich mich mal wieder sehr zu Hause.

Leider wissen aber auch Die letzte Eisenbahn keine Antwort auf so drängende Fragen wie, was man eigentlich macht, wenn man nicht mehr weiß, wie man heißt, der Gerichtsvollzieher klingelt oder man trotz Menschenhasses die Bude voll hat. Aber immerhin sind diese Fragen nie so intensiv gestellt worden.

„Schau in den Lauf, Hase“ hat trotz all der textlichen Tiefen, die man im Leben zu durchschreiten hat, so viele Höhen, dass ein positiv-warmes Gefühl im Bauch bleibt, nach jedem Song.

Mit der wirklich schönen Vorstellung, dass aufgrund der langen Zeit, die zwei Personen sich nicht sehen, die Uhren am Hauptbahnhof stehen bleiben, beenden die Berliner dann dieses wirklich gelungene Stück Musik, das einen gedankenvoll und dennoch voller Tatendrang zurücklässt. Allerdings ein kleines bisschen weniger allein und verstanden.

www.diehoechsteeisenbahn.de

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