Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Das neue Album von Carsten Langner: Der offizielle PR-Text

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In exakt zehn Tagen ist es soweit: Carsten Langner veröffentlicht sein zweites Album. Eine, wie wir bereits sagen dürfen, ganz besondere Platte. Bei der es uns daher auch ganz ganz besonders freut, dass der Gitarrenpoet im Vorfeld EAL-Redakteur David Wonschewski beauftragt hat, einen offiziellen Pressetext zu verfassen.

Da wir bereits zu den Songs von Langners Debütalbum – „Momentaufnahme“ – viele begeisterte Zuschriften erhalten haben, sind wir uns sicher, dass der junge Mann, der immerhin schon mit Hannes Wader gesichtet wurde (scrollen Sie doch einmal HIER) Sie auch mit seiner zweiten CD erneut mehr als einfach nur erfreuen wird.

Und denken Sie daran: Am 05. Dezember wird Carsten Langner bei unserer Lorbeerblatt-Live-Reihe „Liedermacher bei Budzinske“ auftreten.

Doch genug des Vorgeplänkels: Ein ausführliches Interview und eine Plattenbesprechung werden selbstredend noch folgen. Hier nun der offizielle PR-Text.

Carsten Langner singt Hausin
Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt

Text: David Wonschewski / Fotos: Kalle Korfhage

Ein Geheimnis wohnt diesem Album und diesem Künstler inne. Ein Geheimnis der Zeit – und des genussvollen Umgangs mit ihr. Denn wenn Carsten Langner zur Gitarre greift, dann ist dem lustvollen Vergehen im Strom der Momente zu begegnen. Ein Bekenntnis zu Geduld und Hingabe sind in seinen Liedern zu entdecken – und das Wissen darum, nicht gegen, sondern mit der Zeit arbeiten zu wollen. Sich nicht von, sondern in ihr treiben zu lassen. Eine besonnene und gerade dadurch umso effektivere Vorgehensweise, ist in der Hektik unserer Tage doch nur auf diese Weise noch immer der Natürlichkeit zu begegnen. Jener Stille des Raumes, der noch immer ein echter Klang, eine echte Farbe und ein echter Geschmack zu entlocken sind. Eine Kunstfertigkeit? Vermutlich. Allem voran aber ein Handwerk. Und eine nur schwerlich zu erreichende Mischung aus Entsagung und Inbrunst. Nun, Carsten Langner jedoch gelingt genau das. Denn der Gitarrenpoet aus Schönkirchen bei Kiel – es ist nicht anders zu sagen – ist ganz offensichtlich mit der Zeit im Bunde. Keinen anderen Schluss lässt sein neues, zweites Album „Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt – Langner singt Hausin“ zu. Bereits sein Erstling „Momentaufnahme“ verdeutlichte vor anderthalb Jahren, dass da ein Mann auf der Bildfläche erscheint, der nicht mit der Vehemenz jener Barden ins Rampenlicht drängt, die dem Glauben verfallen sind, immer nur von Berlin, Hamburg oder München aus das Wesen ihrer Kunst definieren zu können. Und mit einer schönen Regelmäßigkeit an exakt dieser Ansicht dann auch zugrunde gehen, sich verheddern und verstricken in diesem selbstgeknüpften Geflecht aus auferlegter Hektik und freiwilliger Entwurzelung. Ein Gebaren, das Carsten Langner von Beginn an vermieden hat – wohlweislich. Und um stattdessen aus der Provinzialität seiner maritimen schleswig-holsteinischen Heimat heraus gegen den Strom zu schwimmen. Mit langsamen, bedächtig ausgeführten Zügen.

„Momentaufnahme“ (VÖ: März 2012, CLABAUTER Musik), eine Platte gespickt mit den auffallend unbedrängten Nuancen eines offensichtlich ebenso unbedrängten Charakters, zeigte bereits, mit welch unfassbar schönen Melodiebögen und textlich sensiblen Einsichten Langner uns versorgen kann – so wir ihm denn nur jene Stille des Raumes dafür lassen. Ein Album, das in seiner Schön-, Rein- und Wahrheit niemals in einer Großstadt hätte entstehen können, niemals dort, wo das Leben tobt. Sondern einzig dort, wo es noch innehalten kann.

Gründe, den Mittzwanziger rücksichtslos in jene altbekannten Mühlen aus Hype und Hysterie zu stoßen, hätte es dennoch bereits genug gegeben, entfacht Langner mit seinen Liedern doch ein sehr elementares Gefühl. So elementar, dass allein das der Grund ist, warum Carsten Langner schon so frühzeitig als legitimer Nachfolger eines Reinhard Mey bejubelt worden ist. Kunstvoll und doch vollkommen ungekünstelt singt er über die vielen kleinen Momente der Hoffnung und des Zutrauens, des Zauderns und Verzagens, erzählt von sich – und zugleich doch von uns. Die Penetranz, mit der er mit der Liedermacher-Ikone Mey verglichen wird, mag daher ein wenig mit Langners musikalischer Stilistik zusammenhängen. Ist vor allem jedoch begründet in unserer Angst, dass auch der inzwischen über siebzigjährige Mey uns einst auf ewig verlassen könnte. Und wir alsdann allein dastehen könnten. Ohne eine Stimme, die sich noch darauf versteht, zu uns zu sprechen, so besonnen und auf Anhieb vertraut.

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Dass Carsten Langner über die nötige Zeit verfügt, sich auf uns einzulassen, doch, das war bereits diesem in Liedermacherkreisen mit so viel Enthusiasmus aufgenommenen Debüt zu entnehmen. Wie sehr ein junger Künstler jedoch auch noch reifen kann, der sich wie Langner in seinem Heimatort Schönkirchen mit der „Liedermanufaktur“ nicht nur sein eigenes Studio eingerichtet hat, sondern der von dort aus auch seine Alben auf dem eigenen Label „CLABAUTER Musik“ veröffentlicht und vertreibt, das ist nun in beeindruckender Klarheit auf „Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt“ zu hören. Unbehelligt von den Einpeitschern der Musikindustrie hat er sich hier den Gedichten des großen niedersächsischen Dichters Manfred Hausin gewidmet. Und mit viel Hingabe und Geduld die Musik in den Worten des Poeten entdeckt. Doch vor allem: die Aktualität. Denn so simpel es zunächst erscheint, Gedichte anderer einzusingen, Gedichte, über denen sich andere Künstler den Kopf zerbrochen haben und die sich textlich längst bewährt haben – das Unterfangen, dem Langner hier nachgeht, ist ein geradezu wagemutiges. Schließlich weiß er um sein junges Alter und Aussehen.

Äußerliche Aspekte, die einige der hier gewählten Hausin-Vertonungen (allen voran das Titelwerk „Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt“ oder „Viele Lieben“) jedoch zu einer fast aussichtslosen Herausforderung werden lassen. Und die er dennoch bravourös meistert. Nicht nur, dass es ihm auf diesem neuen Album erneut gelingt, sein einzigartiges Gespür für Melodien beglückend kraftvoll zu entfalten und Hausins Poeme somit in einen adäquaten Klangmantel zu hüllen – durch seine sprachliche Begabung und seine wahrlich unique Artikulation und Intonation trägt er sie sanft und besonnen ins Hier und Jetzt. Derart sanft und besonnen, dass nur selten noch die politischen Kontexte ihrer Zeit durchschimmern, ja, diese gesungenen Gedichte, anstatt Carsten Langner nun mit Staub zu benetzen, sich von ihm von genau diesem Staub befreien lassen.

Nein, Songs wie diese entstehen niemals in den Metropolen dieser Welt und auch niemals an den sogenannten „Hot Spots“ der Entertainmentbranche. Songs wie diese entstehen nur an Orten, an denen ihre Erschaffer noch in jener bereits benannten Verschleppung und Entschleunigung zu leben verstehen. Orte, an denen ein junger Musiker mitsamt seinen frischen Ideen und Melodien noch die Möglichkeit hat, stundenlang am Meer entlang zu streifen, wie Carsten Langner es mitunter tut. Orte, an denen sich Katz‘ und Maus „Gute Nacht“ sagen. Und sich noch immer gegenseitig verstehen dabei. Dass ein solches Bekenntnis zu Zeit und Entwicklung auch immer ein Luxus ist, dessen ist sich der Gitarrenpoet dabei durchaus bewusst. „Ein Studio anzumieten, ist ähnlich wie Taxifahren: Du singst und spielst immer gegen die Gelduhr. In solch einer Atmosphäre kann und will ich mich der Muse nicht hingeben. Täte ich es dennoch, hörte man es meiner Musik an, klänge sie weniger lebendig, weniger nach mir, im wahrsten Sinne des Wortes „professionell“, angestrengt.“, sagt Carsten Langner. „Ich konnte mir bei den Aufnahmen alle Zeit der Welt lassen und war mehr als ein halbes Jahr lang fast täglich im Studio. Allein am Arrangement des Titelsongs „Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt“ habe ich fünf Wochen lang gefeilt, bis ich endlich zufrieden war.“ Und in der Tat ist die CD, auch wenn sie selbstredend im akustischen, fast schon traditionellen Liedermachergewand daherkommt, ein gutes Stück abenteuerlustiger geworden als ihre Vorgängerin. Was nicht zuletzt der engen, freundschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Multiinstrumentalisten Andreas Köpke zu verdanken ist, welcher Langner punktuell und äußerst sensibel an Instrumenten wie Bass, Bodhrán, Besen-Mandola, Konzertina, Mandoline oder auch Bouzouki begleitet, ohne sich dabei selbst in den Vordergrund zu drängeln. Eine Experimentierlust, die ebenfalls ihre Zeit einfordert.

„Ich wollte den Klang meiner Gitarren bestmöglich einfangen und habe mir die Zeit genommen, für jede musikalische Stimmung die mir klanglich am harmonischsten erscheinende Mikrofonaufstellung zu suchen. Mit Standard-Mikrofonierungen aus dem Lehrbuch arbeite ich nicht gerne. Die klingen zwar alle solide und sauber, aber eben nicht besonders. Mit kreativen Positionierungen hingegen lassen sich wunderbar Stimmungen inszenieren, kann man spieltechnische Nuancen akzentuieren. Meine Hanika-Konzertgitarre zum Beispiel hat einen wunderbar kräftig-tiefen, singenden Bass. Richtig gespielt und aufgenommen macht der selbst Andreas‘ E-Bass, der in einigen Stücken zu hören ist, überflüssig. Trotzdem soll der Gesamtklang natürlich immer ausgewogen bzw. in den Höhen brillant bleiben. Das erfordert Fingerspitzengefühl und die Bereitschaft, auch so manche gute Aufnahme wegzuwerfen, wenn man glaubt, es noch einen Tick besser hinbekommen zu können – sei es nun spiel- oder eben tontechnisch. Ich denke, das ist ganz gut gelungen.“

Und so treffen auf „Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt“ die weisen Worte Hausins und die instrumentelle Fachexpertise Köpkes auf die unverbrauchten Ideen eines jungen Liedermachers, der sich beim genauen Hinsehen als wesentlich unangepasster erweist als der erste Blick und der erste Klang glauben lassen wollen. Und wir erleben eine Kunstfertigkeit, die selten ist, kulminiert sie doch in nicht weniger als der Verbrüderung der Generationen. Einer Verschmelzung, die in ihren besten Momenten („Endlich“, „Liebe für immer“, „Spätsommerlied“) vollkommen vergessen lässt, dass es sich hier um nachträglich vertonte Sprachtexte handelt.

Was wiederum nicht nur für Langners Gespür, sondern auch für die Wortmusikalität Hausins spricht, der die Produktion des Albums im Übrigen freundschaftlich begleitet und Langner inzwischen als jüngstes Mitglied in seine legendäre „Compagnie Poesie“ aufgenommen hat – neben Urgesteinen wie Hannes Wader, Werner Lämmerhirt, Joana, Liederjan etc.

Ja, ein allen Menschen gemeinsamer Geist wohnt diesen Liedern inne, ein einendes Gefühl. Und auch: ein Kampf. Denn gerade das ist neu auf „Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt“, einer CD, mit der sich Langner von seiner eigenen, auf seinem Debüt eindrücklich bewiesenen Poesie ein wenig entfernt, um sich wahrhaft größeren Aufgaben zu stellen, in größeren Zusammenhängen zu denken. Und sich somit auch zunehmend zu der Verantwortung großer Liedermacher zu bekennen, in dem Wissen darum, ein Kind seiner Zeit zu sein. Auch wenn Texte wie der von „Freund Hein“ nicht seinem eigenen Kopf entsprungen sein mögen, so entspinnt sich hier dennoch sehr klar das Bild eines Liedermachers, der schon bald das Beste seiner Zunft und seines Genres in sich vereinen wird. Und der nicht nur jenen Menschen eine Stimme geben kann, denen die Ikone Reinhard Mey so unsagbar wichtig ist. Sondern überdies auch jenen, denen Musiker wie Hannes Wader ein Fels in der Brandung sind.

Berühren kann Carsten Langner uns bereits seit dem ersten Ton seines ersten Albums. Doch die Zeit des Aufrüttelns, die beginnt jetzt. Mit „Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt“.

Erscheinungstermin 22. November 2013 ● Label CLABAUTER Musik ● Vertrieb www.clabauter.de
Mehr über Carsten Langner www.carsten-langner.de ● Mehr über Manfred Hausin www.manfred-hausin.de.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. November 2013 von in Langner, Carsten, Liedermacher und getaggt mit , , , , , , .
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