Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Carsten Langner – Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt

Steh_nicht_im_goldenen_Buch

von Sophie Weigand

Es gibt Platten, die man in dem aufkeimenden Bewusstsein darüber hört, dass sie Meisterwerke ihres Genres, dass sie ein „großer Wurf“ in den Ring des Liedermacherhandwerks sind. Unbestritten und rasant reift diese Überzeugung, als die ersten Akkorde von Carsten Langners „Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt – Langner singt Hausin“ erklingen. Es ist im Metier der singenden Barden nicht ungewöhnlich, das ein oder andere Gedicht zu vertonen und ihm einen gut sitzenden musikalischen Mantel anzupassen, – dass allerdings ein so junger und talentierter Liedermacher wie Carsten Langner sich eines alteingesessenen Texters wie Manfred Hausin annimmt, darf mit Fug und Recht besonders genannt werden!

Manfred Hausin, die „Stimme Niedersachsens“ und Gründungsvater der Compagnie Poesie, ist ein alter Hase im Geschäft. Seine Gedichte sind geschliffen und klar, augenzwinkernd, niemals um eine kleine Schelmerei verlegen. Sie sind aufrichtig, was Hausin schreibt, das meint er auch eben so, ganz gleich, wem das womöglich gegen den Strich gehen mag. Und auf den ersten Blick mag man denken, dass Carsten Langner viel zu sympathisch, viel zu „harmlos“ für derlei Scharfzüngigkeiten aussieht. Doch weit gefehlt! Schon im Eröffnungslied ,Wenn keiner diese Platte nimmt‚, die Geschichte einer künstlerisch-motivierten Flugzeugentführung, wird offenbar, was man zuvor kaum zu hoffen wagte – hier passt etwas zusammen, was längst hätte zusammen finden müssen. Fast ungläubig reagiert man angesichts der Tatsache, dass die Komposition von Langner selbst stammt, ergänzen sich Text und treibender Gitarrenrhythmus doch dergestalt, dass man gar vergisst, dass sie nicht von Anbeginn vereint waren.

Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt‚ schrieb Manfred Hausin angesichts einer gewissen Preisversessenheit, die er im politischen und kulturellen Bereich bemerkte. So spekulieren wahrlich viele schon auf Auszeichnungen, bevor sie ihr auszuzeichnendes Werk überhaupt beendet haben. Eine Haltung, die dem pragmatischen Hanseaten fremd ist. Er steht in keinem goldenen Buch, keine Straße heißt wie er, kein Platz und keine Schlacht. Auch hier beweist Carsten Langner eine bewundernswerte Feinfühligkeit für Melodie und Rhythmus. Sind Hausins Gedichte allein schon ein Genuss, werden sie durch den stilsicheren 25-jährigen veredelt. Dreizehn Lieder über die Liebe, das Künstlerdasein und den alltäglichen Kampf enthält die Platte, die Carsten Langner auf seinem eigenen Label CLABAUTER Music herausgibt. Darunter auch ‚Dass wir so lange leben dürfen‚, das Lied, durch das Langner und Hausin zueinanderfanden. Streng genommen gebührt auch Urgestein Hannes Wader in diesem Zusammenhang einiger Dank, war er es doch, der diesen Hausin-Text auf seinem Album ‚Nah dran‚ vertonte und Langner so auf den niedersächsischen Eulenspiegel aufmerksam machte.

Dieses Album ist in seiner klanglichen und inhaltlichen Tiefe ein Werk, das die Liedermacherszene hoffnungsfroh stimmen muss, wenn nicht gar euphorisch! Es ist an der Zeit, den so oft bemühten Reinhard-Mey-Vergleich (auch wenn es wohl weitaus weniger schmeichelhafte Parallelen gibt, denen man sich ausgesetzt sehen kann) beiseite zu packen und sich dem zu widmen, was Carsten Langner hier zu unser aller Freude geschaffen hat. Als er, nicht als Nachwuchs-Reinhard-Mey.

Eine Platte, die sich ganz der traditionellen Liedermacherei verschreibt und dabei einfach und behände ausnahmslos alles richtig macht! Das Booklet der CD enthält nicht nur alle Texte, sondern auch kleine Anekdoten, mit denen Hausin seine Gedichte angereichert hat. Ein Rundumpaket, das wohl noch länger seinesgleichen suchen wird. Wie sagt man so schön? A match made in heaven!

www.carsten-langner.de

Ein Kommentar zu “Rezension: Carsten Langner – Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt

  1. Andrea
    1. Dezember 2013

    Na, das ist doch mal wirklich etwas schönes für den Geist und für die Seele. Das ist ein Ohrenschmaus auf allerhöchstem Niveau. Traut sich einfach mal so an einen ‘Großen’ aus der Branche heran und macht aus Manfred Hausins wunderbaren Gedichten ein Feuerwerk der Sinne. Die Töne hat er unglaublich gut getroffen wie ich finde. Klasse, euch beiden. Und eine tolle Stimme hat der Junge, der doch erst 24 Jahre alt ist? Wirklich schön. Das gefällt doch. Alles Gute weiterhin!

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