Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

24. November: Mani Matter – kein Nachruf…

mmatter

…aber ein Nachhall eines leider missglückten Überholmanövers eines Berner Troubadours auf einer Autobahn bei Zürich, am 24. November 1972, unterwegs zu einem Konzert, welches seither unzählige Fans und Interpreten für ihn spielen.

von Markus Heiniger

Mani Matter wirft den Schatten, in dem heute in der Schweiz jeder Liedermacher steht, der mit seinen eigenen Songs auf der Bühne steht. Es ist wie mit Sokrates. Auch wenn ihn Platon und Aristoteles womöglich in der einen oder anderen Hinsicht übertroffen haben, aus Sokrates Schatten hat sich bis heute keiner mehr gestohlen, der sich auf dieser Welt anschickte, einen eigenständigen Gedanken zu denken. Wie hat Mani Matter das geschafft? Es ist ein Geheimnis, das wir Schweizer zwar gerne allen erklären, die es wissen wollen, letztlich aber doch wohl für uns behalten müssen. Denn so, wie das unnachahmliche Gleichgewicht in Goethes „Wanderers Nachtlied“ einem Chinesen etwa wohl nur schwer zu übermitteln sein wird, ist es schwierig Mani Matter zu vermitteln, ohne ihn zu verstehen. Das ist der Nachteil des Schweizerdeutschen. Es ist bei Mani Matter so abgründig clownesk wie bei Charlie Chaplins Figur des Tramps. Nur eben weniger Menschen zugänglich. Und Mani Matter starb früh, wie ein J.F. Kennedy oder ein James Dean. – Wie ein Mozart oder Schubert möchte ich hingegen nicht sagen, denn Mani Matter hielt sich selber nicht wirklich für einen Musiker. Ja, das ist traurig, das mit dem frühen Tod, erhält aber jene, die ihn erleiden, ewig jung. Mani Matter kann heute jeder hören, der das will. Und trotzdem bleibt er letztlich wohl immer ein Schweizerisches oder zumindest Alemannisches Geheimnis.

www.manimatter.ch

2 Kommentare zu “24. November: Mani Matter – kein Nachruf…

  1. Markus Heiniger
    24. November 2013

    Lieber Papageno,

    bitte gerne geschehen!

    Ich hatte selber ja das Glück in Fritz Widmers letzten Lebensjahren dessen Bühnenpartner zu sein. Wir spielten das Programm „Ganz Alts und ganz Neus“. Und Fritz, der früher immer von Bern aus zusammen mit Mani Matter zu ihren gemeinsamen Konzerten zu fahren pflegte, sagte mir, es freuen ihn, dass er dies nun endlich wieder zusammen mit jemandem tun könne. Mit mir. (Ich fuhr von Basel aus jeweils zu ihm nach Bremgarten, von wo aus wir dann zusammen weiterfuhren.) So erfuhr ich von diesem kongenialen Berner Troubadour und Buchautor, der ja mit einer Enkelin von Hermann Hesse verheiratet war, viel über Mani Matter und ihre gemeinsamen Bühnenjahre.

    Ja, Nachruf ist tatsächlich falsch. Wir rufen Mani Matter nichts nach. Wir singen seine Lieder. Das ist absolut erstaunlich. Aber er hat eben die geniale Mischung aus formaler Einfachheit und sprachlicher Vollendung hingekriegt…

  2. Papageno
    24. November 2013

    Diese Meldung war so unglaublich: Mani Matter tödlich verunglückt. DAS Gespräch in den Familien, DAS Gespräch bei der Arbeit. Und im Gegensatz zu so vielen Künstlern ist Mani Matter in die Schulbücher eingegangen und er wird auch von der heutigen Generation geschätzt wenn nicht gar geliebt :-) Danke für die Erinnerung!!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. November 2013 von in 2013, Artikel & Interviews, Internationale Szene, Schweizer Szene, Uncategorized und getaggt mit , , , .
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