Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Tim Köhler – also: – EAL-CD des Monats Dezember 2013

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von Sophie Weigand

also: Da ist es. Nicht nur EAL-CD des Monats Dezember, sondern auch das erste veröffentlichte Machwerk Tim Köhlers, seines Zeichens diesjähriger Gewinner des 17. Liederfestes der Kulturfabrik Hoyerswerda und bis vor einem Jahr noch eher „heimlicher“ Liedermacher. In trauter Zweisamkeit und Allianz mit seinem Klavier hat der Mann, der mit düsteren Heavy-Metal-Klängen seine musikalische Karriere begann, lange überlegt, ob er seine Lieder einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren soll. Wir können alle sehr dankbar für die Entscheidung sein, die Tim Köhler getroffen hat. Er ist es schließlich auch. Zu Recht! Im Herbstgewitter 39 durften wir uns mit gleich drei Liedern in der Sendung bereits einen Eindruck verschaffen.

„also:“ vereint elf melancholisch-wortgewandte, authentische und menschliche Lieder zu einem wohlklingenden musikalischen Gemisch. Köhlers angeraute Stimme, seine poetischen Texte und die gekonnte Instrumentierung erzeugen dieses wohlige Gefühl von Weltschmerz, das man sich gelegentlich auch freiwillig gönnt, weil es so unbestreitbar zum Leben gehört. Nichts hier wirkt aufgesetzt und gekünstelt und gerade dann trifft so ein Lied, so ein Album doch am ehesten ins Schwarze – wenn es nichts will als musikalisch erzählen, Leben vertonen.

Tim Köhler singt von Sehnsucht, Liebe und ihrem Scheitern wie Stolpern in „Weitaus zuwenig“, über die (Selbst)Darstellung in manch leerem Raum in „Tänzer“, „wer will schon sortiert sein, wenn das Durcheinander ein schöner Selbstzweck ist?“, um nur in aller Betriebsamkeit nicht zu sich selbst zu gelangen. Aus lauter Angst davor, in der Stille nicht sich selbst, sondern nur gähnende Leere vorzufinden. Eine Sorge, die nicht nur die hektischen Arbeitstiere einstweilen überkommen dürfte. Um diese Befindlichkeiten aber musikalisch und sprachlich einzufangen, braucht es einen wie Tim Köhler. Um sich ein bisschen ertappt zu fühlen im Hamsterrad.

Aber nicht nur entlarvend-wohlige Klavierklänge finden sich auf dieser Platte, Tim Köhler erhält Unterstützung von befreundeten Musikern. So singt Nadine Hagelstein ganz sanft im Background zu „Mach mich frei“, der inständigen Bitte, eine Beziehung in der Schwebe doch auf festeren Grund zu stellen. Uli Stromsdörfer, der sich auch als Produzent des Albums beteiligt zeigt, steuert das Akkordeon, den Bass und die Drums bei, Coco Sturm das Cello und Robert Koßmann gar das Saxophon („Weitaus zuwenig“). Und so erhält die Platte an der einen oder anderen Stelle musikalische und klangliche Tiefe, den letzten Schliff gewissermaßen.

Tim Köhler greift in seinen Texten manch bedeutsame Frage auf, es ist ein Album, das man zwar nebenbei hören kann, sehr gut sogar – das seine Wirkung aber mutmaßlich am besten entfaltet, wenn man ganz in Ruhe zuhört, sich treiben lässt in den Worten und Klängen. Es ist eine Platte für ruhige Stunden, die vortrefflich gelungen ist. Man kann nur hoffen, dass Tim Köhler ab jetzt weiterhin die Öffentlichkeit der Heimlichkeit vorzieht und uns auch zukünftig diese wunderbar feinfühligen und nachklingenden Lieder schenkt.

www.tim-koehler.net

Zum Herbstgewitter 39/2013: Hier klicken

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