Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Konzertbericht – Benefiz-Konzert zur Weihnachtszeit von Katja Ebstein am 1. Dezember 2013

Von (Zimt-)Sternen, Notizen zur Weihnachtspredigt, Seltengängern und Wünschen zur Weihnachtszeit

Katja Ebstein Weihnachtsprogramm

 von Anne Drerup

Heiteres und Besinnliches bei Katja Ebsteins Benefizkonzert „Es fällt ein Stern herunter“ sorgt für einen tiefgründigeren Blick auf das Fest der Liebe

Schlosstheater Neuwied, 1.12.2013:

Um kurz vor acht begeben sich die Zuschauer in den Konzertsaal, dessen Bühne angenehm adventlich dekoriert ist. Was anfänglich noch hoffnungsvoll nach einem Menschenstrom aussieht, bricht bald ab und es wird deutlich, dass das kurzfristig angesetzte Benefizkonzert leider bei weitem nicht ausverkauft ist – auch wenn ein paar Bekannte sich von der Begeisterung für das außergewöhnliche Weihnachtsprogramm haben anstecken lassen.

In heimeliger Atmosphäre begrüßen Katja Ebstein und ihr Pianist Stefan Kling also nach dem Eingangs- und Rahmenstück, dem vertonten Gedicht Heinrich Heines „Es fällt ein Stern herunter“ kombiniert mit einer kurzen Weihnachtsgeschichte, ihr Publikum und vermitteln, dass sie sich über jeden einzelnen, der zum Zuhören gekommen ist, freuen.

Faszination und Applaus halten sich konstant bei der gelungenen Mischung aus Liedern, Gedichten und Geschichten: Mal heiter und humorvoll, mal besinnlich, anrührend und nachdenklich bis hin zu kritisch am Verhalten der Menschen im Umgang miteinander, wie beispielsweise das ironisch gemeinte „Weihnachten ist eine schöne Zeit“ von Georg Kreisler, Robert Gernhardst Milieugedicht „Zu Weihnachten“ (…da sitzen wir // vorm Fernseher und trinken Bier!“) oder Erich Kästners „Dem Revolutionär Jesus Christus zum Geburtstag“ sowie R.O.Wiemers besorgter „Notizen zur Weihnachtspredigt“, freilich nicht, ohne immer wieder auch Hoffnung auf eine Besserung durchschimmern zu lassen. Die höchst präzisen „Ratschläge für Seltengänger“ (R. Gernhardt) hingegen decken die Tücken des Weihnachtsgottesdienstes für jene Kirchgänger auf, die das restliche Jahr über keine Kirche aufsuchen und daher genaue Handlungsanweisungen brauchen, um sich durch frei improvisiertes Mitsingen unbekannter Gesänge, mitgebrachter Knabbereien oder Kommentare während der Predigt nicht zu blamieren: „(…) Gegen Ende der Veranstaltung bekommen Sie einen Beutel voller Geld überreicht. Überschwenglicher Dank ist völlig unangebracht. Sie sollen Ihrerseits nämlich Geld hinein-, auf jeden Fall jedoch nicht Geld aus dem Beutel heraustun, und das Gerät danach schweigend weiterreichen.“ Auch die Lieder von James Krüss („Die lustige Weihnacht“, „Tierweihnachten“ und „Die Weihnachtsmaus“, einigen wohl noch aus der Grundschulzeit wie aus dem eigenen Leben wohlbekannt), Loriots Rezept „Zimtsterne“, die Mutter mit der Laubsäge herstellen muss, oder Karl Heinrich Waggerls Geschichten wie „Worüber das Christkind lächeln musste“ sorgen für einige Lacher, die augenscheinlich allerdings nicht bis zur Bühne vordringen, denn Katja Ebstein betont zwischendurch auffordernd: „Ihr dürft auch lachen, wenn es lustig ist!“

Denn dass nicht alles heiter ist in der Weihnachtszeit, das wird besonders eindrücklich in den Gedichten und Liedern Else Lasker-Schülers („Credo“: „Das ewigem Leben dem, der viel von Liebe weiß zu sagen!“, „Das Gebet“), oder dem jiddischen Wiegenlied „Dremlen Feigl“ sowie „Unter deinen weißen Sternen“ von L. Rudnitzki deutlich, die bald zu Tränen anrühren, in jedem Fall aber zum Nachdenken anregen.

WeihnachtskonzertAuf ganz klassische, bekannte Weihnachtslieder braucht in diesem Programm, das mag vielleicht verwundern, auch nicht verzichtet werden: „Maria durch ein Dornwald ging“, die Melodie von „St. Martin“ oder, und hierbei werden alle zum Mitsingen aufgefordert: „Der Trommlermann“ (Text wie auch die deutsche Version von „Morning has broken“ (Bald bricht der Tag an) geschrieben von Inge Brück) kommen zu Gehör. Manchmal erfolgt auf eine bekannte Melodie aber ein unerwarteter und kritischer Text, wie Erich Kästners „Morgen Kinder wird’s nichts geben“ („…Nur wer hat, kriegt noch geschenkt!“) oder das als Zugabe präsentierte (ja, diesbezüglich war das Publikum laut genug!) „Stille Nacht“, das bei allen herrschenden Katastrophen auf der Welt die leise Hoffnung hegt, die Menschheit möge nicht in himmlischer Ruh ihre Augen verschließen, sondern mit notwendigen Änderungen beginnen, wozu jeder gefragt und nötig ist.

Kleine Schritte in Richtung positiver Veränderung, das schafft an diesem Abend auch der Anlass für dieses Konzert, nämlich die Unterstützung Kinder und Jugendlicher durch die Katja-Ebstein-Stiftung, die sich seit Jahren für eine enkeltaugliche Zukunft einsetzt, zahlreiche Projekte ins Leben gerufen und weitere in Planung hat: Die Einnahmen des Benefizkonzerts, die nicht so groß ausfallen wie erhofft, sollen zum Beispiel in den Ausbau und die Gründung einer neuen Bildungsstätte in Kladow/Berlin gehen. Spenden helfen viel, doch auch durch ehrenamtliches Engagement und Kooperation lässt sich einiges verbessern. (Infos unter www.katja-ebstein-stiftung.de)

Wer nun bedauert, das weihnachtliche Benefizkonzert verpasst zu haben, kann unter Umständen aber unter den weiteren Terminen mit dem Weihnachtsprogramm auf der  Homepage www.katja-ebstein.de etwas Passendes finden. Ansonsten heißt es, sich ein Jahr gedulden bis „Es fällt ein Stern herunter aus seiner funkelnden Höh. Das ist der Stern der Liebe, den ich dort fallen seh.“ einen zauberhaften Abend einläutet.

Kleiner Nachtrag:

Beim Zusammensitzen nach dem Konzert ist noch ein nichtkommerzieller Musikveranstaltungstipp zur Sprache gekommen und viel gelobt worden: Das Plaidter Wohnzimmerkonzert von Andrea Neideck – für den ein oder anderen Kleinkunstbegeisterten oder aufstrebenden Liedermacher vielleicht ganz interessant! Interesse anmelden kann man über eine entsprechende Facebook-Seite: Hier klicken

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