Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Mario Stork – Weiter geh´n

weiter-geh-n

von Sophie Weigand

Vier lange Jahre lagen zwischen Mario Storks erstem und seinem aktuellsten Album ,Weiter geh’n‚. Vier Jahre, in denen unsicher war, ob es überhaupt ein zweites Album geben sollte. Nicht, dass es dann mit der Musik vorbei gewesen wäre. Stork arbeitet als Arrangeur und Pianist für andere Künstler und komponiert für die Bühne. Zuletzt „Ein Lied von Freiheit“, eine Rockoper über Guiseppe Verdi. Und tatsächlich würde man hinter Mario Stork auf den ersten Blick erst einen knallharten Rocker vermuten, bis die sanften Klaviertöne seines Albums erklingen und eines Besseren belehren. Hier ist ein sehr feinfühliger Chansonnier am Werk, mit einem Gefühl für (Zwischen)töne und eingängige Melodien.

Auch aus Sackgassen führen Wege in die Freiheit, scheint das kleine Männchen zu verkünden, das auf dem Cover des Booklets dem roten Sackgassenrechteck entweicht. Nicht alles, was ausweglos erscheint, muss auch so bleiben. Mario Stork schlägt deutliche Töne an, ist, in bester Liedermachertradition, überraschend politisch. In Liedern wie ,Wie ich bin‚, ,Mit Schmackes in den Untergang‚ und ,Schaff die Welt ab‚ liegt eine Menge Wut, Bitterkeit, Enttäuschung. ,Wir stinken nach dem Dreck unserer Zeit‘, singt Stork nahezu hilflos. Hemmungsloser Konsum, Lethargie, Fassadenglanz und alle Krankheiten, die eine Gesellschaft wie unsere mit sich bringt und pflegt, finden hier Erwähnung. Doch manchmal klingt es, als würde Mario Stork fast zu sehr von dem berechtigten Kulturpessimismus überwältigt.

,Weiter geh’n‚ ist jedoch mitnichten ein Album, das sich ausschließlich als musikalischer Pranger gesellschaftlicher Missstände begreift. Es ist auch ein Album der Versöhnlichkeit und des Händereichens mit einer Welt, die neben allen Abscheulichkeiten auch Momente des Glücks und der Zufriedenheit beinhaltet. ,Neben dir‚, ,Meine beiden Frauen‚ und ,Wein, Bajazzo‚ besingen die schöneren Augenblicke im Kreise geliebter Menschen. In trauter Runde mit dem Glas Wein. Sind es doch letztlich vielleicht genau solche Abende, die aus Sackgassen führen.

Mario Stork weiß Melodien zu komponieren, die im Ohr bleiben, anschmiegsam und gefällig. Ohne größere Schwierigkeiten sähe man diese Töne auf großen Bühnen umherwirbeln, ja, bisweilen verbreiten sie fast ein Gefühl von Musical, das sich gelegentlich mit den Texten beißt. Aber auch bitterböse kann Mario Stork sein, besonders eindrücklich zu hören im ,Drecksack-Blues‚. Einem Lied, bei dem man heilfroh ist, vermutlich nicht gemeint zu sein. Und sich dann doch ertappt, jemanden zu kennen, dem man manchmal gern Vergleichbares sagte. Ein klassisches Kompensationslied.

Insgesamt ist Mario Stork mit ,Weiter geh’n‚ ein Album zum Innehalten, zum Schwelgen und Nachdenken gelungen, dessen passgenaue Klaviermelodien die Texte erst richtig zum Leuchten bringen. Man kann insofern nur froh und dankbar für die Entscheidung sein, dieses zweite Album doch aufzunehmen. Und vielleicht erwartet uns gar ein drittes? Dieses jedenfalls ist jede Minute wert, die es sich in den Ohren seiner Zuhörer befindet.

www.mariostork.de

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