Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Dominik Plangger – hoffnungsstur

hoffnungsstur_cover

von Sophie Weigand

Dominik Plangger hat eine bewundernswerte Erfolgsgeschichte geschrieben. Nachdem er 2008 seine erste CD „Gestern noch“ veröffentlichte und 2009 bei „Songs an einem Sommerabend“ auftrat, wurde Liedermacher-Urgestein Konstantin Wecker auf ihn aufmerksam. Nicht nur stand der Südtiroler Plangger seitdem mehrfach mit Wecker auf der Bühne, sein Album „hoffnungsstur“ erschien 2013 bei Weckers Label „Sturm und Klang“. Es ist eine Entwicklung, die sich nicht nur zufällig aus glücklicher Fügung ergab, sondern völlig verdient auf ein musikalisches Talent stützt. Plangger ist individuell, eigensinnig und manchmal unbequem.

Jeder kennt sie, die Menschen, die sagen: „So ist die Welt eben, da kann man nichts machen.“ Eine gefährliche Mischung aus Desinteresse und Resignation, die als einzige Alternative die Tatenlosigkeit zur Handlungsmaxime macht. Dominik Plangger aber bleibt „hoffungsstur„, hält an der Überzeugung fest, dass die Gesellschaft noch immer von Menschen gemacht und als solche auch nur von Menschen verändert werden kann. Er will sich nicht sagen lassen, dass man nichts tun kann, dass niemand zuhören wird. Er verschafft sich Gehör. Und er singt über Gewalt, Rassismus, Ungerechtigkeit und Krieg.

Besonders hervor sticht schon das höchst eingängige „Es rührt sich was in mir, nicht nur ein Lied mit Ohrwurmqualitäten, sondern vor allem eine deutliche Absichtserklärung: „Ich kann das nicht länger mit ansehen, wie die Mauern zerfallen, diese Welt zusammenbricht. Ich will was bewegen, ich seh’s als meine Pflicht.“ So viel Überzeugung muss ansteckend sein, kein Lied, das man nach Verklingen des letzten Tons vergisst; eines mit Nach – und Nebenwirkungen.

Der Lehrer“ indessen ist eine böse Abrechnung mit Menschen, die ihre Macht missbrauchen und die eigene individuelle Unzufriedenheit auf dem Rücken anderer austragen. So reagiert sich der Lehrer impulsiv an seinen Schülern ab, da tropft bei Plangger auch schon mal Blut von der Tafel und er singt: „..hätt‘ er heut nicht schon geschlagen, müsst‘ es seine Frau ertragen.“ Untermalt wird all das von einer Melodie, die in typisch jiddischer Schwarzhumorigkeit den harten Text kontrastiert. Ähnlich bösartig das „Lied der Ungeliebten“, das musikalisch in eher irischem Ambiente von Menschen erzählt, auf die man, – naja, verzichten könnte.

Mein Freund der Afghane“ ist eine Abrechnung mit alltäglichem Rassismus, der sich oft einen ganz anderen, weltoffeneren Anstrich gibt. Das Lied erzählt von ständiger Schikane, von vorgefertigten Urteilen, die das Wissen um eine andere Kultur, die Aufgeschlossenheit gegenüber anderen gänzlich ersetzen. Dominik Plangger benennt das ohne Umschweife, keine Metapher verschleiert hier die Situation. „Es ist an der Zeit“ erzählt von sinnlosem Sterben in sinnlosen Kriegen, geschrieben von Hannes Wader.

Aber Plangger bringt nicht nur das Elend aufs Tapet, er weiß genauso, schöne und gefühlvolle Lieder zu präsentieren. Sei es das „Liebeslied im alten Stil“ (von seinem Mentor Wecker) oder das mundartliche „Wieda daham”, das selbst den weniger heimatverbundenen Hörer wenigstens zu einem Lächeln verleitet. „If I needed you„, eine Hommage an den amerikanischen Singer/Songwriter Townes Van Zandt, von dem das Original stammt, macht Planggers warme Stimme zu dem kleinen Gänsehautstück der Platte.

hoffnungsstur“ lebt als Album von klaren Worten, wunderbar vielfältigen Melodien und einem Sänger aus Leidenschaft, einem Mann, der sich seiner Vorbilder sehr bewusst ist, musikalisch wie inhaltlich. Dominik Plangger hat in Konstantin Wecker einen Fürsprecher gefunden, der völlig zu Recht von seinen Qualitäten überzeugt ist. Hier singt und textet jemand, weil er nicht anders kann – darüber können wir froh sein!

www.dominikplangger.com

www.dominikplangger.wordpress.com

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