Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Fee Badenius – Feelosophie

feebadenius-feelosophie_cover

von Sophie Weigand

,Feelosophie‚ heißt das neue Album von Fee Badenius. Die junge Wahl-Wittenerin steht für eine sanfte Stimme und poetische, zarte Lieder mit der richtigen Nuance Humor. Das setzt sich nun auch auf ihrem neuen Album fort, welches sich thematisch viel um Liebe, glückliche und verschmähte, sowie den fee’schen Blick auf die Welt dreht. Durch all das, verpackt in zuckersüße Melodien, gerät ,Feelosophie‘ zu einer musikalischen Pralinenschachtel.

Einen Ohrwurm des Albums bildet ohne Zweifel das Stück ,Halbwissen‚, das Badenius nicht nur bereits bei den Hamburger Küchensessions zum Besten gab, auch im letzten Herbstgewitter konnten wir ihm schon lauschen. Es ist ein Lied über die alltäglichen Informationsfluten, die jedes gesunde Bildungsfundament unterhöhlen. Ergebnis ist das ,gefährliche Halbwissen‘, dieses ,ein-bisschen-was-von-allem-aber-nichts-richtig‘-Wissen, das schon zu Schulzeiten kultiviert wird. Die veränderten Möglichkeiten der Informationsbeschaffung tun ihr Übriges, einfach mal schnell googeln.

Viele Liedermacher tendieren irgendwann dazu, ihrer Heimat, sei sie ursprünglich oder im Laufe der Zeit gewählt, auch ein Lied zu widmen. Matthias Brodowy tat es in ,Stadt mit Keks‚, Fee Badenius tut es nun in ,Witten‚. Und während man in Hannover vielleicht noch Spuren von Leibniz entdeckt, scheint Witten eine typische Stadt des Ruhrgebiets zu sein. Ein bisschen verdreckt, stolz auf seine „Zwiebelkirmes“, mit Stahlwerk und voll Trostlosigkeit. Dass man so eine Stadt trotz alledem – oder vielleicht gerade deshalb – doch lieben kann, beweist Fee Badenius in ihrer Witten-Hymne.

Lieder wie ,Du schmeckst mir‚ und ,Gemüsemann‚ sprühen nur so vor weiblichem Selbstbewusstsein. Keine gewöhnlichen und schwärmerischen Liebeslieder, sondern ganz klare Ansagen, verpackt in – ja, tatsächlich, Metaphern des Essens. Wer hätte gedacht, dass es so viele davon gibt und man sie in diesem Zusammenhang so treffend einsetzen kann. Das kokette Sprachspiel liegt Frau Badenius, wer weiblicher Rückendeckung bedarf, findet sie hier!

,Vorsicht zerbrechlich‚ und ,Du liebst mich trotz allem‚ schlagen andere Töne an. Gemäßigter, melancholischer, zarter. Und so wird die Liebe besonders dann sehr wertvoll, wenn sie die eben liebenswürdigen Fehler und Eigenheiten mit einschließt. Egal, ob man nun ,Langschläferin, Stubenhockerin oder Ruiniererin‘ ist, etwas Charmantes lässt sich fast jedem Spleen abgewinnen, den Mensch im Laufe seines Lebens ausprägt.

Ob Fee Badenius nun ein Geburtstagslied oder von ihrem Kater singt, ob sie die Mittelmäßigkeit beschreibt oder das, was übrig bleibt, sie ist dabei immer wohltuend authentisch. Den Blick mehr auf die kleinen Zwischenmenschlichkeiten, auf die eigene Sicht der Dinge gerichtet, statt auf das große Ganze, haben all ihre Lieder etwas Tröstliches. Spenden sie Gewissheit, dass man nicht allein ist, mit gefährlichem Halbwissen, schlechten Angewohnheiten oder der Angst, sich zu blamieren. Fee Badenius ist lebensnah und vielseitig, das macht sie aus und dafür lohnt es sich, ihr zuzuhören!

www.feebadenius.de

2 Kommentare zu “Rezension: Fee Badenius – Feelosophie

  1. Susanne Fuchs
    17. März 2014

    Das berührt und verzaubert. Danke Fee!

  2. privatkino
    16. Februar 2014

    Herrlich, jetzt habe ich einen Sonntagssoundtrack – danke! :)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Februar 2014 von in 2014, A-D, Badenius, Fee, Liedermacher, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , .
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