Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: NORMA – WIE WEIT

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von Sophie Weigand

Wie weit“ heißt das Debütalbum der norddeutschen Sängerin Norma Schulz, mit dem sie sich im letzten Jahr einen langgehegten Traum erfüllt hat. Aufgewachsen auf der Nordseeinsel Föhr hat sie ohne Zweifel das Meer im Blut und seine Weite in ihrer Musik. Mit einer kräftigen, wohltuenden Stimme singt Norma Schulz von Heimat – und in diesem Zusammenhang auch gern mal auf Friesisch -, Liebe und Sommertagen. Einfühlsam, einprägsam und von einer ganz eigenen inneren Ruhe, für die man wahrscheinlich so eine Insel braucht.

Mit den Klängen von „Sommer“ zieht derselbe auch anstandslos ins Gemüt. Eine leichte Brise, Sonnenschein, Tretbootfahren zu Gitarre und Mundharmonika, dieses Stück hat einen so beschwingten Rhythmus, dass es einfach gut tut. Auch wenn der meteorologische Sommeranfang noch etwas auf sich warten lässt, fühlt man sich hier schon mittendrin.

Eine feste Größe in Liedermachertexten ist das Fernweh, das Bedürfnis auszubrechen aus grauem Alltag und Existenzeinerlei. Nicht immer muss man diesen Ausbruch allein wagen, „Kapitän“ besingt diesen einen Menschen, mit dem man Pferde stehlen oder – dem Ausbruch gemäß – auch Boote ganz nach draußen steuern kann. Es ist völlig berechtigt das erste Lied der Platte, eine Einladung, mal abzuschalten und lästigen Verpflichtungen den Rücken zu kehren.

Mit „eeb an flut“ und „dü an ik“ finden sich sogar zwei friesische Lieder auf der Platte. Friesisch bedeutet für sie noch immer Heimat, deshalb singe sie das ein oder andere Lied in dieser Mundart, sagt Norma Schulz in einem Interview mit dem NDR. „eeb an flut“ brachte Norma sogar den ersten Platz beim Sylter Musiikweedstrid 2013 ein, einem Wettbewerb, bei dem Künstler ihre friesischen Werke einer Jury aus Textern und Musikern vorstellen können. Ganz egal, ob man des Friesischen nun mächtig ist oder nicht, die Stücke entfalten durch Normas gefühlvolle Stimme ihren ganz eigenen Reiz. Die Titel vermag man ja selbst als Unkundiger noch zu übersetzen.

Vielleicht“ instrumentiert dieses Gefühl frischen Verliebtseins, das sich jeder Vernunft auf dreiste Weise widersetzt. Mit Esprit und Selbstbewusstsein wird hier der Augenblick besungen, Hoffnungen und Träume, die sich vielleicht als falsch erweisen mögen. Aber was kümmert das den Moment? Auch „Halt dich fest“ und „Augenblick“ richten sich an den einen Menschen, der Fels in der Brandung sein oder werden, der ganz gewöhnliche Augenblicke zu etwas Besonderem machen kann.

Norma Schulz gelingt mit ihrer ersten Platte, diese Insel, auf der sie aufgewachsen ist, in musikalischer Form mit ihrem Publikum zu teilen. Lieder des Innehaltens, der kleinen Momente und großen Gefühle, Dinge, für die sonst weder Raum noch Zeit ist. Mit den 11 Stücken ihrer Platte schafft Norma Raum, ein bisschen Meer (und mehr!), Sand zwischen den Zehen und Sonne im Gesicht. Eine Sängerin, die man im Auge behalten muss!

www.normamusik.de

Das oben zitierte NDR-Interview finden Sie auch in unserer Seh-Bar: Hier klicken.

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