Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Die EAL-CD des Monats März 2014: Rainer von Vielen – Erden

Rainervonvielen

von Simon-Dominik Otte

Wer auf Namedropping steht, ist bei Rainer von Vielen genau richtig. Ob nun And.Ypsilon oder Anne Clark, für jeden ist hier etwas dabei. Das gilt aber nicht nur für das Äußere, sondern auch innerlich – sprich in der Musik – kann jeder sein eigenes Schmankerl vom reichhaltig gedeckten Tisch des Allgäuers wählen. Vom druckvollen Rocksong über die lässige Reggaenummer, staubige Countryrhythmen und den Hiphop-Track bis hin zum reinrassigen Liedermacherlied ist auf „Erden“ alles vertreten.

Textlich mischt er auch so einiges zusammen, immer aber ist das ziemlich weit vorne und spielt sich weit abseits lächerlicher Chartreime ab. Dabei wird nahezu das gesamte Spektrum des menschlichen Lebens abgedeckt, privat und öffentlich, das kleine Große sowie das große Kleine. Und natürlich auch die Liebe. Die einzelnen Themen sind stets musikalisch prägnant untermalt, der Hintergrund und der gesangliche Vordergrund liegen nicht nur bei „Wellenlänge“ auf einer Wellenlänge.

Es spielt bei „Erden“ kaum eine Rolle, ob der geneigte Hörer eher auf Rammstein oder In Extremo („Wenn du mich nur lässt“), The Baseballs („Copy paste“) oder Reinhard Mey („Kater komm“, „Donnerstag im Mai“) steht, in mindestens einem der 14 Songs kann sich jeder ein gemütliches Heim einrichten und wohlfühlen.

Rainer von Vielen ist ein wahrer Tausendsassa – und das wird auch auf dem aktuellen Album wieder einmal mehr als deutlich. Nicht nur durch die Beherrschung mannigfaltiger Instrumente von Akkordeon bis Blues-Harp oder die unterschiedlichen Musikstile, nein, auch die verschiedenen Gesangsarten lassen den Künstler in den Vordergrund treten. Manches Mal fragt man sich tatsächlich, ob das noch derselbe Sänger wie beim vorhergehenden Track ist. Gutes Beispiel hierfür ist der Unterschied von „Wenn du mich nur lässt“ zu „Es bleibt dabei“.

Besonderes Augenmerk verdient der Titelsong. „Erden“ beschäftigt sich mit verschiedensten Theorien, dem Internet und dem Nichtsmüssen. Denn „nicht alles, was man kann, muss man.“ Zusätzlich darf man sich am musikalischen Unterbau ergötzen, der mal arabisch angehaucht, dann fast balkanesk und schließlich doch wieder positiv poppig klingt. Eine kleine Weltreise in 3 Minuten.

Erden“ zeigt, wie modern, abwechslungsreich und neuartig auch Liedermacher heute klingen können, wenn sie die Augen für andere Sparten öffnen und in der Lage sind, aus den Zutaten neue, wohlschmeckende Musik zu zaubern. Rainer von Vielen sind dazu fraglos in der Lage und lassen uns Zuhörer ausgiebig probieren. Und das hier ist nicht der „Große Bla“, der leere Versprechungen macht und den Hörer verführt, denn alles, was man sich versprechen mag, wird erfüllt.

Nach Genuss des letzten Liedes bekommt man sogar fast Lust auf das Ende der Welt, denn wenn all das in Kraft tritt, was mit diesen rauchig-düster vorgetragenen Textzeilen angekündigt wird, klingt das Weltende durchaus positiv. „Dann hisse ich meine Fahne / für die Welt, die danach entsteht.“ Da möchte man gerne Teil dieser heimlichen Revolution sein. Schade nur, dass man es wohl nicht mehr mitbekommen wird, da dann ja die Welt eben untergegangen sein wird. Aber es darf auf eine weitere, vielleicht bessere gehofft werden.

Und bei all den Gedanken an das Ende der Welt, wie wir sie kennen, sollten wir doch auch gerne weiter in dieser leben, denn schließlich gibt es einiges, was sie lebens- und liebenswert macht. Unter anderem auch Rainer von Vielen und das neue Album „Erden“.

www.rainervonvielen.de

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