Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Sarah Lesch – Lieder aus der schmutzigen Küche

schmutzkueche

von Sophie Weigand

Sarah Lesch, die charismatische Liedermacherin aus Tübingen, arbeitet bereits an ihrem zweiten Album. Das aber soll den interessierten Freund des schönen Liedes nun um Himmels willen nicht davon abhalten, sich ihre erste CD ,Lieder aus der schmutzigen Küche‚ zu Gemüte zu führen. Denn selten steckte in einem Album so viel Charme, Witz, Esprit und Gefühl wie in diesem. Was wieder einmal hinlänglich beweist, dass es nicht zwangsläufig der großen Bühnen, sondern manchmal nur der kleinen Küchen bedarf, um ganz bezaubernde Musik zu kreieren.

Es beginnt schon mit ,Wenn du mich fragst‚, ein beschwingtes Lied über Leichtigkeiten und Herausforderungen des Lebens. Manche Dinge gestalten sich einfach und schwierig zugleich, sind quasi simultan aus dem Ärmel zu schütteln und unerreichbar. Das Glücklichsein zum Beispiel, eines dieser Gefühle, das am wenigsten braucht und am seltensten erreicht wird. Dieses Lied aber leistet mühelos brillante Vorarbeit für kleine Glücksmomente.

Der Kapitän“ erzählt von einem eben solchen, der Flüchtlinge vor dem Ertrinken rettete und sich dafür vor Gericht verantworten musste. Aber nicht nur das, gleichzeitig verlieh man ihm einen Preis sein Engagement. ,Für die Regierung waren das Illegale, ich finde, dass das Menschen waren.‘, singt Sarah Lesch und beruft sich hier musikalisch auf eine reale Begebenheit. Ein Lied voll Menschlichkeit und Wärme, das dem Hörer nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht.

Mit Liedern wie ,Demomarsch‚ und ,Die Bande vom Schlossteich‚ bringt Sarah Lesch den Rock’n’Roll ins Liedermachen. Rotzig, frech und mitreißend, mit diesem – gänzlich positiven! – Pippi-Langstrumpf-Charme. Grenzen sind dafür da, dass man sie gelegentlich überschreitet, Gebote dafür gut, dass man sie hier und da missachtet. Es sind Lieder voller Energie, zu denen man umzäunte Rasenflächen betreten oder auch Häuser besetzen könnte. In ihnen klingt noch diese Form von Idealismus an, die rar geworden ist.

Liebelei“ und „Sorry, Baby“ sind humorvoll und kokett. Verspielt und mit einem Augenzwinkern passen ein Mann und eine Frau „nur in der Mitte zusammen“, weshalb es sich doch empfiehlt – sorry, Baby – getrennte Wege zu gehen. Oder sie gelangen eben gar nicht zueinander, weil die ,Liebelei‚ leider einseitig ist. Die Anlässe, über Anziehung und Abstoßung in menschlichen Beziehungen, besonders denen zwischen Mann und Frau zu schreiben, sind vielgestalt. Und hier passiert das auf eine Art, die statt plakativ wirklich kreativ ist.

Sarah Leschs Musik klingt unverbraucht und authentisch. Mit ihrer wunderbar klaren und einnehmenden Stimme schlägt sie den Hörer sofort in ihren Bann, nach wenigen Tönen besteht schon dieses sanfte Band, das die ganze Platte über hält und verbindet. Es ist ein Album mit vielen verschiedenen Stimmungen, kein Lied klingt wie das andere. So ist es uns nur zu wünschen, dass Sarah Leschs zweites Album nicht mehr zu lange auf sich warten lässt. Oder – vielleicht doch noch ein bisschen. Schon, um diesem die Chance zu geben, sich noch auf möglichst vielen Abspielgeräten zu verbreiten!

www.chansonedde.de

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