Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Kannemann & Miko – Nordfolk

nordfolk
von Simon-Dominik Otte

„Der Kurs heißt Abenteuer / die Ladung Gefahr / der Wind ist die Liebe / die das Meer gebar.“ Man muss Kannemann & Miko nicht länger als 20 Sekunden zuhören, um zu wissen, worum es hier geht. Auch der Albumtitel „Nordfolk“ hilft ein wenig dabei. Eins ist klar, mit diesen beiden gehen wir gemeinsam auf Kaperfahrt. Mit der Geige im Gepäck.

Folk, der stark an New Model Army erinnert, auch wenn ihm aufgrund der kleinen Besetzung der Rock ein wenig abgeht, dennoch könnte das hier auch NMA akustisch und deutsch sein. Und wenn dann noch so schöne Songs wie „Bilinguale Kita“ folgen, dann denkt man auch noch an die Monsters, oder auch an Stoppok. Die Vergleiche sind also schon recht bedeutend, aber das, was Kannemann & Miko machen, hat so viel Eigenes und so viel Lustiges, dass man sie eigentlich am besten nicht vergleichen sollte. „Die Hauptsache, du machst mich stolz.“

… „für mein Geld will ich dann auch Leistung sehen.“ Ja, so kennt man das. Gerade als Lehrer. Im Kindergarten am besten trilingual, dann vier Jahre Pause und dann auf die höhere Schule. So hätten es alle gern. Und genau dieses Empfinden wird bei „Bilinguale Kita“ perfekt aufbereitet.

Kannemann & Miko schaffen es, tagesaktuelle Themen in wunderbare Zeilen zu verpacken, ob es nun um die Bücher der Stars geht („Schreib ein Buch“) oder um das Liedermachertum an sich, sie bringen jeden Inhalt auf den Punkt. Und dazu kommt ein sehr pointiertes, interessantes Gitarrenspiel, wie man es sich von Liedermachern wirklich wünscht. Eben irgendwo zwischen Heimatliebe und Zynismus. Und genau dazwischen haben sich Kannemann & Miko ihr Zelt aufgeschlagen, um sesshaft zu werden.

„Nordfolk“ ist ein Album für alle. Egal, ob (um sie mal zu zitieren) Nutte, Teenager oder 68er. Es macht Spaß, aber eben nicht nur. Denn es motiviert auch zum Mit- und Weiterdenken, öffnet neue Türen im Bereich der „Kleinkunst“, die ja so klein einfach nicht ist und nicht bleiben sollte. Wenn man dieses Album gehört hat, gibt es eigentlich keinen anderen Weg als den an den Hafen, das Fernweh genießen. Mit „Nordfolk“ auf den Ohren und dem Nichts um sich herum. So wirkt dieses Album meiner Meinung nach am besten.

Diese beiden Musiker schaffen das, was viele schaffen wollen: Emotionen. Und das Gefühl sowie den Willen, immer weiter zuzuhören.

Diese zehn Songs sind nicht nur für Menschen an der Waterkant geschrieben, vielmehr kann sich jeder in ihnen wiederfinden und zu Hause fühlen.

„Muss ich wieder witzig sein? Immer Comedy, nie Poesie? Die plattesten Gags, die sind so sexy.“ Das kann man so stehen lassen. Obwohl sich Kannemann & Miko durchaus auch der Poesie verschrieben haben. Aber die Comedy vergessen sie dabei nie. Glücklicherweise vergessen sie aber Mario Barth und Konsorten. Sie setzen auf das Hirn des Hörers. Wenn dieses die Lieder aufnehmen kann, dann viel Spaß mit „Nordfolk“. Ich hatte ihn. Und habe ihn.

www.kannemann-musik.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. März 2014 von in 2014, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
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