Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Jürgen Schwab – Luftschlösser

luftschloesser

von Alexander Kutz

Er ist kein Unbekannter in den musikalischen Gefilden, der Jürgen Schwab. Lange Zeit hauptsächlich im Jazzbereich aktiv, führte er Ende letzten Jahres mit „Luftschlösser“ seine nunmehr zweite Scheibe auf Liedermacher-Terrain. Dennoch bewegt sich hier kein ´alter Hase auf neuem Land´ – vielmehr entstand ein Album, auf hohem musikalischem Niveau, für das ein facettenreiches Gitarrenspiel mit anspruchsvollen Arrangements und scharfsinnigen Texten in Einklang gebracht wurde.

Mehr als noch im Vorgängeralbum „Heute noch“ rücken in der aktuellen Veröffentlichung Gesang und Gitarre in den Vordergrund; die Melodien werden kompakter, gängiger. Eine Vielzahl von Begleitinstrumenten schaffen zwar über die Gesamtspielzeit eine hohes Maß an Abwechslung, verdrängen aber in den einzelnen Liedern nicht das Konzept, mit dem sich Schwab mehr an seine meist solo bestrittenen Live-Konzerte nähern will.

Textlich hat sich der Künstler einen weiteren Blick verschafft: Waren es auf „Heute noch“ vorrangig Lieder aus der Mitte des Lebens, die sich um das Älterwerden drehten, sind es auf „Luftschlösser“ eine Vielzahl alltäglicher Beobachtungen, Träumereien und Wünsche, die mal nachdenklich, mal ironisch daherkommen. Zum Nachteil von Schärfe und Detailtreue ist der erweiterte Fokus mitnichten.

Musikalische Souveränität und textliche Vielschichtigkeit erlauben nun eine große Bandbreite der Liedgestalt:

Während Stücke wie „Ein neuer Frühling“, Luftschlösser“ und „Sommerwind“ das gewollt lebensbejahende Konzept der CD untermauern, füllen Lieder wie „Schwarzweiß“ oder „Inmitten der Lagune“ den besinnlichen Anteil. Die locker-leichte Erzählweise von „Waschmaschinen“ und die folkloristische Beschwingtheit, die den Sehnsuchtscharakter und die Sagenhaftigkeit von „1000 Kilometer“ trägt, stechen dann hervor, ohne herauszufallen.

Mit „In diesem Augenblick“ schafft es der studierte und promovierte Musiker, seine musikalische Verwurzelung im Jazz mit seinen liedermacherischen Ambitionen zu verknüpfen. Dieser Brückenschlag wurde Schwab auch von der im Sommer 2013 verstorbenen Veranstalterlegende Fritz Rau zugute gehalten, der ihn als musikalischen Begleiter für eine Lesereise engagiert hatte.

Letzterem widmet Schwab auch sein „So long, Fritz“, das sich frisch auf der Liederbestenliste eingefunden hat. Inspiriert von einem Statement Udo Lindenbergs entstand dieser Titel kurz nach dem Tod des ´alten Fritz´ und fand noch seinen Platz auf der CD, obwohl diese bereits fertig abgemischt war.

Klare Strukturen, ein an bescheidener Zurückhaltung grenzender Gesang auf gut abgestimmter Instrumentalisierung, abwechslungsreich verwoben mit detailverliebten Texten – das sind die Hauptkennzeichen der Scheibe. Musikalisches Können und Erfahrung lassen sich ebenso heraushören wie die Lust am Schreiben und Musizieren. Alles-in-Allem: bodenständige, glaubwürdige, niveauvolle Liedermacherei.

www.juergenschwab.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. März 2014 von in 2014, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
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