Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Henrik Geidt – Rien ne va plus

rien_ne_vers1

von Sophie Weigand

Im Saarland ist Henrik Geidt bereits ein recht bekannter Name, für alle anderen außerhalb noch ein Geheimtipp. Der studierte Musiker mit Krawatte und Melone stand erst kürzlich in einem großen EAL-Interview Rede und Antwort, sprach über Bühnenoutfits und warum er denn immer noch im kleinen Saarland lebt statt in der pulsierenden Metropole. Nun erschien sein neues Album ,Rien ne va plus‘, das, mit Unterstützung von Jörg Jenner am Kontrabass, Eleganz und einprägsame Arrangements bietet.

Schon das titelgebende Eröffnungsstück ,Rien ne va plus‚, ein bitterbös beschwingter Abgesang auf die scheinbaren Unabänderlichkeiten in Politik und Gesellschaft, bleibt unweigerlich im Ohr. Ein Stück, bei dem einem erst nach dem rhythmischen Wackeln diverser Körperpartien so richtig bewusst wird, worum es da geht. Korruption, Krise und Ungerechtigkeit, verpackt in beinahe tanzbarer Klaviermelodie.

Ganz anders da ,C’est la vie‚. Zwar geht es auch hier um Unabänderlichkeiten persönlicher und individueller Art, doch in wesentlich zarterem und melancholischerem Gewand. So ist das Leben – manchmal kann man nicht aus seiner Haut, auch wenn der Sprung über den eigenen Schatten so verlockend erscheint. Eine herrlich verträumte Melodie trägt dieses Stück über Möglichkeiten und Grenzen.

Dass Henrik Geidt aber auch einen ganz charmanten Humor sein Eigen nennt, zeigt sich in ,Besserwisser‚ und ,Herr SoundSo‚. So erzählt ,Besserwisser‘  nicht etwa von einem unerträglichen solchen, sondern von zahllosen historischen Situationen, in denen dieser oder jener etwas hätte viel besser wissen müssen. ,Herr SoundSo‚ setzt hingegen dem partiellen Gedächtnisverlust ein Denkmal. Diesem Zusammentreffen mit jemandem, den man kennen müsste, dessen Name einem aber partout nicht einfallen will.

Auch Lieder der Liebe kann man auf Geidts neuer Platte finden. ,Salz‚, ,Halt mich‘ oder ,Sommer 84‚ wecken Sehnsucht und Erinnerungen, vermutlich bei Publikum und Künstler gleichermaßen. Und so ist es erstaunlich, dass in nur elf Liedern ein solch abwechslungsreiches Repertoire auf der neuen CD Henrik Geidts Platz findet. Womit manch ein Künstler Doppel-CDs füllt, das kann ein anderer in viel komprimierterer und intensiverer Form darbieten.

Man merkt Henrik Geidt und seinen Liedern die klassische Ausbildung an. Seine Melodien sind ausgeformt und vielfältig, er selbst ganz eleganter Piano-Entertainer, ein bisschen unnahbar fast. Humor, Poesie, ein treibender Rhythmus und Melancholie wechseln sich auf ,Rien ne va plus‚ gekonnt ab, ergänzen sich. Dieses Album mag ,Rien ne va plus‘ heißen – für Henrik Geidt als Künstler geht mit Sicherheit noch viel mehr!

www.henrikgeidt.blogspot.de

Lesen Sie auch das große EAL-Interview mit Henrik Geidt: Hier klicken.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. März 2014 von in 2014, Geidt, Henrik, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
%d Bloggern gefällt das: