Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Frizz Feick – Woanders und hier

woanders_und_hier

von Simon-Dominik Otte 

17 Jahre nach seinem Debüt bringt Frizz Feick nun sein 4. Album auf den Markt. „Woanders und hier“ beginnt orchestral, stürzt sich dann in ein dezent-melancholisches Leben und betätigt den „Kopfkinoalarm“. Schon bei den ersten Zeilen erkennt man, dass Frizz Feick das Talent für die richtigen Worte zur richtigen Zeit hat und seine Mitstreiter es ermöglichen, dass ihnen der richtige Dünger zuteil wird.
Was das Kopfkino angeht, so ist dieses Wort aus „Liebensgefährlich“ auch eine gute Beschreibung für das gesamte Album, denn der Hörer kann sich ungefährdet seinen Gedanken hingeben und sogar ein ehrliches Sich-Wegträumen ist möglich, denn die Erinnerungen spielen im Rhythmus von „Woanders und hier“ ihre eigenen Spiele im Kopf, diesem aber niemals einen Streich.

Musikalisch begibt sich Frizz Feick auf die Reise von Moderne zur Klassik und wieder ohne Umweg zurück, in einer Geschwindigkeit, dass die einzelnen Aspekte sich miteinander vermischen. Dabei hält er die Qualität stets weit oben, übermalt die jazzig-poppigen Titel mit Texten, wie man sie in der bunten Popwelt nur noch selten findet. Hier ist jemand, der sich in seiner Sprache, mit ihren Feinheiten und Hindernissen, ihrem Glanz und Licht, auskennt und wohlfühlt. Das Schönste hieran ist, dass Frizz Feick uns – die Hörer – auch noch daran teilhaben lässt.

„Guten Morgen, Berlin!“ Peter Fox’ Ausruf wird auf „Woanders und hier“ auch genutzt, setzt sich allerdings nicht mit „du kannst so hässlich sein“, sondern „ich bin zu laut für dich“ fort, was bei der getragenen Streichermusik im Hintergrund doch etwas überraschend, dennoch überzeugend ist. Denn dort, wo so viele Musiker sich mit Nichtigkeiten auseinandersetzen, schafft es Frizz Feick, auch aus banalen Lebensmomenten deren Wichtigkeit zu ziehen und diese auch in Worte zu kleiden. Mit „Zu laut für Berlin“ ist dem Musiker ein wahrer Geniestreich geglückt, ein Musikstück, das sich steigert, um abzusinken und schweigt, um kurz darauf zu schreien.

Bleibt abschließend die Frage, ob je zuvor das Wort „Gelbaugenkakadu“ schon einmal in einem Songtext verarbeitet wurde oder je wieder wird. Jedoch ist nicht nur dieses Wort ein Alleinstellungsmerkmal für Frizz Feick, auch die Qualität von Musik und Text findet nur selten einen solch enormen Gleichklang. 17 Jahre, 4 Alben. Klingt nach wenig. Glücklicherweise ist Quantität aber nicht alles.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. April 2014 von in 2014, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , .
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