Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Bodo Wartke im Interview

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Foto: Carsten Dapper

Anlässlich einer Presseveranstaltung zu seinem Programm „Swingende Notwendigkeit“ hatte EAL-Mitarbeiterin Sophie Weigand Gelegenheit, sich mit Bodo Wartke über die kommenden Konzerte im Rahmen dieses Programms zu unterhalten.

EAL: Dein neues Programm, ein Best-Of in Swing-Orchester-Gewand, heißt „Swingende Notwendigkeit“. War das für dich tatsächlich eine Notwendigkeit dieses Programm zu machen?

Bodo Wartke: Im Grunde, ja. Es ist die Erfüllung eines Traums, denn ich wollte immer schon mit Orchester auftreten. Swingmusik liebe ich sehr, das ist im Grunde schon von Kindesbeinen an meine Leidenschaft. Seit ein paar Jahren tanze ich auch dazu, lange wusste ich gar nicht, dass das geht. Bis ich dann Lindy Hop kennengelernt habe – einen der Tänze, die man zu Swingmusik tanzen kann. Und die Tatsache, dass mich ein Orchester begleitet und ich mich eben nicht mehr allein am Klavier, versetzt mich in die glückliche Lage, dazu auch tanzen zu können.

EAL: Wie bist du denn zur Swingmusik gekommen? Bist du irgendwann selbst darauf gestoßen oder hat dich jemand darauf gestoßen?

Bodo Wartke: Ich habe mal früher eine Dixieland-Platte im Plattenschrank meiner Eltern gefunden und die total gern gehört. Und ich hatte als Kind eine Kassette – die habe ich immer noch – „The Giants Of Rock’n’Roll“, mit Bill Haley, Fats Domino, Chuck Berry und Little Richard. Und das fand ich auch supercool als Kind. Ich habe auch angefangen Swing zu komponieren, ohne damals schon zu wissen, was das eigentlich ist. „Ich trau mich nicht“ ist im Grunde ein Swingstück. Ich begleite es im sogenannten Stride-Piano-Stil, von dem ich damals auch noch nicht wusste, dass er so heißt.

EAL: Welche Künstler hörst du in dem Bereich besonders gern? Wen kannst du empfehlen?

Bodo Wartke: Eine Sängerin, die ich total toll finde, die kommt aus New Orleans und heißt Carsie Blanton. Und eine andere, die heißt Maysa Leak. Die habe ich neulich sogar live in Berlin auf einem Konzert gesehen, ich glaube sogar bei dem einzigen Konzert, das sie in Deutschland gegeben hat. Es gibt außerdem eine schwedische Band namens Movits!, die schwedischen Hip Hop mit Swing mischen – das klingt sehr spannend. Ansonsten natürlich die alte Garde – Ella Fitzgerald, Count Basie, Jimmy Lunceford, Chick Webb, Cab Calloway.

EAL: Während der Show sitzt du nicht wie gewöhnlich am Flügel, sondern singst und tanzt mitunter gleichzeitig, was sicher auch eine Herausforderung ist. Musstest du dafür extra trainieren? (Oder reichte der Ödipus?!)

Bodo Wartke: Ödipus war schon ein gutes Training. Da tanze ich zwar nicht, aber da bin ich auch die ganze Zeit auf Achse. Und ich gehe in meiner Freizeit oft und gern Swing tanzen, das scheint bislang als Training auszureichen.

EAL: Dich begleiten und unterstützen außerdem zwei wunderbare Backgroundsängerinnen – Lucy Flournoy und Anita Hopt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Kanntet ihr euch vorher?

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Bodo Wartke: Lucy kannte ich schon vorher, weil sie auch selbst Swingtänzerin ist. Sie wurde mir allerdings empfohlen – ich wusste nämlich nicht, dass sie auch wunderbar singen kann. Ich dachte erst, ich bräuchte eine Sängerin, die auch tanzen kann. Und Lucy ist halt nun eine Tänzerin, die auch super singen kann. Anita wurde mir von meinem Freund und Gesangslehrer Felix empfohlen. Der meinte, die solltest du mal kennenlernen. Ich habe sie kennengelernt und wusste im Prinzip sofort Bescheid. Und beide passen, so unterschiedlich sie auch sind, auch total toll zusammen.

Foto: Nele Martensen

EAL: Wie war es für dich am Anfang, so ohne Flügel auf der Bühne zu stehen?

Bodo Wartke: Ungewohnt. Sonst stellt sich ja nicht die Frage: „Was mache ich mit meinen Händen?“ Und jetzt wusste ich manchmal überhaupt nicht, wo ich sie hintun soll und musste mich da erst mal etwas reinfinden. Aber jetzt genieße ich diese neugewonnene Freiheit sehr.

EAL: Als ich in der Oberstufe war, waren Tanzkurse ja ganz groß in Mode. War das bei dir auch so?

Bodo Wartke: Ja, ich war auch in der Tanzschule und fand das super. Nur die Möglichkeiten, solche Gesellschaftstänze zu tanzen, sind hierzulande und heutzutage rar. Und das ist bei Swingmusik zum Glück nicht so. Was ich an der Art zu tanzen liebe, ist, dass man keine gelernten Schrittfolgen abtanzt, sondern improvisiert, miteinander Spaß hat, aufeinander reagiert. Im Grunde wie miteinander zu musizieren. Das Tolle ist, dass ich in einer Stadt lebe, wo ich jeden Abend woanders Swing tanzen gehen kann, wenn ich will.

EAL: Du forderst dein Publikum in der Show auch explizit zum Tanzen auf – gibt es da schöne Erlebnisse mit tanzendem Publikum oder traut sich nie jemand?

Bodo Wartke: Das Dilemma, in dem man steckt als Publikum bei einem bestuhlten Konzert, wenn man Lust hat, aufzustehen und zu tanzen, ist, dass man dann eben den anderen im Weg steht. Und deswegen trauen die Leute sich nicht. Auf der anderen Seite ist das Konzert wahrscheinlich einfach zu lang, um es unbestuhlt zu lassen. Man kann dann, tanzend, vielleicht auch einfach nicht mehr so gut zuhören. Wir wissen selber noch nicht so ganz, wie wir das handhaben wollen. Ein paar Mal ist es vorgekommen, dass die Leute aufgestanden sind zum Tanzen und sich an den Rand gestellt haben – wir tanzen ja den Shim Sham, einen Tanz, den jeder Swingtänzer kann. Ich habe das Lied, auf das es getanzt wird, auf Deutsch übersetzt. Und während wir den auf der Bühne tanzen, kommt es manchmal zu kleinen flashmobartigen Intermezzi.

EAL: Gibt es Konzertanekdoten mit Orchester? Etwas, das schiefgelaufen ist oder eben ganz besonders? Etwas, das man erzählen kann?

Bodo Wartke: Es gab im Admiralspalast bei einem Konzert eine lustige Szene. Jemand aus dem Publikum machte mich darauf aufmerksam, dass der unterste Knopf meiner Weste offen sei. Das ist Absicht, ich habe gesagt, das gehört so. Ich wusste selbst tatsächlich nicht so genau warum und habe mich mit David (Anm.d.R.: David Canisius, Orchesterleiter des Capital Dance Orchestra) unterhalten – „Wissen Sie, Herr Canisius“ – eigentlich duzen wir uns ja, aber auf der Bühne siezen wir uns – “warum das so gemacht wird?“. Und er antwortete, man mache das, damit sich die Weste beim Hinsetzen nicht ausbeule. Und dann fiel mir auf, dass ich während des Konzerts ja gar nicht sitze, sondern im Stehen singe und da kann man ihn ja auch zumachen. Tatsächlich kommt dann aber ein Duett („Frühlingsgefühle“), was ich mit Anita zusammen gesungen habe. Wir bieten das szenisch dar und setzen uns dafür auf eine Parkbank, bzw. zwei Stühle, die wir auf die Bühne tragen. Das machen wir, während wir das Lied singen und während ich mich setzte, nestelte ich an meiner Weste herum und machte den unteren Knopf wieder auf. Das gab dann natürlich ein großes Hallo und führte dazu, dass ich meinen Text vergaß und dann völlig ausgestiegen bin. Das war ungewollt sehr komisch.

EAL: Es gibt auch eine ganz überraschende Tanzeinlage, mit der niemand rechnet. Um sie überraschend zu halten, verrate ich jetzt natürlich nicht, mit wem, warum und wann. Darf ich trotzdem fragen, wie es dazu kam?

Bodo Wartke: Ich habe das vorgeschlagen, dass wir das machen und er wollte das auch lernen. Nun ist Tanzen aber überhaupt nicht sein Ressort. Aber er ist total erpicht darauf und sagt auch immer: Können wir das nochmal üben? Damit rechnet eben auch keiner und umso überraschender und lustiger ist das.

EAL: Eine CD des Programms wird es ja im Sommer geben. Plant ihr auch, eine DVD zu „Swingende Notwendigkeit“ zu machen? Das ist ja eigentlich etwas, was man auch sehen müsste.

Bodo Wartke: Eigentlich ja. Mal gucken, wie sich das Konzert weiter entwickelt. Ich würde das gern machen, aber es ist ja auch mit einigen Kosten verbunden. Aber ich würde mich eigentlich wundern, wenn nicht, denn bislang haben wir ja von jedem meiner Programme eine DVD gemacht.

EAL: Danke, dass wir dich ein zweites Mal zu diesem Programm interviewen durften.

Alle Auftrittstermine von Bodo Wartke finden Sie HIER.

www.bodowartke.de (Dort gibt es auch den Trailer zum Programm.)

Ein Kommentar zu “Bodo Wartke im Interview

  1. sariandra
    10. April 2014

    ich bin sehr auf das Programm gespannt :)

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