Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Desiree Klaeukens – Wenn die Nacht den Tag verdeckt

Desiree-Klaeukens-Wenn-Die-Nacht-Den-Tag-Verdeckt-200x199

von Sophie Weigand

Die Geschichte von Desiree Klaeukens Album „Wenn die Nacht den Tag verdeckt“ ist länger als man ihm anmerken mag. Einige Jahre des Haderns und Zauderns gingen ins Land, bis die gelernte Kfz-Mechanikerin mit Unterstützung von Niels Frevert ihre Lieder professionell aufnahm – und den Freunden des Melancholischen nicht nur einen Dienst erwiesen, sondern auch ein ganz leises Geschenk gemacht hat. Unaufdringlich, authentisch, mit dieser Prise bittersüßer Traurigkeit, von der man sich gelegentlich gern mal umspielen lässt. Manchmal ist man ja gern ein bisschen traurig, hängt alten Erinnerungen, verschwundenen Menschen, vergessenen Träumen nach.

Aufgenommen im Hamburger Studio Hafenklang, beweist Desiree Klaeukens mit diesem Album der Zwischentöne ein feines Gespür für Text und Rhythmus. Man kann sie kaum eine begnadete Sängerin nennen, doch ihre Stimme ist so charakteristisch gefärbt, dass man sie unter zahllosen Künstlerinnen wiedererkennen würde. Etwas schleppend, zaghaft, lakonisch, manchmal klingt es wie Gleichgültigkeit. Dass das aber mitnichten tatsächlich so ist, sondern allenfalls den Anschein erweckt, beweisen Klaeukens emotionale und direkte Texte.

Lieder wie „Warm in meinem Herz“ und „Es ist nicht immer der Sex“ brennen sich ins Gedächtnis, mehr gesprochen als gesungen entfalten sie diesen ganz eigenen Charme eines Menschen, der sich, manchmal mit einem Augenzwinkern, aber doch ganz aufrichtig, einem anderen öffnet. Es sind (erprobte) Lieder für einsame Spaziergänge und Grübeleien.

Kompliziert“ und „Will dich zu sehr“ bestechen durch eingängige Melodien, hier singt jemand offen und ehrlich, frei von der Leber weg, ohne viel Aufhebens und Brimborium. Das ist es, was man an Desiree Klaeukens so schätzen kann. Ihre Frische und ihre Echtheit. Ihre Lieder, ihre gesprochenen Worte treffen genau, weil hier jemand weiß, wovon er singt – oder gar spricht, wie in „Zwischenraum“.

In der Tat erschließt sie mit ihrer Musik Zwischenräume. Nicht nur die Melancholie findet in ihren Liedern Platz, sondern auch die Hoffnung, manchmal beides gemeinsam in einem einzigen Stück. „Und wer soll an dich glauben, wenn du’s selbst nie tust?“, fragt sie in „Fallen“. Zu ihrem und unserem Glück hat Desiree Klaeukens jemanden gefunden, der an sie und ihre Lieder geglaubt hat, als sie es vielleicht nicht immer tat. Mit den 11 Liedern von „Wenn die Nacht den Tag verdeckt“ ist ein Anfang gemacht, in Richtung überschaubar-gemütliche Kleinkunstbühnen der Republik.

www.klaeukens.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: