Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Klaus-André Eickhoff – Du bleibst mir nah

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von Sophie Weigand

Einen geliebten Menschen zu verlieren, reißt ein Loch in Alltag und Leben. Die Welt steht mit einem Mal geisterhaft still, während für andere der Lauf der Dinge weitergeht, als ob nichts geschehen wäre. Schon diese Diskrepanz zu verkraften, ist eine Herausforderung, vom Verlust selbst ganz zu schweigen. Klaus-André Eickhoff hat sich mit seinem Album „Du bleibst mir nah“ genau dieses Themas angenommen, einfühlsam, behutsam und authentisch. Wer nicht selbst betroffen ist, versucht diese Möglichkeit stets so gut es geht zu verdrängen, – bis es irgendwann geschieht und man keine Worte dafür findet.

Basierend auf Texten aus dem „Tagebuch für Trauernde“ von Hans Zimmermann (mehr Informationen unter: www.comitari-verlag.de) hat Klaus-André Eickhoff Lieder komponiert, die die Trauernden in ihrem Leid und ihren Belangen ernst nehmen. Oft muss es schnell weitergehen, muss man doch irgendwie darüber hinwegkommen, wieder funktionieren, in einen Alltag zurückfinden. Eickhoffs Lieder geben Raum, zu begreifen und vor allen Dingen – Raum zu trauern, ganz gleich, wie lange es dauern mag. Fatal und schädlich wäre es, an jeden dieselben Maßstäbe in der Bewältigung anzulegen.

Lieder wie das titelgebende „Du bleibst mir nah“ spenden Hoffnung. Auch, wenn der geliebte Mensch vielleicht körperlich nicht mehr anwesend ist, kann er nah sein, kann er da sein, in den Dingen, die man mit ihm erlebt hat, in den Erinnerungen, die man sich bewahrt. Klaus-André Eickhoffs Lieder beschönigen nichts, sie begehen nicht den Fehler des Schultertätschelns, des seichten Zuspruchs. Sie nehmen ernst und nehmen wahr, sie lassen Zeit und fangen auf.

Am Grab“ oder „Sprachlos“ versuchen durch Musik fassbar zu machen, was mit Worten nur unzureichend beschrieben werden kann. Und wieder einmal wird ganz deutlich: Wo die Grenzen der Worte liegen, beginnt die Musik. Eickhoffs mittlerweile neuntes Album kann, darf und soll als musikalische Hilfestellung für Betroffene bezeichnet werden, die wohl auch überwiegend dort ihre größte Wirkung entfalten wird. Leise und einprägsame Melodien, Texte von Verlust und Einsamkeit, werden die am ehesten erreichen, die gerade dieses Tal durchschreiten und sich Hilfe erhoffen.

Diesen Halt bieten Eickhoffs Lieder; wo andere womöglich nicht mehr verstehen, versteht eines der elf Lieder und vermittelt, neben dem so dringend benötigten Trost, besonders eines: Die Erfahrung des Verlusts ist keine einzelne, sie ist universell, niemand ist allein mit ihr, niemand muss sie allein ertragen und durchleiden. Und allein dieses Gefühl kann den schwankenden Boden etwas festigen und das Atmen erleichtern.

www.ka-eickhoff.net

 

Zwei Stücke aus dem Album können Sie in unserem Herbstgewitter, Ausgabe 46 hören: HIER klicken.

 

 

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