Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Auland & Friends – Lobau

Lobau

 
 

Stimmungsvolle handgemachte Musik aus Österreich –   „Lobau“, die aktuelle CD von Auland & Friends

von Anne Drerup

Man muss nicht unbedingt des Österreichischen mächtig sein, um die gefühlvollen Lieder des Duos Auland, das bandmäßig von den Freunden Andi Fiegl und Siegi Pratsch unterstützt wird , rund um Lebensstationen, -rückblicke und in Verbindung zum Heimatland zu verstehen. Wer aber bei den eingängigen Melodien gleich den Wunsch verspürt, mitzuträllern, tut sicher gut daran, mehrmals hinzuhören. Oder er wirft einen Blick in die Texte – so sie denn zugänglich sind, denn im Booklet erfährt man mehr über die Entstehung der Gruppe sowie dieser zweiten CD.

Das Duo Auland – besteht aus Peter Dürer  und seinem Kollegen Bernhard Sindl, die  sich 2005 zusammenschlossen, um Musik zu machen. Die Formation Auland gründeten sie allerdings erst 2011. Ihr Genre ist ein ganz eigener Aulandfolk, der sich wiederum aus ruhigen Balladen und schwungvollen, teils auch sehr humoristischen Stücken zusammensetzt.

Beim Liedertreffen des Liedermacher-Forums 2014 ist Peter Dürer erstmals aktiv geworden und hat sich – neben seinen Auftritten – gleich als wahrer Teamplayer erwiesen: ob spontan als zweite Stimme in einer Gruppe, als Unterstützung an der Gitarre oder als (heimlicher) Kameramann. Damit hat er sicherlich einen Platz in dieser Liedermacherfamilie gefunden. Die CD „Lobau“ (benannt nach seinem Heimatort, wenn man „Da gehör ich hin“ aufmerksam verfolgt) ermöglicht es, Peter Dürer, die Gruppe Auland & Friends und eben ihren Musikstil ganz persönlich kennenzulernen.

Das Introstück „Jetzt ist unsere Zeit“ ist erstaunlicherweise besonders ruhiger Art und beschreibt einen Rück- und Ausblick auf das eigene Familienleben. Direkt zu Beginn gibt es die unverwechselbaren Mundharmonikaklänge sowie eine harmonische, angenehme Zweistimmigkeit, die auch in den anderen Liedern zu finden ist. Erinnerungen an die Vergangenheit mit der Familie blitzen auf, zum Zeitpunkt des Liedes sind die Kinder aber erwachsen und nun gehört die Zukunft ganz der Partnerin: „Des kann net alles g’wesen sein!“ heißt es, sowie „Der Himmel muss warten!“ Ein Plädoyer, auch und gerade in der zweiten Lebenshälfte noch mal durchzustarten und sich ein schönes Leben zu gestalten.

Landlebn“ aus der Feder von Bernhard Sindl hat im Kontrast ein ganz anderes Thema: Im flotten Rhythmus und mit humorvollem Unterton beschreibt es das Land in der Nähe von Wien und vor allem das Leben und die Mentalität dort (Idylle, Klatsch und Kirchengläubigkeit): „Joa, om Land, do is so schee. So gemütlich, fast wie ein Klischee. Joa, om Land, do lebt’s sich guat. Wenn’s gegen a Strom schwimmst, sei auf der Huat!“ lautet der Refrain.

Noch schelmischer geht es da nur in dem schwungvollen Walzer „I bin a Casanova“ zu, wobei an dieser Stelle anzumerken sei, dass Kunstfigur Adolf Tegtmeier auf seinen Reisen kritisch anmerkte: „Dieser Neuhaus, also dieser Jacomo Casanova, statt das alles still zu genießen, tut der sich vor den anderen angeben, dass es nicht mehr feierlich ist. Deshalb hat man ihm auch kein Denkmal gesetzt, denn da hätten sie ja seine hervorstechendste Eigenschaft präsentieren müssen. Und’n Kerl mit ner großen Klappe – nää!“ Na ja, in Aulands Version scheint es zuforderst an der Ablehnung einer Dame zu liegen, dass „Casanova“ wieder vogelfrei und auf der Suche nach einer neuen Liebe ist.

Das einzige „gecoverte“ Lied auf der CD ist „Das alte Paar“ (Musik: Johnny Bertl, Text: Thomas Spitzer), eine wunderschöne Ballade über ein altes Liebespaar, dessen Feuer auch nach 40 Jahren noch brennt und das man gerne beisammen sieht, weil es einem selbst Mut macht, dass die Liebe halten kann.

Überhaupt beinhalten die Lieder einige Liebeserklärungen, wie z.B. „Beieinander sein“, das dazu aufruft, den Augenblick zu genießen, „Mei kleiner Sonnenschein (beide von Bernhard Sindl) an das eigene, nun erwachsene geliebte Kind oder Peter Dürers sehr persönliches „Du wirst imma mei Madl bleibn“, das in Text wie Melodie geradezu märchenhaft klingt und damit auch als Filmmusik geeignet wäre, wenn der Prinz endlich seine Prinzessin erkennt.

Die Liebe ist aber nicht nur an Personen gebunden, sondern wird auch der Heimat gegenüber deutlich: „Da gehör ich hin“  ist ein fröhliches und dankbares Lied an die Heimat, das im Refrain schön versetzt klingende Stimmen beinhaltet, die das Textverständnis allerdings ein wenig erschweren, während „I bin daham“ ruhig und besinnlich, in einfacher Gitarrenbegleitung von einer Rückkehr nach langer Zeit in die Heimat erzählt.

Dass Auland aber auch über den Tellerrand hinausblickt, zeigen die zeit-/gesellschaftkritischeren Lieder „Wo die Wahrheit wohnt“ (über die Resignation über schlechte Nachrichten, die uns fragen lassen: „Wo führt uns das noch alles hin?“), Manchmal frag i mi warum“ (über zeitweilige Sinnkrisen im Leben, die Rückbesinnung auf frühere Zeiten und über das Ziel, aus dem Wahnsinn auszusteigen) sowie „Was ist wichtig im Leben“ (mit der Botschaft: Das Glück liegt in anderen Dingen als im materiellen Reichtum!).

Insgesamt ist die CD „Lobau“ sehr angenehm zu hören und kann eine positive Stimmung schaffen. Die Texte sind sehr persönlich, was aber ja gerade auch typisch für die Liedermacherei ist: Man singt über das, was einem am Herzen liegt. Und da gehört für Auland & Friends die Musik sicherlich an sehr hoher Stelle dazu. Kontakt gibt es über die Homepage www.aulandfolk.at .

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