Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: die EAL-CD des Monats Juni 2014 – Strom & Wasser – Anticool

 

anticool

Von Arno Wilhelm

Strom & Wasser sind zurück! Bei diesen Worten mag sich der eine oder andere wundern. Waren die denn weg? Es sind doch Alben von ihnen erschienen, sie haben Konzerte gespielt und ihr Song „Herr Minister“ war in den letzten Monaten fester Bestandteil der Liederbestenliste. Tatsächlich stimmt beides. Die letzten beiden Alben firmierten unter dem Bandnamen „Strom & Wasser featuring The Refugees“ und waren der Teil der Musik, die Heinz Ratz und seine Kollegen mit Flüchtlingen aus vielen Ländern der Welt aufgenommen und auf die Bühnen des Landes gebracht haben.

Das letzte reguläre Strom & Wasser – Album „Mondpunk“ hingegen, ist mittlerweile drei Jahre alt und nach Aussage von Herrn Ratz brannte ihnen schon eine Menge Material unter den Fingernägeln. Mit „Anticool“ beweisen Strom & Wasser, dass sie in den letzten Jahren nichts von ihrer Fähigkeit gute Musik mit intelligenten Texten zu verknüpfen, eingebüßt haben. „Philosophischer Irrtum“ befasst sich mit dem Zusammenspiel von Alter und Reife. Im Titeltrack, mit dem das Album beginnt, geht es um Schein und Sein und die Widersprüche der heutigen Business-Welt. Wie bei vielen Songs des Albums sind das Themen, die auch in vergangenen Alben auf verschiedene Arten schon aufgegriffen wurden, sich aber stets von einer neuen Seite zeigen.

Die Frage, ob irgendeine Form von Wiederkehr gut oder schlecht ist, stellt sich bei neuen Alben regelmäßig. Wird die Band langweilig? Tritt sie auf der Stelle? Oder lehnt sie sich gar zu weit aus dem Fenster mit neuen Spielereien? Das Ergebnis in diesem Fall könnte nach dem Hören des Albums nicht eindeutiger sein: Strom & Wasser sind sich treu geblieben, und das ist gut so. Es geht wie so oft in ihren Songs auch auf diesem Album um Politik, um unsere Gesellschaft und auch um die Liebe. Dabei langweilen sie keinen Augenblick und bringen schöne und ernste Themen gleichermaßen zur Geltung. Ein interessanter Song ist hierbei „Wunschliedfabrikant“, bei dem Heinz Ratz über die Erwartungen singt, die an seine Texte als politischer Sänger gestellt werden.

So schwer die Band musikalisch in eine Schublade zu stecken ist, so intensiv strömt die Energie aus ihren Songs. Laut und leise, einfache und vertrackte Rhythmen – die Songs sind weit entfernt von schematisch aufgebauten Pop-Songs und simplen Wiederholungen, jeder Track hat etwas Eigenes. Wenn die letzten Takte des Albums verklungen sind, bleibt nur der Wunsch, wieder von vorne anzufangen.

„Anticool“ erscheint am 20. Juni 2014.

Mehr von Strom & Wasser:

www.strom-wasser.de

 

Ein Kommentar zu “Rezension: die EAL-CD des Monats Juni 2014 – Strom & Wasser – Anticool

  1. JoeNazz
    23. September 2014

    Hat dies auf World of Folk rebloggt und kommentierte:
    Beim Liederfest 2014 in Mainz bekam Strom & Wasser den diesjährigen Liederpreis. Mit einem großartigen Konzert konnte Heinz Ratz mit seiner vierköpfigen Band sowie kurzen Einlagen von seinem Sohn das Publikum begeistern. Eine scheinbar jahrtausend alte Stimme serviert bissige und rockige Texte, garniert mit melodienreichen Querflöte- und Saxophon-Verzierungen. Das neue Album „Anticool“ von Strom & Wasser wird rezensiert von Arno Wilhelm (EAL).

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