Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Götz Rausch Band – Schaurige Märchen

Rausch

Die aktuellen Songs der Götz Rausch Band – und viele weitere Neuerscheinungen – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zu den aktuellen Ausgaben HIER entlang.

von Tobias Stute

2010 erschien die erste CD „Panische Propheten“ von Götz Rausch, jetzt 2014 ist „Schaurige Märchen“ zu haben. Nun unter dem Namen „Götz Rausch Band“.

Die Götz Rausch Band wird bei Facebook als Band, die „einen eigenen, akustisch
geprägten, leicht morbiden Sound entwickelt“ hat, beschrieben.
„Schaurige Märchen“ ist deutlich experimenteller angelegt als die 2010 von Götz Rausch erschienene CD „Panische Propheten“. Während „Panische Propheten“ weitgehend ruhig, unaufdringlich, mit ähnlichen Rhythmen daherkommt, unterscheiden sich die Songs auf der aktuellen CD „Schaurige Märchen“ deutlicher.

Die Texte sind mal hoffnungsvoll, mal mit der Sehnsucht nach Orientierung, mal hoffnungslos bei der Erkenntnis nicht voranzukommen. Dann wieder bleibt die Erkenntnis, dass im Feuer schließlich nur die Essenz von einem Menschen übrig bleibt.
Wie ein roter Faden zieht sich die Beschäftigung mit der menschlichen Existenz durch die Lieder. In „Irgendwann vielleicht“ heißt es „Ich breche mir das Kreuz, und alles nur damit ich irgendwann verstehe, irgendwann vielleicht verstehe, dass nichts zu verstehen ist“. Eine Grunderkenntnis des menschlichen Lebens?
In „Idiotenhügel“ wird mit einer großen Portion Ironie, oder vielleicht besser Sarkasmus, thematisiert, wie schnell sich im Leben etwas zum Gegenteil wendet: „Gestern hatte ich Ideen, heut‘ weiß ich nicht einmal mehr, wie man kreativ buchstabiert, gestern war ich doch genial, heut‘ bin ich müde und alt, zerschlagen und frustriert. (…) Mich entzückt das Geräusch, wenn ich auf die Bretter knall.“

Wer kennt dann nicht auch die „Schaurigen Märchen, Schatten aus einer vergangenen Zeit, grausige Ungeheuer, Nebelwesen ohne Substanz“, also all die Sachen, die man aus der Vergangenheit mit sich rumschleppt. Die Götz Rausch Band zieht den Schluss, dass es nur eine Möglichkeit gibt ihnen zu begegnen, wenn es kein Entrinnen, keine Hintertür gibt: Licht anschalten und alles hineinlassen. Hier zeigt sich ein gutes Beispiel, dass die Band den Zuhörer auffordert zwischen den Zeilen zu hören, eigene Schlüsse zu ziehen und über sich selbst nachzudenken.

Voll Ironie erzählt die Götz Rausch Band dann in „Aufs Land“ vom Landleben, wo dem Maulwurf die Wiese vollkommen „scheißegal“ ist. Das Schuppendach ist undicht, aber man doch auch einfach so tun kann, als sähe man es nicht.
Beschwingt, mal leicht, mal nachdenklich, mal sphärisch-melancholisch, mal ironisch, insgesamt instrumental abwechslungsreich begleitet kommen die 12 Lieder auf dieser CD daher.

Der Götz Rausch Band ist mit „Schaurige Märchen“ tatsächlich eine ganz eigene Mischung an Liedern gelungen, die einen eigenen Sound haben. Sicherlich spricht die Band keine besonders breite Masse an, aber als Geheimtipp für chillig-sphärischen Instrumentalsound kann sie angesehen werden.

Besetzung:
Gitarre/Gesang: Götz Rausch
Kontrabass: Benni Hiesinger
Schlagzeug: Benjamin Wellenbeck
Tasten/Akkordeon: Dirk Flatau

Infos zur Band:
www.goetzrauschband.de

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