Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Zehn Meter Feldweg – Das weiße Schloss

 

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Die aktuellen Songs von Zehn Meter Feldweg  – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Simon-Dominik Otte

Zehn Meter Feldweg war ja immer schon ein toller Bandname. Schon seit Ende der 1990er Jahre, als sich die Hamburger zu einer Band formierten. Auf ihrem 4. Album beginnen sie mit recht düsterem Indiepop, der teilweise auch seine Fühler in Richtung Wave ausstreckt und erbauen somit „Das weiße Schloss“, zugleich auch der Titeltrack, nutzen dafür verschiedenste Gesteinsarten und setzen die Steine Goethes Erben, Blumfeld und Anajo übereinander, um so eine starke, schützende Wand zu errichten.

„Schwarzer Fluss“ begeistert dann durch das Zusammenspiel von Bläsern und Gitarren, die sich flirrend mitten in der Luft treffen, um gemeinsam den Songweg entlang zu tanzen. Hier wirkt nun das, was man allgemein als Hamburger Schule kennt – und liebt.

Textlich beschäftigen sich Zehn Meter Feldweg mit den Grenzen und Möglichkeiten des Ichs in der es umgebenden Welt mitsamt der darauf lebenden Menschen. „Der Wind singt Lieder / und ich singe mit“ („Wüste“). Die unterlegten Gitarren wirken oft wie aus einer dunkleren Jahreszeit entnommen, es gelingt ihnen dennoch, nicht nur die Spannung aufrecht zu erhalten, sondern gleichsam auch die hinter den Wolken wartende Sonne spüren zu lassen, nicht zuletzt durch die stets perfekt gesetzten Bläser.

Auf die Dauer entsteht etwas wie eine Monotonie, die sich tief in den Kopf des Hörers pflanzt, Wurzeln schlägt und dadurch fesselt. Zehn Meter Feldweg zeigen ihre Stärken im Zusammenspiel, das so natürlich wirkt, fern jeglicher Aufgesetztheit. Es ist deutlich zu merken, dass diese Band nicht erst seit letzter Woche existiert und ihren Platz gefunden hat, auf dem sie die eigenen Songs entwickeln und bearbeiten kann, ohne die Angst, etwas falsch zu machen. Ob der Song nun drei oder zehn Minuten lang ist, spielt dabei keine Rolle, hat er doch immer seine eigene Persönlichkeit.

So schließt sich mit dem Epos „Pier 4“ dieses Album, zeigt dabei noch einmal die Nähe zu Hafen und Heimat und lässt den Hörer mit all seinen Gefühlen zurück, die er teilweise durch „Das weiße Schloss“ neu entdeckt und erkannt hat. Zehn Meter Feldweg trösten über manchen Schmerz hinweg, schaffen es andererseits aber auch, Schmerzen erkennbar zu machen.

www.feldwegrock.de

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