Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Pape – Die Einsamkeit des Schwimmers

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 Die aktuellen Songs von Pape  – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Kai-Olaf Stehrenberg

„Neulich fragte mich jemand: „Machst du jetzt ein neues Album, um noch einmal reich und berühmt zu werden?“ Leute glaubt mir, wenn man reich und berühmt werden will, gibt es so einige Möglichkeiten, aber dazu bringt doch heutzutage keiner mehr ein Album raus.“
So brachte Carsten Pape es bei der Release-Party seiner neuen CD „Die Einsamkeit des Schwimmers“ auf den Punkt.
Dabei gab es Zeiten, in denen er in aller Munde war. Es war in den 80er Jahren, als er mit seiner damaligen Band Clowns & Helden und dem Titel „Ich liebe dich“ einen Top Ten Hit in den deutschen Singlecharts landete. Ein Lied, das genau wie seine neue CD durchaus in den Bereich Pop & Rock angesiedelt gehört. Da Carsten Pape seine Lieder selbst verfasst und schon oft bewiesen hat, dass er sie auch im akustischen Rahmen überzeugend darzubieten weiß, kann er auch getrost in der Sparte der Liedermacher genannt werden.

Und er legt zusammen mit seiner Begleitband – allen voran mit seinem kongenialen Partner Christof Osburg – nun ein wirklich großartiges Album hin.
Lange haben sie an dieser CD gebastelt. Ganze Produktionen verworfen und wieder neu aufgenommen. Das musikalische Gewand, das seine Lieder letztlich bekommen haben, hätte kaum besser ausfallen können. Die Lieder klingen eingängig und radiotauglich, haben aber auch genug Ecken und Kanten, um nicht zu langweilen.
„Die Einsamkeit des Schwimmers“, das Titellied des Albums, ist das perfekte Paradebeispiel: Ein Hit, der sich langsam von hinten anschleicht, um dann dauerhaft im Ohr zu bleiben. Wäre dieses Lied zu Papes populären Zeiten veröffentlicht worden, es hätte ein zweiter Top Ten Hit werden können. Gerade in Liedern wie „Labyrinth“, ein weiteres großes Highlight, spielt er mit ausgefeilten Sounds, die aber nie vom Eigentlichen ablenken, die Lieder bleiben somit stets im Vordergrund.
Schade ist hierbei lediglich, dass das Schlagzeug hörbar aus dem Computer kommt, aber dies ist allenfalls ein ästhetischer Aspekt und schmälert den Hörgenuss in keiner Weise.

Besonders loben muss man Carsten Pape aber wieder einmal für seine Texte. Sie klingen zwar nun wirklich nicht wie die eines klassischen Liedermachers. Mit Sicherheit ist er auch kein großer Poet, bedeutungsschwangere Zeilen sucht man weitestgehend vergeblich. Seine Sprache klingt ungeschnörkelt und natürlich, aber umschifft gekonnt jede Banalität. Er erzählt seine Alltagsgeschichten so bildhaft, authentisch und lebensecht, dass sie ganz vertraut klingen und man sich wunderbar in sie fallen lassen kann.

Ein großes Thema auf dieser CD sind neben klaren gesellschaftskritischen Seitenhieben („Labyrinth“, „Ich bin dagegen“) und klaren Liebesbekenntnissen an seine Heimat im Norden („Das hat der Norden aus mir gemacht“) vor allem die Vergänglichkeit des Lebens. Aber so tragisch er dieses Thema in „Zwanzig Sommer“ schildern kann, so ironisch schafft er es in „Das Foto“. Wirklich ergreifend und das vielleicht schönste Lied auf der CD ist dann aber „Jeder auf seine Weise“, das vor allem als Hörtipp wärmstens zu empfehlen sei.

Unterm Strich ist „Die Einsamkeit des Schwimmers“ ein wirklich rundes Album geworden, das man ohne Lückenfüller gut durchhören kann, hier wurde über die Musik bis hin zu den Texten wirklich alles richtig gemacht. Vielleicht wird Papes eigenwillige und an sich sehr interessante Stimme auf Albumlänge ein wenig anstrengend, aber das ist ein rein subjektives Empfinden und sagt nichts über die Qualität des Albums aus.
EAL-Leser, die gutes Schreibhandwerk auch dann schätzen, wenn es etwas breiter und rockiger arrangiert ist, werden an „Die Einsamkeit des Schwimmers“ auf jeden Fall ihre helle Freude haben.

www.timezone-records.com/kuenstler/details/pape/

 

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