Ein Achtel Lorbeerblatt

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Rezension: Nullmorphem – Gespräche am Nebentisch

nullmorphem

Die aktuellen Songs von Nullmorphem – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Sophie Weigand

Wer das Wort Nullmorphem zufällig irgendwo liest, denkt im ersten Moment womöglich an Science-Fiction. Ursprünglich aber kommt der Begriff aus der Grammatik und in diesem hier vorliegenden Falle meint er ohnehin etwas ganz anderes. Hier bezeichnet er die Band des Lorbeerblattredakteurs Simon-Dominik Otte und seiner Mitstreiter Bigo Seinz und Malte von Griesgram. 2010 mehr als freundschaftliches Projekt gegründet, zeigt das Album ,Gespräche am Nebentisch‘ bereits mit den ersten Gitarrenklängen, dass hier mitreißende und leidenschaftliche Songschreiber am Werk sind. Musiker, die über das Leben singen, wie es ist. Bei einem selbst und am Nebentisch.

Bereits der Eröffnungssong ,Wetterbericht‘ über das Zusammensein und Auseinandergehen, über Veränderung und Neuanfang bleibt im Ohr und lässt sich sofort im Kopf nieder. Ein bisschen kryptisch bleibt der Text im Ganzen, mehr ein poetisches Gesamtkunstwerk, perfekt abgestimmt auf die Musik. Es ist eines dieser Ohrwurmlieder, mit dem man ein Album beginnen muss, um seine Hörer zu packen.

Neben Liedern, die antreiben und anspornen, deren Rhythmus nicht nur zur Bewegung einlädt, sondern zwingt – wie ,Was jetzt?‘ und ,Im Rausch‘ – finden sich auch solche, die nachdenklich stimmen. Solche der leisen Zwischentöne, der Melancholie und des Innehaltens. Dazu gehören ,Freier Fall‘, die ,Straßengespräche‘ oder ,Schnee von gestern‘. Nullmorphem sind abwechslungsreich und legen sich nicht auf einen Stil, eine Richtung fest. Vor allen Dingen aber beweisen die drei Musiker ein bewundernswertes Gespür für unverbrauchte und einprägsame Melodien.

So hat jedes Stück des Albums seine ganz eigene Stimmung, einen Wiedererkennungswert. ,Gespräche am Nebentisch‘ entpuppt sich nach mehrmaligem Hören als eine Platte für jede Jahreszeit, musikalisch Sommerliches wie Winterliches findet man, – und ein Album für alle Gelegenheiten. Fast wirken die Lieder tatsächlich wie Gespräche, die man nebenbei aufschnappt, Geschichten, mit denen man eigentlich nichts zu tun hat. Und die einen dann doch nicht loslassen.

Zehn ,Gespräche am Nebentisch‘ vereint das zweite Album von Nullmorphem. 2011 erschien bereits ,Abtönungspartikel‘, auch das eine Fundgrube wundervoller Melodien und authentischer Geschichten. Es lohnt sich, diese Band einmal anzusehen, ihnen zuzuhören für eine Weile – oder länger. In bester Tradition des Handgemachten wird man dank ihnen Musik finden, die ehrlich und aufrichtig vom Leben und seinen Widrigkeiten zu erzählen weiß.

www.nullmorphem.bandcamp.com

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. Juni 2014 von in 2014, Nullmorphem, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , .
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