Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Yok – Helsingborg

yok-helsingborg

Die aktuellen Songs von Yok – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Sophie Weigand

Yok, ehemals bekannt unter dem Namen „Quetschenpaua“, knüpft mit seinem Live-Album ,Helsingborg‘ relativ nahtlos an alte Zeiten an. Der Mann mit dem Akkordeon entstammt der Punkszene und Anti-Atomkraft-Bewegung, seine Lieder waren und sind demnach deutlich politisch gefärbt. Das allerdings tut dem Vergnügen keinerlei Abbruch, denn Yok, der eigentlich Yörg heißt, hebt nicht den moralischen Zeigefinger, er belehrt nicht. Seine Lieder rufen auf: zum Nachdenken, zum Mitmachen, zum Handeln. Sie machen Vorschläge, geben Ein – und Ausblicke, die unmittelbar mit der Lebenswirklichkeit vieler Menschen zu tun haben.

Yok ist Taxifahrer in Berlin und kann sich unter diesen Umständen natürlich keineswegs über einen Mangel an Geschichten beklagen. Er hört und sieht vieles, was sich nicht nur in seinem Buch Punkrocktarif, sondern natürlich auch in seinen Liedern widerspiegelt. Und dabei geht es nicht immer nur um das große Ganze. Seine Songs handeln auch mitunter von den eigenen Blockaden und der unliebsamen Bequemlichkeit eines jeden von uns. ,Sich selbst‘ und ,Anlauf‘ sind dafür hervorragende Beispiele. Was tue ich selbst eigentlich, um die Dinge besser zu machen? Was macht mich so träge?

Kurze Texteinlagen wie ,Lasst euch nix erzählen‘ stellen eindrucksvoll unter Beweis, dass Yok nicht nur ein vielseitiger Musiker ist, der weit mehr Instrumente als nur die nämliche „Quetsche“ ins Spiel bringt, sondern auch ein talentierter Dichter und Texter. Seine Worte sind authentisch, ungezwungen und treffen gerade deswegen so zielsicher in die Herzen und Köpfe seines Publikums. Yok wäre mit seinen spoken word-Einlagen willkommener Gast auf den Poetry Slam-Bühnen der Republik.

Manchmal geht es auf Helsingborg aber auch ans Eingemachte. Dann, wenn es um Gewalt geht, Rassismus, Gentrifizierung und Armut. Yok ist seit Jahrzehnten politisch aktiv, er weiß, wovon er singt und er weiß, was er sagen will. Das honoriert sein Publikum, seit Jahren schon. Denn bei Yok stehen diese Themen nicht als große Worte im Raum, in seinen Liedern bekommen sie eine Geschichte und ein Gesicht. Sie werden plötzlich fassbarer, was eine Leistung ist, mit der sich traditionelle Medien nicht schmücken können. Yoks Musik ist energiegeladen, sie macht Spaß, sie rüttelt auf und – überraschenderweise kann man das von Akkordeonmusik dieser Art uneingeschränkt behaupten – sie provoziert Bewegung.

Wer bei diesen raschen Tonfolgen nicht mindestens hin und wieder mal einen rhythmischen Ausfallschritt wagt, dem kann Musik nicht ins Blut gehen. Lieder wie ,Regen in Tel Aviv‘ schlagen nachdenklichere Töne an und schenken so wundervolle Zeilen wie: „Wo man singt, da lass‘ Dich ruhig nieder.“ Ist ’n blöder Spruch, denn auch die Bösen haben Lieder… Helsingborg, neben dem Albumtitel auch ein herrlich schwerfälliger Song mit einer Tom-Waits-Gedächtnisstimme, ist die mittlerweile achte Soloveröffentlichung des Wahlberliners. Immer noch Punk, immer noch gut. Zwei Drittel der 24 Songs sind Liveaufnahmen, die anderen im Studio aufgenommen.

Aber ganz gleich wo Yok seine Quetsche erklingen lässt – dahinter steht genug Power und Leidenschaft für ein ganzes wildes Publikum!

Homepage: pocketpunk.so36.net

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. Juli 2014 von in 2014, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , .
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