Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Feelsaitig – Feelsaitig

Feelsaitig

von Kai-Olaf Stehrenberg

„Moment mal, das Lied „Geisterfahrer“ kenne ich doch“, dachte ich mir, als ich das Album „Feelsaitig“ der gleichnamigen Band durchhörte. Hatte ich es doch bei einem gemeinsam bestrittenen Songwriterabend von dem mir bis dato unbekannten Alexander Wolfrum gehört und mich dazu königlich amüsiert. Sein Album „Mein richtiger Name ist Alexander“ nahm ich damals auch mit und hörte es gern. Dennoch hatte ich mich seither nicht mehr allzu nah mit seiner weiteren Biografie auseinandergesetzt. So fragte ich mich doch tatsächlich, ob es sich bei „Feelsaitig“ vielleicht um ein neues Nebenprojekt von Alexander handeln könnte, das bewusst auf neumodische Trends verzichtet und mit feinstem Liedermacher-Folk der alten Schule aufwartet.

Dies ist natürlich weit gefehlt, im Gegenteil. Bei der vorliegenden CD handelt es sich um eine Neuveröffentlichung zum 30jährigen Jubiläum des Albums, und neben Alexander Wolfrum standen Gitarrist und Sänger Robert Wachsmann und Bassist Hanzie Scharrer hinter dem Projekt, das seinem raffinierten Namen alle Ehre macht. Denn das Konzept des Albums ist recht bald erkennbar: Virtuose Gitarrenklänge und tadelloser, oft mehrstimmiger Gesang auf der einen Seite, völlige Unbefangenheit in Sachen Genreüberschreitungen auf der anderen. Klassische, deutschsprachige Liedermacherei aus der Feder von Alexander Wolfrum ergänzt sich mühelos mit englischsprachigem Folk-Rock aus der Feder von Robert Wachsmann, und dennoch klingt alles wie aus einem Guss.

Wolfrum setzt in den von ihm geschriebenen Liedern politische, gesellschaftskritische Akzente („Warum“), hat aber keine Angst vor Klamauk wie im eingangs beschriebenen „Geisterfahrer“ bis hin zur köstlichen Udo Lindenberg-Parodie „Schnapp du dir die da“ und weiß in jeder dieser Rollen zu überzeugen.

Die von Wachsmann geschriebenen Lieder fallen vor allem musikalisch auf, erinnern sie doch im positivsten Sinne an Jahrzehnte alte Klassiker im Stil von Ralph McTell, Bob Dylan oder gar den Eagles – Lieder wie das melodische „Promise To Stay“ sind Titel voller Atmosphäre, denen man gern andächtig zuhört. Hier fallen auch besonders die Fähigkeiten an den Instrumenten auf – nicht zuletzt ebenso die vom Bassisten Hanzie Scharrer, der leider 2006 verstorben ist.

„Das war dann auch der Schnitt“, sagt Alexander Wolfrum. Umso schöner, dass er und Robert Wachsmann nun dafür sorgen, dass das erste Album dieses Trios nun digital remastert wieder unter die Leute kommt. Nicht nur das: Als Bonustracks haben sie noch einige Live-Aufnahmen von 1987 dazugetan, von denen vor allem „Größenwahn“ hängenbleibt, das in seiner Aktualität regelrecht an die Nieren geht. Schade ist hier zwar, dass diese Live-Aufnahmen manchmal recht unsauber abgemischt klingen, man kann aber dennoch dankbar sein, dass man sie nun zu hören bekommt.

Als besonderen Leckerbissen gibt es dann sogar noch zwei brandneue Lieder auf der CD. Hier nimmt Le-Roy nun den Platz von Hanzie Scharrer am Bass ein.
„Es lebe die Kleinkunst, aber damit ist nicht gemeint,
Dass man Kleinkunst und Kommerz zu Schwachsinn vereint“
heißt es im letzten Lied.

Und im Grunde sagen diese zwei Zeilen aus, wofür Feelsaitig gestanden haben: Authentische Liedermacherkunst, der Herz und Hirn wichtiger ist als der Geldbeutel.

www.alexanderwolfrum.de/feelsaitig

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