Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Katja Werker – Lieder vom Küchentisch

liedervonkuechentisch

Die aktuellen Songs von Katja Werker – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Lena Lehmann

Katja Werker ist als Songwriterin, Sängerin und Musikerin schon lange und gut im Geschäft: drei Verträge mit Major-Labels, einige Musikpreise, sogar eine „CD des Jahres“ kann sie sich auf die Fahnen schreiben. Und doch hat sie bei der Arbeit an ihrem neuen Album „Lieder vom Küchentisch“ vollständig auf großes Brimborium, aufwändige Verträge und Produktionen oder große Posen verzichtet. Zwei Jahre hat sie gebraucht, alle Lieder selbst geschrieben, auf das Nötigste reduziert, die Aufnahmen und die Produktion über Crowdfunding finanziert. Als Gastmusiker konnte Katja Werker Ian Melrose, Manfred Leuchter und Thomas Gutermann gewinnen. Auch die Vermarktung hat sie über ihr neu gegründetes Label „Küchentisch Productions“ selbst in die Hand genommen. Davor allein kann man schon den Hut ziehen.

Das Ergebnis jedoch überzeugt vollkommen in seiner Schlichtheit, seiner ergreifenden Nacktheit. In 12 Liedern, bis auf „Paisteboard Tiger“ alle auf Deutsch geschrieben und gesungen, verarbeitet die Künstlerin ihre bewegte Vergangenheit, all die schmerzhaften Erfahrungen, Sehnsüchte und Momente. Und zwar auf eine so direkte und ehrliche Weise, dass sie sofort ins Herz gehen. Besonders stechen hier Lieder wie „Tag X“ („Und ich hab gar nichts verbrochen und steh allein im Wind“) und „Alles bleibt“ („Und jetzt brech ich mein Schweigen, die Mauern aus Eis schwimmen flussabwärts“) hervor, die mit unbeschreiblicher Intensität vom Verlassenwerden, von schwieriger Kindheit, vom Absturz und den Narben, die das Leben bei ihr hinterlassen hat, erzählen. Man hört in jedem einzelnen Lied, dass dieses Album beinahe ein Lebenswerk ist, welches mit seiner unglaublichen persönlichen Tiefe und Offenheit doch so unaufgeregt, teilweise so leise und doch so berührend und intensiv daher kommt, dass man keine Wahl hat, als in die Lieder einzutauchen und sie mit zu leben.

Musikalisch beschränken sich die meisten Stücke des Albums auf wenige Instrumente, simple Arrangements unterstützen vor allem Katja Werkers einzigartige Stimme, die absolut im Vordergrund steht. Und das zu Recht: Sehr natürlich, etwas hauchig und dadurch leicht brüchig und spröde berührt ihre Stimme sofort und macht die Lieder umso persönlicher. Katja Werkers musikalische Wurzeln im Folk/Country sind deutlich hörbar (zum Beispiel in Liedern wie „Bring mich nach Hause“ oder „Winterschiff“), sowohl im Gesang als auch in der Musik selbst. An anderen Stellen klingt es auch mal nach Pop, manchmal fast ein bisschen soulig („Gib mir“). Die Texte kommen stellenweise vielleicht etwas zu oft im Paarreim daher, doch Zeilen wie „Zum Sein gehört das Lassen, zum Atmen der Verstand und ist der Kopf erst unter Wasser, geht’s nicht mehr an Land“ wiegen solche Kleinigkeiten hundertfach wieder auf.

Katja Werkers neuestes Werk, die „Lieder vom Küchentisch“, dürften definitiv ein neues Kapitel in der musikalischen Laufbahn der Künstlerin aufschlagen. Dieses Album scheint ein Stück ihrer selbst zu sein, überzeugt und berührt textlich und musikalisch in seiner unglaublichen, schlichten Intensität. „Es ist wie es ist, wie es ist, wie es ist so ist es“ – und genau so ist es gut!

Weitere Informationen zu Katja Werker und zum Album unter www.katja-werker.com

Ein Kommentar zu “Rezension: Katja Werker – Lieder vom Küchentisch

  1. Maccabros
    11. Juli 2014

    Katja mag ich gerne – gut zu hören und interessante Texte…

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