Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Andreas-Bernd Mönnich – Land in Sicht

Land_in_Sicht

Nach längerer kreativer Pause kommt „Land in Sicht“

von Anne Drerup

Andreas-Bernd Mönnichs viertes Album steckt voller Klang und sehr persönlichen Texten

„Klein, aber fein!“, mag sich der Sänger, Texter und Komponist Andreas-Bernd Mönnich denken, als er nach längerer Zeit kreativer Einkehr 2014 sein viertes Album „Land in Sicht“ mit acht sehr klangvollen Liedern herausbringt. Seit seinem Debütalbum „Der Himmel auf Erden“ (2003), gefolgt von den CDs „Flieg kleiner Vogel“ (2005) und „Hör auf dein Herz“ (2007), sind einige Jahre vergangen, die aber dennoch kreativ genutzt wurden, zum Beispiel um einzelne Songs für Künstlerkollegen zu schreiben, wie „Don’t fear the sun“ (2008) für Rüdiger Martin oder „Ich will den Sommer zurück“ (2012) für Alex De. Den wichtigsten Anstoß für ein weiteres eigenes Album gab dem gebürtigen Oldenburger und ursprünglich gelernten Physiotherapeuten Mönnich wohl die Zusammenarbeit mit dem Produzenten und Songschreiber Jörg Maire, den er seit 2011 kennt.

Mönnich ist es wichtig, mit seinen persönlichen Liedtexten Geschichten zu erzählen, die es verdienen, genauer betrachtet zu werden. Dabei hat er eine besondere Vorliebe für längere instrumentale und chorale Intros, die gewaltige Klangteppiche und damit Stimmungen erzeugen. „Das Lied der unerfüllten Liebe“ ist ein Beispiel hierfür – inhaltlich geht es um eine Jugendliebe aus der Schulzeit, die zeitlebens leider nicht erwidert wird, obwohl sich Freundschaft und Sehnsucht treu und hartnäckig beim lyrischen Ich halten. Anders verhält es sich im darauffolgenden „Charlottes Herbst mit Thomas“, einer relativ ruhigen Rockballade über den Kontakt zu einer älteren Dame, die einiges an Erfahrungen zu erzählen und zu geben hat, was die jungen Menschen allerdings verpassen würden, würden sie auf ihre Eltern hören, die sich außerhalb der eigenen Familie nicht mit der älteren Generation befassen möchten. Ein schönes Plädoyer für einen regen Austausch zwischen Alt und Jung – leider werden die Strophen vom Klang des Synthesizers manchmal übertönt, sodass man sie nur schwer versteht. Da lohnt es sich sicher, in die Texte zu schauen und mitzulesen.
Frieden“, eine sehr angenehm zu hörende Ballade mit Hymnencharakter, handelt von der Vorstellung eines sich ausbreitenden Friedens auf der Welt, die nur zu gern wahr werden dürfte: „Eine Macht, die uns umfängt, und die ansonsten nicht einlenkt, hat genug von dem, was wir unten treiben, sie sagt „Halt!“ und dabei soll es auch bleiben!“, heißt es im Refrain. Ob dies ohne jedes Zutun der Menschen jedoch möglich ist, bleibt zu hinterfragen. Und schließlich beleuchtet Mönnich in „Ich kann die Sonne sehen“ die Perspektive eines Kindes in der Kriegszeit, das sich nichts sehnlicher wünscht, als aus dem sicheren Bunker untertage wieder das Tageslicht und die Welt zu sehen, die der Krieg trotz aller Gewalt nicht vollständig zerstören kann. Es ist bei aller Wichtigkeit der anderen Themen das eindrücklichste und berührendste Stück, und damit gut ans Ende der CD gesetzt.

Im Titelsong „Land in Sicht“ geht es schwungvoll um Ermutigung und Ermunterung, auf das Gute zu sehen, den Blick nach vorne zu lenken und nicht in Zweifel und Pessimismus zu versinken – da beginnt man lieber, sich selbst eine Insel zu bauen! Was in diesem Lied für alle Menschen gelten soll, bezieht sich in „Perspektiven“ auf einen einzelnen, der über einen Neuanfang im Leben nachdenkt und sich in Aufbruchsstimmung befindet. Hier wird der Zuhörer insofern überrascht, als dass der Text ziemlich unmittelbar beginnt und das Tempo sehr hoch ist, sodass man sich das Lied wohl mehrmals anhören sollte, möchte man den ganzen Text erfassen. Sehr viel ruhiger geht es bei „Wenn du da bist“ zu, einem Lied über die Liebe zum eigenen, noch ungeborenen Kind und darüber, wie schön man sich die gemeinsame Lebenszeit vorstellt. Das Intro wie auch das Fade-out bestehen aus A-cappella-Tönen, die eine Akustik mit tragender Wirkung erzeugen.
In der Rockballade „Er liebt dich einfach nicht“ wird versucht, einer Frau die Augen zu öffnen, die einem Mann hinterherläuft, der sich offensichtlich überhaupt nicht für sie interessiert – mit relativ wenig Erfolg! Zum Ende des Liedes kommt heraus, dass es sich bei der Frau um die kleine Schwester handelt, die gerade Teenager ist und sich ihrer Schwärmerei weiter hingeben möchte.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die CD „Land in Sicht“ vor allem diejenigen ansprechen wird, die klangvolle Musik, eine rockige Stimme und persönliche Texte mögen. Der Gesang steht dabei weniger im Vordergrund als es eingefleischte Liedermacherfans bei handgemachter, einfacher Gitarrenbegleitung gewohnt sind. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Texte, da sie nicht einfach nur schön, sondern auch gehaltvoll daherkommen.
Als pdfs werden sie auf der Homepage www.liedermacher-andreas.de beim Erwerb der CD zusätzlich zur Verfügung gestellt.

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