Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Flo Pfeifer – Nei in da Stodt

nei in da stodt

Die aktuellen Songs von Flo Pfeifer – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Alexander Kutz

Ab und zu besetzen Melodien das Ohr und wollen es nicht mehr verlassen. Flo Pfeifer ist offensichtlich einer von den Menschen, die es schaffen, gleich mehrere solcher Besatzer auszusenden. Der hauptberufliche Schlagzeuger veröffentlicht mit ‚Nei in da Stodt‘ sein erstes Album als „Singer/Songwriter“. Abwechslungsreich und gewandt bewegen sich die Stücke quer durchs Stil-Beet: Funk, Rap, Rock, Liedermacherei, Country, sogar ein 33-köpfiges Symphonieorchester ist mit dabei. Dennoch gerät das Gesamtkonzept nicht aus den Fugen.

Hierfür wird der sprichwörtliche rote Faden nicht nur mit der konsequent bayrischen Mundart gelegt; vielmehr sind es die musikalische Souveränität der beteiligten Musiker, die exzellente, facettenreiche gesangliche Leistung und das stimmige Verhältnis von Text und Melodie, welche die Homogenität des Albums ausmachen. Einen großen Platz auf dem Album nehmen Lieder ein, die ein positives Lebensgefühl vermitteln. So überredet der ‚Dudududu-Song‘ jeden Miesepeter mit raus zum See zu kommen. Mit ‚Melodie‘ wird jenen Ohrenwürmern gehuldigt, die sich im Kopf festbeißen und in den unmöglichsten Situationen ihre Wirtstiere im Griff haben: „Mei Fuaß fangt o zum wippm, d’Lippm zu vibriern, da Kopf geht auf und ob, i kanns ned kontrolliern …“ Diese Stücke sind mit beschwingten Rhythmen unterlegt und kommen mit locker-leichten Tonfolgen daher.

Ebenso unbeschwert klingen die Lieder an, die sich um den mehr oder weniger langen Augenblick des Verliebtseins drehen, wie ‚Dawischt‘ oder ‚Wien‘ – immer mit eingängigen Melodien versehen und mit Texten, die das Besondere im Alltäglichen betonen. Aber auch in den sanften Tönen und nachdenklichen Themen bewegen sich die Musiker gekonnt. Da wird über die Aussichtslosigkeit gescheiterter Menschen gesungen (‚S’wead scho wean‘) oder über die demenzkranke Großmutter (‚D’Zeit vergeht‘). Auch der Opener ‚Mi friats‘, in dem die Schwere der Zeit, die auf der Einsamkeit lastet, beschrieben wird, schlägt eher leise Töne an. Nicht zuletzt profitiert das gesamte Album von den durchdachten Arrangements sowie der Qualität von Aufnahme und Abmischung – produziert wurde die Scheibe in Eigenregie von Flo Pfeifer in Zusammenarbeit mit dem Filmmusikkomponisten und Produzenten Sam Dalferth.

Ein ansprechendes Booklet mit Photos, Zeichnungen, handschriftlichen Bemerkungen und vor allem den Originaltexten in Bayrisch komplettieren die Zusammenstellung und unterstreichen die hohe Qualität des Gesamtproduktes. Insgesamt fließen hier künstlerische Erfahrungen, musikalisches Können – von den einzelnen Studiomusikern bis zum herausragenden Gesang –, Texte, die nah am alltäglichen Erleben ihres Schreibers liegen und ein glückliches Händchen für die richtige Melodie in ein Debütalbum, das damit nach weit mehr als nach einem solchen klingt.

www.flopfeifer.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Juli 2014 von in Liedermacher, M-P, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , .
%d Bloggern gefällt das: