Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Andreas Albrecht – Sterne****

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Die aktuellen Songs von Andreas Albrecht – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Simon-Dominik Otte

Nach „TAGEBUCHt“ folgen nun also die „Sterne****“. Andreas Albrecht startet dieses Mal schon vom ersten Lied an viel lebensfroher, bejahender als auf seinem letzten Album.

Unglaublich“ beschäftigt sich mit der großen Liebe, die zu finden ja wohl das Ziel eines jeden Menschen sein dürfte. „Es sind doch nur Anfang und Ende im selben Moment.“ Direkt im Anschluss jedoch zeigt er, wie es mit einem „Selbstsüchtigen Stück“ aussieht, wenn man mit diesem sein Leben teilt. Dabei nutzt er musikalische Mittel des Deutsch-Pops und der Liedermacherei.

Danach setzt sich Albrecht ans Klavier und entlockt ihm eine – auch aufgrund des hintergründigen „Tick-Tacks“ – hypnotische Ballade, um daraufhin wieder in Orchesterstärke loszulegen. Somit schafft er ebenso auf diesem Album das, was schon TAGEBUCHt auszeichnete: eine enorme Bandbreite an Emotionen, musikalischen Einflüssen und Ideen. „Am Ende siegt immer die Wahrheit“. Selbst, wenn man „Einmal zu oft ‚Ich“ sagt.

Der Titelsong ist dann wieder einer, der sich auf das Piano stützt und mit ihm auf die Reise zu eben den „Sternen“ geht. Hier stören noch nicht einmal aufgebrauchte Bilder wie die der Sterne im Gesicht. Schnell also zurück ins „Schneckenhaus, poch poch“, in Richtung Zirkus und Element of Crime. Und wieder fällt auf, dass Andreas Albrecht jedem Lebensgefühl das richtige Wort und die richtige Stimmung entlocken kann. Und sie dann auch noch überzeugend zu erzählen versteht.

Stille“ erinnert in seiner Eindringlichkeit und durch sein virtuoses Klavierspiel geradezu an den Soundtrack von „Vier Minuten“, fesselnd und berauschend, wenn auch zerstörerisch. „Das Gebet“ hingegen macht Tom Waits Konkurrenz und seit Herbert Grönemeyers „Alkohol“ hat man wohl kein so intensives Stück mehr zu diesem Thema gehört. „Alkohol, ich danke dir / du hast mir gezeigt, wie traurig ich bin / und wie froh ich gern wär“. Wie schon gesagt, Erfahrungen, die höchstwahrscheinlich ein jeder bereits gemacht hat, die aber dennoch intensiver sind, wenn sie von anderen vorgetragen und geteilt werden. Mit „Das Gebet“ dürfte Andreas Albrecht diesen Punkt einmal mehr erreicht haben. Versprochen.

Was mit Fortdauern des Albums auffällt, ist, dass doch die Songs, die etwas stärker auf das Piano und die Barstimmung setzen, noch ein wenig eher im Kopf nachhallen, gerade dann, wenn man meint, Blixa Bargeld hätte diesen Stücken einen ganz privaten Besuch abgestattet. Diese Lieder sind prägnant und einverleibend, verständnisvoll und berührbar.

Eines sollte nach dem Genuss von „Sterne****“ klar sein: „Zurück auf null“ will hier keiner mehr. Eher zurück auf 1, um mit eben diesem Song das Album aufs Neue zu starten und zu genießen.

www.andreasalbrecht.com

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