Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Herman van Veen – Hin und wieder

Herman-van-Veen-Cover

Die aktuellen Songs von Herman van Veen – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Simon-Dominik Otte

Muss man zu Herman van Veen wirklich noch eine Rezension schreiben? Da ist doch eigentlich alles schon gesagt, oder? Da reicht doch Copy&Paste, merkt doch eh keiner, oder? Eben doch. Zudem die Frage natürlich falsch gestellt ist, denn sie müsste wohl sehr viel eher heißen: „Darf man zu Herman van Veen wirklich noch eine Rezension schreiben?“

„Wahrscheinlich ist es einfach, das macht es kompliziert“ („Keiner hat gesagt“), das könnte man wohl auch über ebendiese Kritik sagen. Denn selbstverständlich ist eigentlich schon alles gesagt, was man wissen zu müssen meint. Aber das ist dann doch nicht alles. Denn Herman van Veen überrascht auf „Hin und wieder“ zum x-ten Mal mit besonderen Songs, ob diese nun von ihm geschrieben sind oder ob er Werke von Kollegen neu und besonders interpretiert. So, wie er es mit Heinz Rudolf Kunzes Songtext „Keiner hat gesagt“ gleich zu Beginn des Albums tut.

Musikalisch wandelt van Veen auf Straßen, die man „Jazzboulevard“, „Bluesgasse“ oder auch „Liedermacherallee“ benannt hat. Darüber hinaus tanzt er auch wie gewohnt – wenn auch nicht so häufig – zwischen den Sprachen hin und her und zeigt, wie sicher er diese auch künstlerisch beherrscht. In diesen Sprachen singt van Veen dann vom eigenen Kind, von Eseln mit biblischer Vergangenheit, von Hilflosigkeit, dem Lebenslauf und der Erinnerung. Und dieses wundervolles Lied an die „Liebste“. Ein Lied, das entfernt an „When I’m 64“ der Beatles gemahnt, dabei aber vor Selbstständigkeit strotzt und in einer Form tiefgehend ist, wie man es sehr selten erlebt. Solch einen Text wünscht sich wahrscheinlich ein jeder von seiner oder seinem Liebsten. Einen „Lach-mich-Tod“ wünscht sich wohl nicht nur Herman van Veen.

Überhaupt geht er mit „Hin und wieder“ in sehr persönliche, sehr anrührende Gebiete, dringt in die Seele vor und schaltet dort das Licht ein. Wenn er etwa in „Liedchen“ über das Vernichtende an einer noch so kleinen Lüge singt, geht das mehr als nur zu Herzen.
Glücklicherweise gibt es aber auch noch „Ich hab ein zärtliches Gefühl“, das es wieder wärmer ums Herz werden lässt. „Wenn ich an mein Land denke“ würde man gerade jetzt jedem Menschen in der Ukraine, in Palästina und Israel, überall auf der Welt, wo gerade Krieg oder Unvernunft herrscht, ans Herz legen wollen, um auch dieses mit diesem Lied zu wärmen und menschlicher zu machen.

Es müsste mehrere wie Herman van Veen geben. Aber zum Glück gibt es ihn. Mehr als wenigstens.

www.hermanvanveen.com

4 Kommentare zu “Rezension: Herman van Veen – Hin und wieder

  1. Marc
    8. August 2014

    „Darf man zu Herman van Veen wirklich noch eine Rezension schreiben?“ – Mit Verlaub: Manchmal sollte man lieber darauf verzichten. Keine Fußnote zum Anlass des Albums (40 Jahre Herman van Veen in Deutschland), keine Information zur Deluxe-Version (mit 32-seitigem Booklet) und keine Anmerkung zur – für Herman van Veen höchst ungewöhnlichen – musikalischen Umsetzung der Lieder. Eine derart floskelhafte Rezension, die wesentliche Charakteristika eines Albums konsequent übersieht, braucht wahrlich niemand.

    • achtellorbeerblatt
      9. August 2014

      Lieber Marc,

      wenn Ihnen persönlich die Rezension nicht gefällt, dann ist das nun mal so. Geschmäcker sind eben verschieden. Die Gründe, die Sie anführen, sind aber schlichtweg falsch. – Schauen Sie doch einfach einmal einen Zentimeter über Ihrem Kommentar… sozusagen als Fußnote zur Rezension. Da sehen Sie den Link zu einem Artikel aus dem März. Der Albenankündigung von „Hin und wieder“. Wo genau beschrieben wird, wie es zu dem Album kam, dass die Songs besonders und neu eingespielt wurden und so weiter und so fort. Da unsere Leser diese Infos erstens im März bereits bekamen und zweitens ja auch durch den Link (hier auch nochmal zur Sicherheit, falls der bei Ihnen irgendwie nicht angezeigt werden sollte http://wp.me/p309Si-2Zn) jederzeit nachlesen können, ist es doch unsinnig, die ganze Geschichte nochmal in die Rezension zu packen. Und eine Deluxe-Ausgabe zählt selbst im 21. Jahrhundert noch nicht zu den Promo-Exemplaren, die ein Online-Magazin erhält. – Wir freuen uns übrigens auch immer über kreative Mitarbeiter, die ggf. selber Rezensionen zu Alben beisteuern, um unser Magazin attraktiv zu gestalten. Unentgeltlich versteht sich… wir arbeiten ja alle ehrenamtlich sozusagen. Ein schönes Wochenende! Silke/EAL

      • Marc
        9. August 2014

        Vielen Dank für die Gebrauchsanweisung Ihres Magazins! ;-) Beim nächsten Mal werde ich also zuerst die Vorankündigung von vor 5 Monaten in der Fußnote suchen und lesen und erst danach die dazugehörige Rezension, damit ich mich als zukünftiger Stammleser besser informiert fühle…! Eigentlich ganz einfach…!

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