Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Matthias Lüke – Bei dir

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Die aktuellen Songs von Matthias Lüke – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Sophie Weigand

Wer gefühlvollen Gitarrenpop mit der besonderen Note mag, der wird in Zukunft wohl unweigerlich auf den Paderborner Songwriter Matthias Lüke stoßen, dessen Markenzeichen ein unbändiger Lockenkopf voll Ideen und die roten Socken sind. Sein Albumdebüt ,Bei dir‚ erzählt in bester Straßenmusikmanier von allem, was einem im Leben so begegnen kann, – von Liebe und Trauer, Freundschaft und Glück, von Sommernächten und Sisyphosarbeit. Eingängig und erfrischend wechselt Matthias Lüke, der mit seiner Gitarre, der Base-Drum und dem Schellenkranz auch locker drei Instrumente gleichzeitig bespielen kann, zwischen temporeicheren und melancholischen Nummern, die im Ohr bleiben. Manches Mal wird er auch von Carsten Hormes am Bass begleitet, der in seiner Formation gemeinsam mit Matthias Brodowy 2013 den Deutschen Kleinkunstpreis gewann.

Mit ,Wenn mein Herz ruft‚ startet die Platte langsam und bedächtig, beweist aber bereits ein feines Gespür für Melodien. ,Magische Sommernacht‚ gleich danach ist ein Song, der belebt und sofort das Vorurteil entkräftet, Matthias Lüke könnte sich ausschließlich auf die ruhigen und geruhsamen Töne verlegt haben. Dass er die aber bravourös beherrscht, nicht nur musikalisch, sondern auch textlich, zeigt sich in ,Kurze Wege gehen selbst Vögel zu Fuß‚. Ein kleines Liedjuwel voller Einfühlsamkeit und Wärme strahlt einem da entgegen; es gibt so manches auf Matthias Lükes Debütalbum, das näher betrachtet und gehört werden will. Einiges entfaltet seine Schönheit auch erst beim zweiten Hören.

Natürlich geht es auch bei Matthias Lüke um Liebe, darum, sie auszusprechen wie in ,Ich sag’s‚ oder ,Taubengroße Schmetterlinge‚ und überhaupt um ihr Vorhandensein, das wohl jeden Musiker irgendwann zu dem einen oder anderen Song inspiriert. Sei es nun, weil er sie nicht versteht oder weil er glaubt, durch sie alles zu verstehen.

Mit „Elefant vorm Porzellanladen“ – das Unglück ist also schon geschehen -, „Raupe Nimmersatt“ und „Florence“ beweist Lüke Humor und die Fähigkeit, auch von tiefsinnig-schwärmerischen Stoffen abrücken zu können, ohne dabei den Blick dafür völlig zu verlieren. Ob französische Liebschaften, mangelndes Geschick oder Unersättlichkeit; hier trifft gute Musik auf pfiffigen Text, musikalische Vielseitigkeit auf einen ganz eigenen Stil.

,Bei dir‚ ist ein Album, mit dem man eine Entdeckung machen kann, ganz unverhofft zu vielen Gelegenheiten. Matthias Lüke weiß, wie er mit seiner Gitarre ein Publikum begeistert und wird deshalb nicht umsonst als großes Nachwuchstalent gehandelt. Seine offene und zugängliche Musik geht nicht nur denen in Blut und Herz, die sich an akustischer Gitarrenmusik ohnehin nicht satthören können, sondern auch jenen, die vielleicht skeptisch sind und sich nicht so leicht erweichen lassen. Und so ist dem Mann mit dem Kazoo bloß zu wünschen, dass der Weg seines Albums in die Gehörgänge der Menschen zwar ein kurzer ist – er ihn aber dennoch im Fluge bewältigt.

www.matthiaslueke.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 4. September 2014 von in I-L, Liedermacher, Plattenbesprechungen und getaggt mit , , , , , , .
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