Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Micha Schlüter – Nichtschwimmer

mSchlütercover

Die aktuellen Songs von Micha Schlüter – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Lena Lehmann

„Manchmal fällt einem wochenlang nichts Richtiges ein, höchstens ein paar Wortfetzen aneinander gereimt oder ein paar Gitarrenfragmente und plötzlich kann es dann ganz schnell gehen und man hat eine Handvoll Lieder vor sich liegen.“ Das sagte Micha Schlüter 2012 im Interview mit stadtmagazin.com. Und nun, zwei Jahre später, hat man bereits sein zweites Album vor sich liegen, das nicht nur eine Handvoll, sondern gleich ein Dutzend seiner Lieder versammelt.

Es gibt genügend junge Männer, die von ihrem Leid singen | die Gitarre um den Hals nach Worten ringen | Das kennen wir aus den 60ern, 70er, 80er, 90ern und heut sogar ich“

Diese Zeile aus „Komm zurück“ mag stimmen. Aber wenige schaffen es, auf so authentische, pure Art & Weise den Zuhörer in ihren Bann zu ziehen wie Micha Schlüter das kann. Da verzeiht man ihm auch gern den einen oder anderen gesanglichen Schnitzer, denn sowohl die Geschichten, die seine Lieder erzählen, als auch die musikalische Untermalung derselben packen einen sofort und halten einen gefangen bis zum letzten Ton.

Jazz, Pop, Folk oder Gypsy nennt der 29jährige als musikalische Einflüsse neben dem klassischen Gitarrenspiel und der Liedermacherei, und von Element of Crime ist er „wirklich ein sehr großer Fan“. Das alles macht sich deutlich in fast jedem Lied bemerkbar, nur wenige begnügen sich allein mit der Singer-/Songwriter-Attitüde, was das Album als Gesamtwerk sehr abwechslungsreich und kurzweilig macht. Gleich das erste Lied „Die Nacht des Kairos“ entlockt dem Zuhörer unwillkürlich mehr oder weniger starke Zuckungen in den Tanzmuskeln, man findet sich gedanklich über das Parkett gleitend oder schwebend während man im Refrain „Scheißegal, wir sind heut noch einmal jung“ mitgrölt. Ähnlich ergeht es einem bei Stücken wie „Mein Wellnessurlaub im Neurosengarten“ oder „Sophia und Klaus“. Zwischendurch wird es ruhiger und oft auch melancholischer, sehr jazzig bisweilen wie in „Ich weiß es nicht“. Beinahe mit einer gewissen Punker-Attitüde kommt „Ich lebe noch“ daher, offenbart solch wunderbare Stellen wie „Wer Sorgen hat muss auch tragen können, das Gleiche gilt auch andersrum | Ein paar Kilos mehr auf dem Rücken bringen mich noch lange nicht um!“.

Sehr erfrischend und schön ist daneben auch, dass nicht nur befreundete Musikerkollegen instrumental am Album mitgewirkt haben, sondern dass in einigen Liedern auch Micha Schlüters Frau mitsingt, zum Beispiel bei „Zeitraffer-Bilder“ oder „Einen Parkplatz, das Glück oder dich“. Mit ihrer einfühlsamen Stimme bringt sie sehr viel Wärme in das Album. Dazu passt auch sehr gut, dass Micha Schlüter das Album ihrer gemeinsamen kleinen Tochter Leni widmet.

Nichtschwimmer“ ist auf vielen Ebenen ein sehr persönliches Werk. Viele Instrumente hat Micha Schlüter eigenhändig eingespielt und alles in Eigenregie aufgenommen. Man hört und spürt deutlich die Ehrlichkeit und Authentizität in seiner Musik, die ganz persönliche Note. So entsteht vom ersten Augenblick an eine unglaubliche Nähe zu den Liedern, die musikalisch und auch in den Texten sehr abwechslungsreich sind. Dem Zuhörer passiert so einiges, während er diesen Liedern lauscht – nur eins ganz sicher nicht: Langeweile!

www.micha-schlueter.de

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