Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Kalüün – Spöören

kaluun_spooren

 

von Simon-Dominik Otte

Wenn man gerade nach Hamburg gezogen ist, die Stadt und auch das Drumherum seit vielen, vielen Jahren schon geliebt hat, dann entwickelt man schnell auch eine tiefe, ja innige Beziehung zum norddeutschen Schnack. Und wenn Föhr auch noch ein gutes Stück weg ist, Kalüün begeistern mit ihrem waschechten Folk mit Inselprägung (im doppelten Sinne) vom ersten Augenblick an.

Keike Faltings tupft ihre erhabene Stimme in der stets richtigen Intonation über die instrumentale Grundlage, chorisch unterstützt von Dennis Werner und Jan Faltings, dem Hörer erscheinen vor dem geistigen Auge sofort eine rauschende See und ein rauschendes Fest, an dem teilzunehmen man sich im selben Moment wünscht. Die Violine tut ihr übriges, um die Füße automatisch in Richtung des nächsten Irish Pub zu führen, obwohl man auf „Spöören“ doch Föhringer Balladen und Tanzstücken lauscht. Sicherlich trägt zu der beschriebenen Gedankenwelt auch die für viele Hörer sicherlich unverständliche Sprache bei, die an anderes als Deutschland denken lässt.

Auch die rein instrumentalen Stücke von Kalüün lassen den Rezipienten gedanklich verreisen, „Spöören“ ist dazu angetan, Traumwelten zu erschaffen, denen man den Traummantel nur allzu gerne abreißen möchte, um auch in Wirklichkeit wieder das Meer zu sehen, die Füße im Sand zu spüren und Kalüün neben sich sitzen zu haben, die mit viel Hingabe ihre Musik darbieten, auf dass das Erlebnis perfekt werde.

Fehlen dürfen natürlich keinesfalls auch die Trinklieder, denn schon beim Opener wünscht sich die Hand ein gut gefülltes Whiskyglas zum Glücklichsein. Allerdings funktioniert das mit dem Glücklichsein auch ganz ohne Alkohol, dafür reicht die Musik dieser drei Föhringer und ihrer musikalischen Gäste, die die Bodhrán, die Whistle oder auch das Akkordeon beisteuern.
„Spöören“ ist eine großartige Untermalung für so manches Vorhaben, ob allein, in der Gruppe, ob in Wald und Flur oder der großen, steinernen Stadt. Die Musik von Kalüün öffnet das Herz, die Augen und den Geist, lässt Gedanken neue Wege erkunden und die Ohren vor Vergnügen tanzen.

Und wenn es dann mit „A swinger“ etwas bedächtiger und ruhiger zugeht, dann kann man den Tag Revue passieren lassen oder sich überlegen, was man denn mit den nächsten anstellen mag. Kalüün lassen dem Hörer jedoch gar nicht die Chance, zu sehr zur Ruhe zu kommen, gehen sie doch mit dem letzten Stück noch einmal aufs Ganze und animieren das Tanzbein, was dann dazu verführt, den Repeatknopf zu drücken. Zum Glück funktioniert der.

Freunde des irisch angehauchten Folk in musikalisch hervorragender Umsetzung sollten hier zugreifen und bitte erst danach die Finger lecken, sonst bleiben immer so komische Spuren auf der Hülle zurück und das will man doch nicht. Was man hingegen will, ist „Spöören“. Da gibt’s keine Fragen.

 

www.kaluun.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12. September 2014 von in I-L, Kalüün, Liedermacher, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , , , .
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