Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Holger Bischoff – Manche Lieder, die ich spiele, schrieb ich leider nicht für dich

manche lieder hobi

von Simon-Dominik Otte

Holger Bischoff, der viele Semester in Göttingen den „Nörgelbuff“ organisierte, spielt auf „Manche Lieder, die ich spiele, schrieb ich leider nicht für dich“ Liedermachermusik ganz im Stile eines Reinhard Mey. Mit virtuos gezupfter Gitarre und weltbewegenden Texten, egal, ob es sich bei dieser Welt um die große, weite oder auch nur die der eigenen Gedanken handelt. Die kleinen und großen Leiden des Einzelnen gepaart mit denen der Gesellschaft verarbeitet Bischoff in seinen Texten und seinen Liedern.

Als Deutschlehrer fasziniert natürlich am meisten das „Lied dem Genitiv“, das sich jenem Kasus widmet, der in der neuen deutschen Umgangssprache nicht erst seit Bastian Sick kaum noch eine Rolle spielt (insbesondere, wenn man im Rheinland aufgewachsen ist, wo es ja bekanntlich „dem Chantal sing Mutter sing Jürtel sing Schnall“ heißt). Wie falsch sich dieser Dativ anhört, beweist Holger Bischoff auf anschauliche Weise in diesem Lied, auch wenn es ihn nicht wirklich trifft, dass der 2. Fall immer weiter ausstirbt.

Es zeigt sich auf „Manche Lieder…“ wieder einmal, dass es oftmals nicht viel mehr braucht, als eine Gitarre und eine Stimme, die beide in der Lage sind, eine gute Geschichte zu erzählen, um sich dem Hörer in die Gehörgänge zu graben. Wobei insbesondere das variantenreiche Saitenspiel hier zu erwähnen ist. Hinzu kommt die beruhigende, erzählfreudige Stimme Bischoffs (Achtung, Genitiv!), die die Ohren auf eine lange Reise begleitet, die durch 14 Lieder führt.

Natürlich möchte man fast sagen, natürlich beschäftigt sich dieses Album auch mit der Liebe. Wird hierbei jedoch nicht plakativ oder wiederholend, vielmehr werden verschiedenste Spielformen dieses ach so großen Gefühls behandelt und jedem ein eigener Raum eingeräumt und gegönnt. Verlassen, verlassen werden, lieben, hassen, langweilen und die ganz tiefe Leidenschaft kommen alle zu Wort.

Etwas verstörend wirkt der Song „Rungholt“ mit seinem Hall und seinen Meeresgeräuschen, der so gar nicht recht in das Gesamtbild von „Manche Lieder…“ passen will und trotzdem als Bestandteil nicht wegzudenken ist. Holger Bischoff ist ein Liedermacher mit viel Tradition im Hintergrund, der es aber zeitgleich versteht, auf eigene Art zu faszinieren. „Manche Lieder…“ ist ein Album, das man gerne in den Schrank stellt. Doch sollte es dort nicht einstauben. Wird es wohl auch nicht.

 Holger Bischoff bei Facebook HIER

2 Kommentare zu “Rezension: Holger Bischoff – Manche Lieder, die ich spiele, schrieb ich leider nicht für dich

  1. Daniel
    19. Oktober 2014

    Ähem – der Genitiv ist *keine* Zeitform, sondern eine Deklinationsform…

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