Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Felix Meyer: „Menschen des 21. Jahrhunderts“-Tour 2014; Ein Konzertbericht.

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von Silke Aydin

Münster, 24.09. im Gleis 22: Erstes Konzert der aktuellen Tour! Spannung liegt in der Luft, die Musiker sind erst gegen Abend in Münster eingetroffen, Soundcheck kurz vor knapp. Wird alles klappen wie geplant? – Soviel sei an dieser Stelle schon verraten: alles (jedenfalls das, was der Zuhörer davon mitbekam) lief bestens. Gegen Ende der Veranstaltung kochte der Saal! Aber der Reihe nach…

Als ich die Location betrete, sehe ich als erstes die recht beschauliche und mit Instrumenten vollbepackte Bühne. Und frage mich, wie dort zwischen Kontrabass, Schlagzeug, Stage-Piano, diversen Gitarren und Mikrofonen, Akkordeon und unzähligen Kabeln gleich auch noch sechs Menschen Platz finden und sich bewegen sollen. Aber es wird passen… Der obligatorische Fliegende Teppich der Felix Meyer-Band ist natürlich auch zu sehen, verleiht der Bühne eine Wohnzimmeratmosphäre.

Kurz drauf geht es auch schon los… Stimmen von irgendwoher – ach so, der Dokumentarfilm über das Bandleben wird gezeigt. Klasse, der ist immer wieder sehenswert! Und während das Publikum gebannt den Bildern folgt, bemerke ich hier und da Bandmitglieder im Halbdunkel durch den Saal huschen, letzte Vorbereitungen treffen oder einfach mal kurz schauen, was das Publikum so macht.

Der Abspann des Films läuft noch, da gehen auf der Bühne die Scheinwerfer an und Musik ertönt. Und da stehen sie vor mir: Olaf, Erik, Felix, Claudius und die zwei Johannes. Vollzählig, kann losgehen.

Bisher noch unerreicht und Fantasie vom aktuellen Album eröffnen den Abend. Insgesamt wird Felix alle Lieder des aktuellen Albums singen, bis auf den Schnee auf Krefeld. Aber da sich der Sommer grad vor zwei Tagen scheinbar endgültig verabschiedet hat, reicht es, dass wir uns mit dem Herbst anfreunden müssen – da vermisse ich den Schnee auch noch gar nicht.

Bilder wie Gefühle, Postkarten und Herbsttag reihen sich an. Zwischendurch erzählt Felix von seinem letzten Auftritt in Münster… als er sich fünf Minuten vor Konzertbeginn den Arm auskugelte und nur durch die tatkräftige Hilfe eines Mannes, der auch heute im Publikum ist, doch noch auftreten konnte.

Nach irgendwas immerhin dann die erste von noch folgenden Premieren: die nächsten drei Lieder performen die Künstler mit nur EINEM Mikro in der Mitte, wodurch Stimmen und Instrumente auf natürlichere Weise den akustischen Weg ins Ohr des Hörers finden müssen. Dabei werden sie direkt bei ein Lied erstmalig von einem Gastmusiker, ihrem Mann am Mischpult, mit einer Mundharmonika unterstützt. „Ein Lied klang immer schon so, als bräuchte es eine Mundharmonika. Wir probieren das jetzt einfach mal aus.“

Auch eins zwei drei (eine Hommage an einen einst befreundeten Gastwirt) und früher mal gelebt finden ihren Weg ins Publikum.

Felix Meyer

Mittlerweile sind die Zuhörer im Saal, der gut gefüllt ist, bereits in Tanz- und Mitschwinglaune, was auch die Musiker freut. Es folgt das Lied über den Stierkampf aus der Sicht des Stieres: die Corrida mit spanischen Rhythmen. Nach bzw. glaub ich helfen wir im Publikum dem Nordwind mit See- und Windgeräuschen auf die Sprünge.

Und dann… die nächste Überraschung des Abends: Felix beginnt Sisters of Mercy (Leonard Cohen) auf Englisch – was dann Prinz Chaos II. himself als Geschwister der Gnade fortführt. Die Interpretation dieser ruhigen Ballade erinnert stellenweise an den Stil Konstantin Weckers, mit dem der Prinz oft zusammenarbeitet. Während des ersten Teils der Tour werden Felix Meyer und Band nämlich von Prinz Chaos begleitet – ab Ende Oktober im zweiten Teil übernimmt dann Cynthia Nickschas diesen Gastpart, dann aber sicher mit anderen, mit ihren Liedern. Auch Cynthia steht mit Konstantin Wecker in Verbindung, was man ihrer Musik aber nicht anhört, da sie eher leicht rockig unterwegs ist.

Aber zurück zu Prinz Chaos: ihm allein gehört nun für zwei Songs die Bühne. Begleitet von den fünf Musikern singt er Marrakesch und Freelancing Slave von seinem aktuellen Album TsunamiSurfer. Nachdem Felix auf die Bühne zurückkehrt, performen beide zusammen noch das Meyer-Lied Zeiten großer Worte. Ein großartiger Gast verlässt die Bühne und Felix kredenzt seine Artischockenherzensuppe.

Nach Hinterhofkino dann ein Coversong von Wenzel (Hans-Eckardt Wenzel): Zeit der Irren und Idioten. Einfach klasse! Und man hört den Wenzel durchscheinen…

Wie eingangs bereits erwähnt: jetzt kocht der Saal – das Publikum singt mit wo es kann und diverse Instrumenten-Soli heizen die Stimmung an. Vier Lieder, darunter Liebe, Dreck und Gewalt sowie Gummibaumblätter. Dann das hohe Ross – und Schluss.

Aber so leicht kommen sie uns nicht davon. Zugaberufe und rhythmisches Klatschen zahlen sich aus: Zeichen der Zeit und Der Wind trägt uns davon ertönen. Und dann: Kaffee ans Bett. Ebenso wie das hohe Ross und die Corrida schon ein echter Meyer-Klassiker. Kein Wunder also, dass diese Zugabe durch Zurufe aus dem Publikum zustande kam. Gut, dass Felix so textsicher ist und somit spontan darauf eingehen kann. Wohl jahreslangem Straßenmusik-Training zu verdanken!

Den Abschluss bildet – nach gut zwei Stunden Spielzeit ohne Pause – wie auch früher schon mal ein Rio Reiser-Lied: Wann. Mich erinnert da kaum etwas an Reiser – eine ganz eigene Felix Meyer-Interpretation, toll!

Na dann, hoffentlich auf bald!

www.felixmeyer.eu

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