Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Prinz Chaos II. – TsunamiSurfer

TsunamiSurfer

von Silke Aydin

Prinz Chaos II., Schlossherr auf dem thüringischen Schloss Weitersroda und Initiator des jährlichen Paradiesvogelfestes ebendort, hat vor ein paar Wochen sein neues Album „TsunamiSurfer“ veröffentlicht. Bei „Sturm und Klang“, dem Konstantin-Wecker-Label. Eine gewisse Nähe zu Wecker scheint auch in den Liedern von Prinz Chaos durch. Und doch sind sie ganz anders.

TsunamiSurfer ist ein sehr buntes Album – wie bereits der Innenteil des Booklets erahnen lässt: Regenbogenfarben! Bunt, queer, sozialkritisch – verpackt in chansoneske Balladen mit großen Melodien. Und manchmal auch federleichte Tanzeinladungen: von Quickstep bis langsamer Walzer ist alles vertreten.

Dabei nimmt Prinz Chaos kein Blatt vor den Mund. Einige sehr persönliche Lieder mit intimen Geständnissen, die man vielleicht so direkt dann doch gar nicht erfahren wollte – aber immer ehrlich und den Finger in die Wunde gelegt.

Queer as Folk (Tanzen) ist z.B. so ein Song mit eindringlicher Botschaft: für Toleranz, gegen Homophobie. Und … dass man sich wärmt, in der Nacht! thematisiert die Liebe, hier wohl die zwischen Männern, lässt sich aber auch auf die partnerschaftliche Liebe in jeglicher Form übertragen.

Der Opener TsunamiSurfer beschreibt die moderne Lebensart, immer hart am Wind, mit einem Bein am Abgrund. Risikofreudigkeit, aber auch Leben auf Kosten anderer – was des einen Freud ist des anderen Leid.

Dann Weitersroda – eine Exkursion in die bewegte Geschichte des Ortes Weitersroda, der hoffentlich noch viele Gefährliche Zeiten, wie in der „Ballade im Stil vorangegangener Weltuntergänge“ besungen, überstehen wird.

Soldatenliebe ist ein Antikriegslied und beschreibt einfühlsam, wie ein Soldat in Afghanistan die Zeit des Einsatzes nur durch die Fernliebesbeziehung zu seiner Freundin überstehen kann…

Man sieht hier bereits, dass die Themen des Albums sehr vielfältig sind. 14 Lieder aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen, kritisch betrachtet: der moderne Arbeitsmarkt (Freelancing Slave), der Kult um den Papst (Das Papamobil), Mythos um Marrakesch,…

Tomorrow, my boy – trotz englischem Titel kein (rein) englischsprachiges Lied – ist laut Booklet Sepehr Masakeni, einem iranischen Lyriker, gewidmet und kommt als sehnsuchtsvolle Liebesballade daher.

Ein weiteres Highlight der CD ist der Nachruf auf die drei großen Liedermacher Degenhardt, Kreisler und Hirsch, die 2011 innerhalb von 10 Tagen im November verstarben. Schwarzer November: „Ein Liedermachersterben / Die Lieder, die wir erben / Tausend Lieder – bunt & schwarz.“

Schloss im Schnee bildet den perfekten Abschluss des Albums: mit seinem nepalesischen Mantra „Om Tare TuTare TureSoha“ schafft es eine mystische Stimmung… die dazu anregt, alle Lieder gleich noch einmal anzuhören… um die Welt besser verstehen zu lernen.

www.prinzchaos.com

2 Kommentare zu “Rezension: Prinz Chaos II. – TsunamiSurfer

  1. guddysmith
    3. Oktober 2014

    Hat dies auf Prisma & Kaleidokop rebloggt und kommentierte:
    Eine wundervolle Kritik des Albums „TsunamiSurfer“ von Prinz Chaos II.

  2. maribu
    3. Oktober 2014

    Hat dies auf Querbeet rebloggt und kommentierte:
    damit es alle wissen die sonst nicht einachtellorbeetblatt lesen

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