Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Peter Dürer – Wieder im Leben

Wieder_im_Leben

„Wieder im Leben“ – und wieder mitten in der Liedermacherszene!
Das erste Soloalbum von Peter Dürer berührt mit seinen tiefgründigen Texten und schönen, leisen Tönen

von Anne Drerup

Gitarre spielen gelernt habe er mit 16, eigene Lieder getextet und komponiert schon seit er denken kann, sagt er.  Doch erst seit 2010 ist Peter Dürer, ein ehemaliger Olympionike, als aktiver Liedermacher in der österreichischen Liedermacherszene zurück und für eben diese eine echte Bereicherung.

Nach dem Album „Lobau“ mit „Auland und friends“ hat er nun im Sommer 2014 sein erstes Soloalbum „Wieder im Leben“ herausgebracht. Was seine Lieder besonders auszeichnet: Ruhige, harmonische (Gitarren-)Begleitung, die rein instrumental mitunter an Reinhard Mey erinnert, eine angenehme, leicht rauchig klingende Stimme und Texte, die unter die Haut gehen – nicht zu vergessen allesamt im Dialekt, der aber auch für alle Nicht-Österreicher gut verständlich ist. Dass Peter Dürer mit seiner Musik auch Freundschaft und Teamgeist verbindet, zeigt seine lange Dankesliste im schön gestalteten Booklet. So verwundert es nicht, dass auch „Auland und friends“ als Unterstützung und Bereicherung dabei waren.

Auf seinem Soloalbum befinden sich dann auch vier schon bekannte Lieder in einem verbesserten Mix : die Heimathymne „Durt g’hör i hin“ mit ihrem unverwechselbaren mehrstimmigen Refrain, die klangvolle Rückkehrballade „I bin daham“, das ganz persönliche „Jetzt kommt unser Zeit“ über das Durchstarten in der zweiten Lebenshälfte sowie das zeitkritische „Wo die Wahrheit wohnt“, das noch schwungvoller geworden ist als in der ersten Version und einen Refrain mit Ohrwurmcharakter hat: „Ganz weit hint am Horizont, durt, wo die Wohrheit wohnt, do war i gern, durt wü i hin, durt wo die Wohrheit wohnt“.

Die neuen Lieder haben nicht weniger tiefgründige, sehr persönliche Texte, es geht aber weniger um Heimatverbundenheit als um Selbstreflexion und den Umgang mit schwierigen Lebenssituationen, um glückliche und gescheiterte Liebe sowie den stetigen Drang, aus dem eigenen Leben auch etwas Sinnvolles zu machen. So geht es beispielsweise bereits in der Eingangsballade „Lass es mi g’spiarn“ um den eindringlichen Wunsch, das Leben intensiv zu spüren und zu leben und festgefahrene Ängste abzuschütteln.

Sehr typisch für die Lieder von Peter Dürer ist es, dass seine Texte einen Rahmen bilden, indem er die Eingangszeilen am Schluss noch einmal wiederholt. Dies und die wohlklingenden instrumentalen Passagen sorgen für eine Ruhe und damit günstige Atmosphäre, sich auf die Textinhalte ganz und gar einzulassen. „Mei Schutzengerl“ ist ebenfalls eine Ballade, die zu Anfang textlich wie gesanglich etwas holprig klingt, ab der Mitte mit Percussion (Thorsten Gudowski) und Backgroundgesang (Manfred Haupt) aber immer besser wird.

Anders ergeht es dem Zuhörer bei „Der alte Schwur“, ein Lied über Erinnerungen an die Jugendzeit und dem damit verbundenen Idealismus, an alte Schwüre, die mit der Zeit verblasst sind – am Ende aber mit dem Aufruf, nicht zu vergessen und lethargisch zu werden, sondern daraus Kraft zu schöpfen und sich bewusst zu machen, wie wichtig es ist, aktiv zu handeln. Dieses Lied, dessen Komposition an mittelalterliche Musik erinnert, zieht von Anfang an Aufmerksamkeit auf sich und mag je nach persönlichem Geschmack zu den stärksten Liedern des Albums zählen.

Es sei denn, man ist besonderer Fan von Liebesliedern, denn dann ist „Flieg mit mir“ wohl der absolute Favorit: Es offenbart den Wunsch, gemeinsam zu träumen, sich aus dem Alltag auszuklinken und eine drohende Trennung abzuwenden. Zusammen mit Dirk Teufer am Piano und Manfred Haupt mit verschiedenen Flöten ist Peter Dürer eine wunderbare Ballade gelungen, die nichts Schwermütiges an sich hat.

Dramatik und Schmerz findet sich in anderen Liedern aber umso mehr wieder: „Das letzte Lied“ (Text: Rudolf Neumann) beschreibt den wehmütigen Abschied von einer großen, aber geendeten Liebe, während „Net allan“ (Text: Jörg Dahlbeck) bis zuletzt noch an einer Hoffnung festhält, nicht allein zu bleiben, auch wenn an dem Punkt, wo man gerade steht, alles danach aussieht, als sei die Beziehung endgültig aus und vorbei. Der hallende Klang, einige bizarre Töne und Melodiebrüche passen sehr gut zum Inhalt und der Stimmung, die dieses Lied vermittelt.

Ebenfalls aus der Feder von Dahlbeck stammen das traurige „Nachtengel“ über eine Frau mit schweren Schicksalsschlägen (gewalttätiger, alkoholkranker Mann, gestorbenes Kind, Einsamkeit), das aber eine zarte Hoffnung aufsteigen lässt: „Und ein Engel klopft an ihre Tür, das Treppenhaus hallt kalt und leer. Engelsflügel machen Herzen leicht, Mauern machen Herzen schwer“, sowie das etwas munterere und sich selbst reflektierende „Spieglein, Spieglein“ („…an der Wand – früher warst du Zauberland. Seit wann bist du taub? Seit wann bist du blind? Sag mir, wo die Träume sind!“).

Sehr eindrücklich beschreibt Peter Dürer selbst in „Gib nicht auf“ den Umgang mit einem geliebten Menschen im Koma, der Gott sei Dank nach langem Kämpfen wieder zum Leben erwacht. „Wilde Seefahrt“ (Text: Uwe Knappe), das im Zwischenteil mit irischen Flötentönen überrascht, schildert die Situation eines pflichtbewussten Seefahrers, der an seine geliebte Frau schreibt, die er sehnsüchtig vermisst. Das flotteste Stück ist sicherlich „Grüß Gott und hab die Ehre“, denn die Musik klingt durch Rhythmus und Gitarrenläufe nach spanischem Temperament, das leider aber auch nichts nützt, denn so schön die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit sind, wurde der Erzähler von seiner Frau unweigerlich verlassen.

Insgesamt betrachtet ist „Wieder im Leben“ ein Album, in das hineinzuhören es sich lohnt, gerade wenn man handgemachte Musik, persönliche und zu Herzen gehende Texte und leise Töne schätzt. Wer sich die Texte darüber hinaus gerne etwas genauer anschauen möchte, kann sich diese kostenlos hier herunterladen.

Bleibt dem großartigen Künstler und Unterstützer der Liederbestenliste weiterhin viel Erfolg zu wünschen, und dass auf sein erstes Album noch weitere folgen werden – getreu seinem eigenen Motto: „Irgendwie denk i ma, des woar no z’wenig, des kaun net ollas g’wesen sein…“ In diesem Sinne: Frohes Schaffen und auf dass die Lieder beim Publikum Gehör finden!

www.peter-duerer.at

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