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Rezension: Tobias Burger – Sommerweg

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Die aktuellen Songs von Tobias Burger – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Lorbeerfunk, unserem Radiosender rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Lena Lehmann

Seit seinem 15. Lebensjahr spielt Tobias Burger Gitarre, schreibt eigene Lieder und bezeichnet dies als „die Liebe seines Lebens“. Pete Seeger ist sein großes Vorbild, sowohl musikalisch als auch was soziales Engagement betrifft. Soziale Gerechtigkeit, Nächstenliebe und zwischenmenschlicher Austausch in allen Bereichen sind die Werte, denen auch Tobias Burger sich lebenslang verschrieben hat. Dies beschreibt ihn als politischen Liedermacher, und doch reicht dieser Begriff allein bei weitem nicht aus, Burgers Musik zu beschreiben.

Das Album „Sommerweg“ ist bereits sein zweites, es erschien am 10. Oktober 2014 wie schon das Debüt „Und die Erde ist noch warm“ bei Acoustic Music Records. Ganze 13 Lieder umfasst dieses neue Werk, besticht durch viel Intimität und liebevoll arrangierte Stücke, an denen neben Kerstin Blodig als Zweitstimme und Manfred Leuchter am Akkordeon auch Ian Melrose als prominente Unterstützung mitgewirkt hat.

An vielen Stellen fühlt man sich beim Hören sofort an Liedermacher im klassischen Sinn wie Gerhard Schöne oder Reinhard Mey erinnert, was sicher neben dem Gitarrenspiel auch der (im doppelten Sinne) tiefen, warmen Stimme Burgers zu verdanken ist. Diese Stimme hüllt den Hörer ein und fühlt sich an wie eine weiche, warme Wolldecke, sie reicht einem heißen Kakao und sorgt dafür, dass man sich vom ersten Ton an pudelwohl fühlt. Musikalisch gibt es ebenfalls viel zu entdecken, denn Tobias Burger beschränkt sich keinesfalls nur auf klassisches Liedermachergut. Ob ein Hauch von Südamerika („Sommerweg“), Countrymusik („Engelskind“) oder Ragtime („Knopfdruck-Rag“), man findet die verschiedensten Einflüsse in Burgers Liedern, und dennoch schafft er es, seinem eigenen musikalischen Stil durchweg treu zu bleiben. Diese stilistische Konsistenz ist nicht zuletzt dem überaus virtuosen Gitarrenspiel Burgers zuzuschreiben, das sehr vielschichtig und ausgefeilt daherkommt. Hier stellt sich aber an der einen oder anderen Stelle wiederum der Effekt ein, dass eben dieses Gitarrenspiel in seiner Konsistenz von Lied zu Lied oft sehr gleich klingt und hier und da sogar ein wenig überladen wirken mag. Durch den sparsamen und wohldurchdachten Einsatz weiterer Instrumente schafft Tobias Burger dennoch musikalische Abwechslung – als besonders gelungen muss hier das Instrumentalstück „Anja“ hervorgehoben werden, welches dem Zuhörer eine leichte irische Meeresbrise um die Nase wehen lässt. Auch „Ich muss weiter“ sticht durch seine instrumentale Zusammensetzung heraus, mutet dabei fast schon schlagerartig an. Das mag am Ende auch nicht jedermanns Sache sein, aber Lieder wie diese überraschen den Hörer genau dann, wenn er meint sich gerade voll auf Burgers Musik eingestellt zu haben. Das macht dieses Album am Ende umso spannender.

Doch nicht nur Burgers Stimme und musikalisches Können verleihen „Sommerweg“ seinen ganz persönlichen Charme. Tobias Burger schreibt wunderbare, sehr tiefgründige und oft sehr poetische Texte, erzählt von Persönlichem und auch Politischem so, dass man sich selbst mit seinen Gedanken und Erinnerungen sofort wiederfindet. Ein wenig schade dabei ist, dass die Poesie seiner Texte an manchen Stellen dem Zwang des (Paar-)Reims zum Opfer zu fallen scheint. Dennoch sind Burgers Lieder so vielschichtig, treffend und pointiert formuliert, dass man über gelegentliche kleine Plattitüden gern hinwegsieht.

Insgesamt legt Tobias Burger mit „Sommerweg“ ein wirklich gelungenes zweites Album vor. Sowohl musikalisch als auch inhaltlich am schönsten und persönlichsten sind auf dieser Platte sicher die schlicht arrangierten, klassischen Liedermacherlieder wie „Kreuz-Fahrt“ oder „Worte werden wie Regen sein“. Instrumentalstücke und Einflüsse verschiedener anderer Genres ergänzen diese Lieder, runden das Album ab und machen es zu einem absolut hörenswerten und interessanten Gesamtwerk.

www.burgerlieder.de

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