Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Veras Kabinett – Ungetüm

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von Michael Lösch

Bei der Liedermacherei steht ja oftmals die Verteilungsgerechtigkeit im Vordergrund, die möglichst gerechte Streuung von Botschaften und deren Intensität auf die einzelnen Lieder. Diese Gefühlsagenda stimmt schon mal, beim „Ungetüm“ von Veras Kabinett und die Worte stimmen auch. Sarkasmus, Melancholie, Verträumtheit und auch der Zweifel bekommen im Intervall zwischen romantischer Lyrik und Symbolismus genau die Verstärkung, die sie brauchen.

In guter Rillennachbarschaft geht es um die klassischen Themen wie Liebe, Eifersucht, Freundschaft und was die innere Reflexion daraus macht. So gerät dann gleich der erste Titel, „Einerlei“ zu einem tapferen Bekenntnis zum Grundrecht auf Resignation, zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme großer und kleiner Vergeblichkeiten. In „Der Mond“ gelingt durch die mitternächtliche Gesichtspartnerschaft auf Augenhöhe mit selbigem die Seelenwanderung in sich selbst und in „Püppchen“ bekommen selbstverliebte Girlie-Allüren ihr Fett weg, ein bisschen wie bei Tic Tac Toes „Ich wär so gern so blöd wie du“, eben nur um mehrere Nuancen sensibler und damit sarkastischer. In „Ich schweige über die Leere“ geht es um Trauer und Verlust. „Während andere schon schlafen“ ist eine Hommage an die Freundschaft, die eigentlich erst beim Auseinandergehen so richtig beginnt.

Die Texte sind so, wie gute Liedertexte sein sollten, es sind wortgezippte Bedeutsamkeiten. In einem Poetry-Slam-Wettbewerb hätten etliche Lieder durchaus auch ohne Noten gute Chancen.

Die Musik variiert nicht nur durch Takt und Rhythmus. So ist sie keinesfalls nur darauf aus, portugiesischen Fado auf gut Deutsch noch trauriger zu machen, denn ein Versinken in moll-lastigen Düsternis-Fallen wird durch liedhafte Aufhellungen immer wieder rechtzeitig umschifft, titelübergreifend und intern.

Getragen wird die Musik im Wesentlichen durch Schlagzeug und Piano, mal verstärken stanzende Akkorde den Sarkasmus, mal führen rezitative Läufe in angrenzende Stimmungslagen weg. Mal fächern Streicher- und Flötenzusätze deltaförmig auf, mal stehen sie aber gelegentlich auch der Stimme im Weg oder auch umgekehrt. Überhaupt, beim Thema Gesang offenbart sich der einzige Schwachpunkt des Ganzen.

Zwar passt der Charme einer jungmädchenhaften Färbung grundsätzlich, ist er doch per se wenn nicht gar eine Herausforderung aber doch zumindest eine nonverbale Infragestellung, er bleibt sich aber im Wesentlichen gleich. Das macht den Hörfluss auf die Dauer ein wenig monoton, und dort, wo die Stimme sich was traut, erweist sie sich in den höheren Lagen nicht immer als schwindelfrei.

www.veraskabinett.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. Oktober 2014 von in 2014, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
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