Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Ralph Schüller – Alle guten Geister

digipack_.indd

Die aktuellen Songs von Ralph Schüller – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Lorbeerfunk, unserem Radiosender rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Michael Lösch

Liedermacher haben nun einmal ein gesundes Mitteilungsbedürfnis. Ralph Schüller bietet da keine Ausnahme, oder vielleicht doch, denn mit insgesamt 16 Titeln ist seine CD „Alle guten Geister“ besonders umfangreich geraten. Dass sich die Titel der Reihe nach ganz gut weghören, ist ganz wesentlich der mal erfrischenden, mal ergreifenden Melodiösität zuzuschreiben, mal Ballade, mal Chanson, mal lebensfrohe Dur-Fanfaren, so im Stile eines positiv singenden Grönemeyers.

Aber ganz so wie in der Werbung nicht selten originelle Pointen das Produkt und seine Positionierung überdecken, so sind auch Schüllers Melodien gelegentlich dazu angetan, eher eigene Gefühle auf die Wanderschaft zu schicken, anstatt den Textbotschaften zu lauschen.

Zu Beginn des Repertoires gibt es viel Augenblicksbefindlichkeiten, romantische Streiflichter im Wald und auch fließbandartig aufgelistete Ungewissheiten wie im Lied „Irgendein“. So manches wovon Schüller da singen und sagen will verharrt im Unterholz allzu privater Deutungen. Das Lied „Schöner als zuvor“ mutet wie ein schon fast politikerreifes Bekenntnis zu Anstrengung und Veränderung an, ein bisschen so wie Kästners „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“.

In „Weit mit dir“ geht es zum ersten Mal richtig ans Eingemachte. Es geht um den Ausbruch, um die Flucht. Schüller findet hier kraftvoll gegenständliche Worte für das, was man mit Leichtigkeit zurücklassen kann, wenn der geliebte Partner selbst der Weg und das Ziel und auch Mikroskop für die Freuden des Ankommens ist. Letzteres bekommt auch noch mal sein eigenes Denkmal gesetzt. „Wo ich dich summen hör, komm ich mir auch wieder selbst in die Quer“ heißt es im Lied „Endlich zu Hause“. So ist denn die Liebeslyrik bei Schüller immer wieder präsent, mal Fluchthelfer, mal Geborgenheitsspender.

Nach dem Ankommen geht es dann freilich wieder hinaus in die sinnliche Erfahrbarkeit der großen Welt und der kleinen, doch alle von der gleichen Sonne beschienenen Nachbarschaften, hinein in den Kosmos der leisen Weltschmerzen, die auch mal ein bisschen lauter werden dürfen, wenn sie die ihnen so passende Ungerechtigkeit gesucht und gefunden haben. So gesehen ist das Lied „Wünsch dir nicht“ die politische Lyrik der CD.

Die Lieder sind von Akkordeon, Piano, Schlagzeug, Streicher und Orgelarrangements zum Teil recht üppig unterpolstert und manchmal versinkt der Gesang auch regelrecht darin.

Fazit: Die Melodien sind toll, die Texte manchmal nicht einfach, aber man nimmt es Schüller ab, dass er es gut mit den großen und kleinen Gefühlen meint.

www.ralphschueller.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: