Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Georg Bauernfeind – Vorsorgelieder & Zukunftsmusik

Zukunftsmusik

von Michael Lösch

Es gibt Liedermacher, die drehen sich gern um ihre eigenen Befindlichkeiten. Andere klagen so ganz nebenbei noch ein bisschen an. Georg Bauernfeind erzählt ganz einfach Geschichten; Geschichten, die das hauptstädtische, arbeitsteilige und leistungsgesellschaftliche Dasein so schreibt, und allerlei Spezies kriegen ihr Fett weg.

Gleich zu Beginn in „Moneymaker“ gibt es ein Vier-Minuten-Kabarett auf die Medizinmänner der Geldvermehrung, das Portrait eines am eigenen Hochgeschwindigkeits-Optimismus zerschellenden Rendite-Radars.

In „Lotto-Totto-Otto“ reduziert sich das ganze Menschsein auf den Tippschein, die große Sehnsucht auf dem kleinen Papier, der Small-Business-Plan für das riesengroße Glück und ausgerechnet der Betreiber des Zeitungsladens um die Ecke kommt als Gewinner in die Quere. In „Mein Vetter Hans“ wird es dann regelrecht kommunalpolitisch. Es geht um bürokratische Behäbigkeit, Kungelei und Filz und um inoffizielle Behördenmaut, die, wenn man Bauernfeind denn Glauben schenken soll, allerdings ukrainische Dimensionen annimmt. Das ist so ziemlich die einzige Passage, bei der einem das Grinsen dann vergeht.

Weitere Sticheleien gibt es gegen ökologisch korrekte Radler-Rambos und den ökologisch korrekten Konsum, bevor es dann mit „Einchecken“ mal ein wenig sentimental aber nicht kitschig wird. Und was eignet sich besser um seiner Sehnsucht freien Liederlauf zu lassen, als das nicht ausgelebte Fernweh? Die eigene Traurigkeit steht hier einfach nur für einen ehrlichen, missgunstbereinigten Neid?

Bauernfeinds Stärke liegt in der starken Personalisierung und deshalb überwiegt sie auch über weite Strecken. In „Windrad“ geht sie sogar so weit, dass ein selbiges für die Teilnahme an einem Schönheits-Contest für nachhaltige Energieerzeugung richtiges Leben und Gefühlsleben eingehaucht bekommt.

Die Texte sind keine Spitzwegbilder der Dachboden-Innerlichkeit, sondern sie rempeln an. Mal kreislerts, mal qualtingerts bissig, mal klingen Wolfgang Ambros und Reinhard Fendrich durch. Bauernfeind macht hier den Wiener Schmäh-Jungen mit der Gitarre und der Mundharmonika. Wenn Andy Borg zu originellen musikalischen Momenten fähig wäre, er würde sich ähnlich anhören. Eigentlich sind es weniger Lieder, sondern instrumentell untermalte Tresen- und Kiosk-Nachrichten, denen man ganz gerne lauscht.

www.georg-bauernfeind.at

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