Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Cassy Carrington und ihr Herr Cosler: „Im Zweifel mehr Lametta“ – Ein Konzertbericht.

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von Silke Aydin

Münster, 13. Dezember: Im urigen Schnabulenz-Café haben Drag Queen Cassy und ihr Pianist Herr Cosler zur Weihnachtsshow eingeladen. Ich – zusammen mit knapp 100 anderen Besuchern – darf den Vorbereitungen auf die Bescherung beiwohnen, wie aufregend! Ein kurzer Hörspielteil leitet die Szene ein: Cassy und Herr Cosler haben ihr Dinner beendet und betreten die Bühne, das Wohnzimmer mit Piano, Lehnstuhl und Mini-Christbaum. Cassy im „Kurzen Schwarzen“ und Herr Cosler mit pinkfarbenem Rentierpulli.

Weihnachten ist eine schöne Zeit eröffnet den Liederreigen, gefolgt von Der allerschnellste Läufer, einem der neuen Stücke, die auf dem (frisch durch Crowdfunding finanzierten) Debütalbum im Mai zu hören sein werden. Dann verschiedene deutsch- und englischsprachige Weihnachtstraditionals, aufgelockert durch Impro-Comedy und Aktionen mit dem Publikum: Henri darf den Weihnachsbaum auf der Bühne schmücken und zur Belohnung bekommt er einen Ehrenplatz im Lehnstuhl, ganz nah bei Cassy… – und natürlich ein Gläschen Eierlikör! Auch Cassy nimmt gerne mal ein Likörchen zwischendurch; schließlich muss sie Mut sammeln für ihr Blockflöten-Vorspiel, das Herr Cosler so gerne hören möchte und am Ende auch tatsächlich doch noch dargeboten bekommt – wo sich dann die Frage stellt, ob Cassy nicht im nächsten Jahr einen Blockflötenkurs zu Weihnachten geschenkt bekommen sollte!

Aber bei der Bescherung sind wir ja noch gar nicht. Okay, der Baum ist geschmückt; Cassy singt Leben spüren, ein melancholisches Chanson über Sehnsüchte und verpasste Träume – großartig! Nachdem sie dem Publikum gestanden hat, leider derzeit Single zu sein, macht sie ihrem Frust mit der Pärchenallergie Luft, die mit den Takten von Last Christmas verklingt. Ein weiterer neuer Song, Eines Tages, bei dem das Publikum schnell in den Refrain einsteigt und dann eine kurze Pause, in der sich Cassy und Herr Cosler festlich kleiden werden – zur Bescherung!

Herr Cosler, nun im Anzug, und Cassy im „Kleinen Goldenen“ – schulterfreies Paillettenkleid, das stärker glitzert als jede Diskokugel – legen ihre Geschenke füreinander unter den Baum und Stille Nacht, Silent Night erklingt. In der Pause hat Cassy außerdem ein Weihnachtsgedicht für Henri, den fleißigen Tannenbaumschmücker, geschrieben. Nach Mehr ist mehr der Klassiker Männer muss man loben; da wissen wir, was sie damit meint!

Im Anschluss an ein Lieder-Ratespiel mit Kandidaten aus dem Publikum (Hauptpreis ist ein Paar quietschgelbe Socken) dann Latino-Klänge von der Bühne: Die Nörglerin kommt schwungvoll rüber, ganz im Gegensatz zu dem was man bei so einem Songtitel erwartet hätte! Nun endlich: Bescherung. Und wie so oft: Enttäuschung – die man aber zumeist nicht zeigt. Cassy bekommt einen Hüftslip… damit sie sich nicht wieder eine Erkältung einfängt. Und Herr Cosler erhält etwas, das er bisher nicht (mehr) hatte: Haare. Kunsthaar. Eine todschicke Perücke, die falsch herum aufgesetzt erst ihre wahre Schönheit entfaltet.

Im Zweifel mehr Lametta beschließt den offiziellen Teil – aber ohne drei Zugaben lassen wir sie nicht gehen: Lügen muss ich nicht, die Cassy-Hymne über Selbstfindung und Toleranz macht den Anfang; dann wird es nochmal weihnachtlich mit einem gemeinsamen O du fröhliche und zum Abschluss dann Adieu. – Hoffentlich kein Adieu für immer!!

www.alleliebencassy.de

Foto: Inga Jockel

 

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