Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Renee van Bavel – Am Rande des Waldes

amrandedeswaldes

von Kai-Olaf Stehrenberg

„Wo die Tür offen steht, der Holzboden knarrt, ein Topf kocht auf dem Herd…“
Die ersten Zeilen von Renee van Bavels EP „Am Rande des Waldes“ beginnen ebenso anheimelnd wie fast schon mystisch. Diese Mystik wird getragen durch das verwaschene Klavier und ihre Stimme, die sie mehrfach dazu eingesungen hat und die klingt, als würde ein Elfenchor in seine Heimat am Rande des Waldes einladen.

Da ist es schon seltsam, dass dieses Bild trotz solch kleiner technischer Spielereien genau zu meinem ersten Eindruck passt, den ich bei einem Bühnenauftritt von Renee van Bavel gewinnen konnte. Eine fast schon erhabene Erscheinung mit feuerroten Haaren, die sich ans Klavier setzt und den Saal binnen Sekunden mucksmäuschenstill werden lässt, und das erste Lied, das sie sang: „Das Feuer“:
Immer das Sehnen, in einem anderen Leben etwas anderes zu sein“ singt sie darin, starrt dabei ins Licht und streckt dazu ihre Hand aus. Es sind solche Gesten und ihre intensive Ausstrahlung, mit der sie sich von so manch anderen Liedermacherinnen abhebt und mit der sie das Publikum schnell in ihren Bann zieht. Es ist ihre poetische Sprache, die es schafft, alltägliche und schon oft besungene Gefühle und Geschichten wie neu erscheinen zu lassen. Umso schöner, dass Renee van Bavel diesen Zauber auch auf CD übertragen konnte.

Ihre EP klingt angenehm eigenständig. Irgendwie ist das schon Pop, was sie da macht; minimalistische und dennoch genau abgestimmte Arrangements verleihen den Liedern aber einen besonderen, edlen Glanz. Ihre Stimme ist ausdrucksstark, warm und angenehm. Der Akzent der gebürtigen Niederländerin ist dabei zu ausgeprägt, um ihn überhören zu können – und zu schön, um ihn überhören zu wollen. Er passt einfach, sowohl in den bereits erwähnten, geheimnisvoll klingenden Liedern wie auch an Stellen, an denen es beschwingt wird: „Immer“ heißt dieses zuckersüße Liebeslied. „So oft ich es auch leugne, es hat keinen Sinn, ich bleibe immer ein bisschen verliebt in dich“. Sie schafft es, dass dieses Lied in seiner glückseligen Einfachheit immer noch elegant und überhaupt nicht nach Kitsch klingt, und auch von solchen Liedern hätte ich gern noch mehr gehört. Aber dies ist eine Aussage, die ich gern auf die ganze EP ausweiten möchte: Diese fünf Lieder machen nämlich so viel Lust auf mehr, dass es wirklich schade ist, nur eine EP in den Händen halten zu können.

Was wir uns wünschen: Ein ganzes Album von dieser vielversprechenden Künstlerin.

www.reneevanbavel.nl/de

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