Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Norman Young – Im Blauen bleiben

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Die aktuellen Songs von Norman Young – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Lorbeerfunk, unserem Radiosender rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Michael Lösch

Im ersten Band der „Abschaffel-Trilogie“ von Wilhelm Genazino bekommt es Titelheld Abschaffel auf einmal mit der Angst vor der Dämmerung zu tun, weil er befürchtet, mit der Helligkeit gleich mit zu verschwinden.

Beim Hören der Lieder von „Im Blauen bleiben“ von Norman Young kann es einem ähnlich ergehen, dass man zum Ende der Klänge gleich mit verschwindet, und man weiß gar nicht mal so richtig, wohin.  Angst braucht man davor aber keine zu haben, dazu sind die Lieder in ihrer Gesamtheit zu schön.

Die Kernbotschaft des Albums ist der Leichtflug. Mal ist es Landschaftsmalerei, mal ist es das Meer, die Lust aufs und Mut zum Verflüchtigen machen.  Winde sind so schön, weil sie absichtslos sind, und im Weltall möchte man die Sterne hören, ohne durch Schwerkraft behelligt zu sein.

Natürlich geht es auch um Gegenständliches, um Alltagsbefindlichkeiten, wie etwa zu Beginn in „Du findest was“, um den in sich ruhenden Glauben an sich selbst.

Das zweite Lied „Zeit der fernen Töne“ ist Liebeslyrik, ein Bekenntnis zu den kleinen Gesten und die Freude über die Rentierlichkeit derselben. Wo der Brückenschlag vom Seelenprivaten zum Bedeutsamen nicht immer ohne Streuverluste gelingt, da greift Young mal schmiegsam, mal breit genug in die Saiten, dass man auch ohne viele Worte weiß, worum es ihm und dem Zuhörer geht, welche Momente da erhöht werden sollen. Das Lied „Spätsommer in B“  ist sogar ganz ohne Worte ein Sonnenbad auf dem Gitarrensteg.

Die in ihrer Kratzigkeit leicht schmirgelnde Stimme stört den Hörfluss überhaupt nicht, im Gegenteil, sie ist ein Off-Beat an Geradlinigkeit und stabilisiert regelrecht den Zwischenklang.

Das Lied 9. „Valentina“ ist ein schönes Liebeschanson.

Ja, das Album ist im Grunde ein großer Zwischenklang. Stellvertretend für die allermeisten Lieder und damit Kernsatz für das ganze Album ist die Stelle in Lied 10 „noch mehr als zu wissen, brauch ich es zu vermissen“. Genau das ist die Liedersammlung von Norman Young, eine Anbetung der Sehnsucht um ihrer selbst willen. Es sind Sinnfragen, die keine Antworten mehr brauchen. Es ist „das sich absolut sicher fühlen“ im Nirgendwo.

 

Und hier noch weitere Meinungen zum Album von Redakteuren des Ein Achtel Lorbeerblatts:

Silke Aydin (Lektorin): Solide Klänge und ein Künstler, der sein Handwerk versteht. Aber keine Lieder, die besonders auffallen oder nachhallen, leider. / 6 von 10 Punkten

David Wonschewski (Schriftsteller): Dem kann ich mich anschließen, irgendwie macht Norman Young nichts falsch – vielleicht ist auch genau da das Problem. / 5 von 10 Punkten

Denise Anstatt (EAL-Leserin): Sicherlich hat Norman Young gedanklich gute Ansätze in seinen Liedern. Für meinen Geschmack geraten die Aussagen allerdings durch eine teilweise etwas holprige Sprache und eine gewisse musikalische Langatmigkeit in den Hintergrund. Die Melodien haben es nicht geschafft, mir im Ohr zu bleiben, etwas mehr musikalische Abwechslung wäre schön gewesen. / 4 von 10 Punkten

www.norman-young.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Januar 2015 von in 2015, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , .
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