Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Bube Dame König – Traumländlein

Traumlaendlein_Bube_Dame_Koenig

von Michael Lösch

Es ist sicherlich eine Binsenweisheit, dass der Spruch „Oldies but Goldies“ nicht nur für Glenn Miller und den Rock ‘n‘ Roll Gültigkeit hat, sondern sich weit in vergangene Zeiten erstrecken kann. Manchmal bedarf es eben nur von Zeitschichten bedeckte Liederschätze neu zu heben, und das ist mit „Traumländlein“ passiert.

So schlendert man denn durch liebliche Gesangsauen und so ganz nebenbei noch durch die Jahrhunderte und kehrt sogar in die Gegenwart zurück, denn ein paar moderne Volkslieder sind auch dabei.

Wenn man sich dann noch die Mühe macht, das Internet zu befragen, dann kann man sogar das eine oder andere Wissenswerte erfahren. So verrät das „Liederlexikon“, dass die musikalische Wintervertreibung „Nun will der Lenz uns grüßen“ lange dem mittelalterlichen Minnesänger Neidhart von Reuenthal zugeschrieben und so zum Inbegriff der mittelalterlichen Minnelyrik wurde. Tatsächlich wurde es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Kinderdichter Karl Ströse verfasst, der zwar auf das Neidhart-Lied „Diu Ziet is hie“ zurückgegriffen, dessen Liebesgedicht aber in eine kinderfreie Naturschilderung umgewandelt hat. Beziehen sich bei Neidhart die Worte „Ende hat nun die Qual“ auf das lange Warten der jungen Frau auf ihren Geliebten, den sie im Frühling wieder treffen möchte, so meint Ströse mit „End“ allein das Ende des Winters.

Wenn alle Brünnlein fließen“ ist dagegen einwandfrei ein Liebeslied aus dem 16. Jahrhundert. Sein Schöpfer ist unbekannt, seine Gefühlsaufwallung aber bestimmt nicht, es muss ihn voll erwischt haben.

Dann gibt es Ausflüge in lokale Sagenwelten, wie die aus der Hallenser Gegend stammende Tragödie vom Heideförster aber auch solche in die Gegenwart.

Ebereschenbaum“ ist ein schönes Heimat- und Liebeslied zugleich und anders als die Vorgänger tatsächlich von heute. Es lässt den Heimatbegriff in der heutigen Zeit wieder heimisch werden. “Ich kehrte ein in Bruchtal und schlief im Taj Mahal. Ich hab die ganze Welt besucht, ich war schon überall. Ich hab alles gesehen, viel Wunder immerdar, am schönsten aber ist gewiss ihr kupferrotes Haar. Denn wie weit ich auch fliehe, mein Herz es bleibet dort. Es wohnt beim Ebereschenbaum, an keinem andren Ort.“

Schnitter Tod“ ist auf das Jahr 1638 datiert. Ein Schelm, der denkt, dass das nichts mit dem 30jährigen Krieg zu tun hat. Die Drehleier mutiert hier zum Synthesizer der Unheimlichkeit.

Im „Gewerkschaftslied“ gibt es noch einen Schuss Liedromantik nach Arbeiterart, so eine Mischung aus Thomas Müntzer, Degenhardt und Süverkrüp.

Instrumentell gehorchen die Lieder doch sehr ihren Originalen aus der alten Zeit und das gilt auch für die Volksliedschöpfungen von heute. Gelegentlich wagt man sich an leicht verzerrende Grundtonmodulationen heran. Ansonsten wirkt es bei aller tonalen Beschaulichkeit etwas bieder und brav.

Aber: Es muss in dunklen Zeiten auch heile Welten gegeben haben. Sonst wären diese nicht besungen worden.

www.neue-volkslieder.de

 

Und hier noch der sehr informative Link zum Online-Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs in Freiburg:

http://www.liederlexikon.de/

 

 

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Februar 2015 von in 2015, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , .
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